Bremer Kliniken sind gerüstet für Corona – doch eine Sorge bleibt

Wegen Corona müssen immer mehr Patienten in Bremen isoliert werden. Platz dafür ist genügend vorhanden. Allerdings könnte sich jetzt der Notstand in der Pflege rächen.

Video vom 16. Oktober 2020
Mehrere Ärtze und Krankenschwestern beim beraten im Infektionsbereich im Krankenhaus.
Bild: Radio Bremen

In Bremens größtem Krankenhaus, dem Klinikum Bremen-Mitte, gibt es inzwischen nicht mehr nur eine Isolierstation, sondern zwei. Ein untrügliches Zeichen dafür, dass die Zahl derer, die sich in Bremen mit dem Coronavirus infiziert haben, rasant gestiegen ist und derzeit täglich weiter steigt. Wie auch die Zahl derjenigen, die, etwa aufgrund von Anzeichen einer Erkältungskrankheit, in den Kliniken zunächst zumindest unter dem Verdacht einer Corona-Infektion stehen, und daher ebenfalls vorsorglich isoliert werden müssen. Insbesondere wegen dieser Patienten-Gruppe sah sich das Krankenhaus an der St. Jürgen-Straße gezwungen, eine zweite Corona-Isolierstation aufzumachen.

Das Beispiel des Klinikums Bremen-Mitte zeigt: Die Corona-Pandemie droht in diesem Herbst, alle Krankenhäuser im Land Bremen vor neue Herausforderungen zu stellen. Gleichwohl legen Sprecher sämtlicher Hospitäler Bremens gegenüber buten un binnen Wert auf die Feststellung, dass sie sich bereits seit dem Frühjahr gut auf die nun drohende Situation vorbereitet hätten und auf einen stärkeren Andrang von tatsächlichen und vermeintlichen Corona-Patienten gefasst seien.

So sagt Rolf Schlüter, Sprecher des kommunalen Klinikverbunds Gesundheit Nord (Geno): "Wir könnten am Klinikum Bremen-Mitte auch vier Isolierstationen aufmachen." Die Pläne dafür seien längst erstellt. Allerdings sei man glücklicherweise noch weit davon entfernt, sie realisieren zu müssen. Alle vier Kliniken der Geno zusammen hätten derzeit (Stand: Freitag, 16. Oktober) 28 Patienten mit bestätigten Corona-Infektionen in Behandlung sowie ebenso viele Verdachtsfälle – eine noch überschaubare Zahl.

Geno verteilt Corona-Patienten auf Kliniken in Ost und Mitte

Ein Vorrat an fertigen Krankenhausbetten wartet auf einem Flur auf den Einsatz.
Um Corona-Patienten von anderen zu trennen, sind Bremens Kliniken darauf vorbereitet, kurzfristig neue Stationen zu schaffen und bestehende zusammen zu legen (Symbolbild). Bild: Imago | Westend61

Davon unberührt, habe man am Klinikum Bremen-Mitte einige reguläre Stationen zusammengelegt, um auf diese Weise Pflegepersonal für die neue Corona-Isolierstation abzweigen zu können, erläutert Schlüter. Das sei auch deswegen möglich gewesen, weil in dem Klinikum insgesamt längst nicht so viele Patienten behandelt würden, wie vor Ausbruch der Pandemie. Anders gesagt: Viele Stationen in den Krankenhäusern sind derzeit nicht ausgelastet. Denn aus Angst vor einer Corona-Infektion meiden weiterhin selbst Menschen mit schweren Krankheiten die Kliniken.

Grundsätzlich versuche die Geno, Patienten mit Verdacht auf Corona auf die Standorte des Klinikverbunds in Mitte und Ost zu verteilen, so Schlüter. Das Klinikum Bremen-Mitte sei für viele Menschen ohnehin, auch für Rettungsdienste, die Anlaufstelle Nummer Eins und verfüge noch dazu über die günstigsten räumlichen Voraussetzungen, um Patienten zu isolieren. Das Klinikum Bremen-Ost habe ebenfalls mehr Platz als die kleineren Häuser und sei zudem unter anderem auf die Behandlung verschiedener Atemwegserkrankungen spezialisiert.

Auch Freie Kliniken sehen sich gewappnet

Über die räumlichen Möglichkeiten des kommunalen Klinikverbunds Geno verfügen die Freien Kliniken Bremens zwar nicht. Doch sehen auch sie sich gut für den Fall vorbereitet, dass sich die Lage in der Pandemie weiter zuspitzt. Man habe aufgrund der Corona-Welle im Frühling dieses Jahres gelernt, worauf es für sie im Umgang mit der Seuche ankomme. Neben geschultem Personal zählten hierzu etwa abgeschirmte Betten und Stationen für Infizierte, ausreichend Intensiv­ und Beatmungsplätze. Die erforderlichen Kapazitäten, darunter Schutzkleidung, hätten die Krankenhäuser "den Vorgaben der Gesundheitsbehörden entsprechend aufgestockt und laufend optimiert", teilt Sprecherin Christina Müller für die Freien Kliniken mit. Auch hätten die Häuser "nachhaltige Sicherheitskonzepte" für den Klinikalltag entwickelt.

Wie solch ein Konzept aussieht, erklärt Pressereferent Maurice Scharmer beispielhaft für das St. Joseph-Stift: "Um Patienten und Mitarbeitende zu schützen, werden alle Patienten vor ihrem geplanten Eingriff in unserer Klinik auf das Coronavirus getestet." Die erforderlichen Laborkapazitäten habe das Stift bereits ab Ende März geschaffen. "Erst, wenn der Test keine Ansteckung zeigt, wird operiert", so Scharmer. Ferner habe das Stift bereits zu Beginn der Pandemie eine Isolierstation eingerichtet, trenne zudem bestätigte Fälle von Verdachtsfällen. Wie in allen Bremer Krankenhäusern, gelte im Stift ein Besuchsverbot, von wenigen Ausnahmen abgesehen. Zudem fänden derzeit keine Veranstaltungen im Stift statt.

Ähnlich das Bild im Evangelischen Diakonie-Krankenhaus: "Im Frühjahr haben wir deutlich die intensivmedizinischen Versorgungskapazitäten erhöht", sagt DIAKO-Sprecher Ingo Hartel. Auch habe sich sein Haus dergestalt umstrukturiert, dass Corona-Patienten von anderen Patienten strikt getrennt seien. "Regelmäßig tagt unser Corona-Krisenstab, analysiert und bewertet die Situation und nimmt bei Bedarf Anpassungen vor", so Hartel weiter. Zudem könne der Krisenstab, wenn es die Zahlen erforderten, auf einen bereits entwickelten Stufenplan zurückgreifen.

Rotes-Kreuz-Krankenhaus kündigt Schnelltests an

Ein Arzt gibt einen Bluttropfen auf einen Corona-Schnelltest
Auch das Rotes-Kreuz-Krankenhaus möchte künftig mit Corona-Schnelltests arbeiten. Bild: Radio Bremen

Einen solchen Plan reklamiert auch das Rotes-Kreuz-Krankenhaus für sich. Pressesprecherin Dorothee Weihe sagt: "Wir haben in der ersten Phase der Pandemie alles so in die Wege geleitet, dass nun je nach Bedarf aufgestockt werden kann."

So seien die Wege im Haus getrennt, Personal geschult und eine zweite Notaufnahme eingerichtet worden, um mit Corona infizierte von nicht infizierten Patienten trennen zu können. Außerdem habe das Krankenhaus eine Isolierstation eingerichtet. "Die Isolier-, Intensiv- und Beatmungskapazitäten können wir nun aufstocken", so Weihe. Ab kommender Woche werde das Krankenhaus zudem Antigen-Schnelltests nutzen, um so schnell wie möglich zu wissen, ob Verdachtsfälle positiv sind und isoliert werden müssen.

Bremerhavener Kliniken im ständigen Austausch mit Krisenstab

Obwohl die Corona-Infektionszahlen in Bremerhaven derzeit deutlich hinter jenen Bremens liegen, sind die Kliniken auch dort darauf vorbereitet, dass sich die Seuche weiter ausbreiten könnte."Wir sind sehr gut gerüstet", betont etwa Henning Meyer, verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit am Klinikum Bremerhaven-Reinkenheide.

Zwar müsse man derzeit, da es nur zwei bestätigte Fälle im gesamten Klinikum gebe (Stand: Donnerstag, 15. Oktober), keine Betten für Coronapatienten vorhalten. "Sollte es aber dazu kommen, dann können wir uns situativ darauf einstellen", so Meyer. Auch stehe das Klinikum im ständigen Austausch mit dem Krisenstab der Seestadt Bremerhaven.

Den Austausch mit dem Krisenstab pflege auch das Ameos-Klinikum in Bremerhaven, versichert Sprecher Gerald Baehnisch. Er spricht sogar von "professioneller Routine", die die Mitarbeitenden aufgrund ihrer Erfahrungen aus dem Frühjahr im Umgang mit der Pandemie gewonnen hätten. "Der Klinikalltag ist durch Wachsamkeit, professionelle Hygienevorkehrungen sowie einem generellen COVID-19- Testscreening der neu ankommenden Patienten bestimmt", so Baehnisch.

Hauptsache: Das Pflegepersonal bleibt gesund

Doch so gut sich die Kliniken im Land Bremen auf die Corona-Pandemie eingestellt haben mögen, gibt es doch Unwägbarkeiten: "Die Personaldecke ist nun einmal ziemlich dünn", sagt Geno-Sprecher Rolf Schlüter mit Hinblick auf das Pflegepersonal. Der weithin bekannte Notstand in der Pflege könnte sich im schlimmsten Fall auch im Kampf gegen die Seuche übel für die Bevölkerung auswirken. Insbesondere dann, wenn sich Pflegekräfte infizieren und ihrer Arbeit nicht mehr nachgehen können. "Das will sich keiner von uns ausmalen", sagt Schlüter.

Autor

  • Alexander Schnackenburg Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 16. Oktober, 19.30 Uhr