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Bomben in Bremens Böden: Wo sie liegen und wie gefährlich sie sind

Audio vom 9. August 2021
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Bild: Radio Bremen
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In Burglesum hat Sprengmeister Andreas Rippert gerade erst wieder eine Bombe entschärft. 76 Jahre nach Kriegsende ist Bremen noch von Fliegerbomben übersät.

Wie viele Bomben haben die Alliierten im Zweiten Weltkrieg auf Bremen abgeworfen, und wie viele davon könnten noch als Blindgänger existieren?
Das weiß niemand genau. Bekannt ist aber, dass die Alliierten im Zweiten Weltkrieg 173 Luftangriffe auf Bremen geflogen haben. Seit 1945 haben Spezialisten rund 16.500 Blindgänger gefunden, also Bomben, die beim Aufprall auf die Erde nicht explodiert sind.

Hinzu kommen noch 95.000 Brandbomben, wie Andreas Rippert berichtet, er ist Leiter des Kampfmittelräumdienstes in Bremen. Dabei handele es sich um Bomben, die vor allem Brände verursachten sollten. Über Bremerhaven hätten die Alliierten sogar rund 400.000 solcher Brandbomben abgeworfen, allerdings "nur" 2.300 Sprengbomben.
Wie viele Bomben hat der Bremer Kampfmittelräumdienst in den letzten Jahren gefunden?
Über einen längeren Zeitraum betrachtet findet der Kampfmittelräumdienst im Land Bremen jährlich etwa zehn Sprengbomben und mehrere Hundert Brandbomben, sagt Sprengmeister Rippert. Allerdings schwankt die Zahl. So habe man voriges Jahr neun Sprengbomben und 542 Brandbomben gefunden, im Jahr 2019 hingegen fünf Sprengbomben und 336 Brandbomben.




Welche Stadtteile im Land Bremen haben die Alliierten am stärksten bombardiert?
In der Stadt Bremen seien über der Innenstadt, der Neustadt, dem Hafen sowie über Walle, Gröpelingen und Oslebshausen die meisten Bomben niedergegangen, so Rippert. In Bremerhaven hätten die Alliierten hauptsächlich die Innenstadt bombardiert.
Die meisten großen Luftangriffe im Zweiten Weltkrieg sind mit dem Abwurf von Sprengbomben eröffnet worden. Welche Arten von Sprengbomben sind über Bremen niedergegangen?
"Alle Arten von Sprengbomben amerikanischer und britischer Herkunft in den Größen 250, 500 und 1.000 Pfund", sagt Rippert.
Warum haben die Alliierten ausgerechnet Bremen so massiv bombardiert?
Bremen war wegen seines Hafens und der Rüstungsindustrie ein wichtiges strategisches Ziel. Zudem war Bremen auch zu Beginn des Kriegs leicht zu finden. "Die Piloten flogen bei Vollmond und haben sich an den Gewässern orientiert. Bremen, Hamburg oder die Städte am Rhein waren daher erkennbar", sagt Rippert. Später habe es dann Peilstrahler gegeben, mit deren Hilfe sich die Piloten besser orientieren konnten.
Sind Bomben, die unter der Erde liegen, wirklich noch gefährlich?
Ja, sagt Rippert. Besonders gefährlich seien sogenannte Langzeitzünderbomben. "Sie könnten jederzeit hochgehen", sagt Rippert. Das liege an der Funktionsweise: Eine Scheibe aus Zelluloid oder Kunststoff hält hierbei den Schlagbolzen fest. Wird einen solche Bombe aus der Luft abgeworfen, dann zerbricht im Inneren in der Regel eine Glas-Ampulle mit Aceton. Das Aceton löst schließlich das Zelluloid auf und löst den Schlagbolzen aus, sodass die Bombe explodiert. Doch auch Bomben, bei denen das Gefäß mit Aceton nicht zerbrochen ist, können noch hochgehen. Nämlich dann, wenn das Plastik oder Zelluloid wegen Altersschwäche porös geworden ist.
Wie findet der Kampfmittelräumdienst üblicherweise eine Bombe?
Hierzu werden Luftbilder und sonstige historische Quellen ausgewertet, so Rippert. Bestehe ein Verdacht, werde das betreffende Areal mit speziellen Geräten nach Metall abgesucht. Die Sprengmeister bekommen Hinweise meist von Bürgern, die etwas auf ihrem Grundstück vermuten, oder von Bauunternehmern. Bevor Bauarbeiten beginnen, untersuchen sie das Gelände.

Haben die Experten eine Bombe gefunden, müssen sie abwägen, ob der Sprengkörper vor Ort entschärft werden kann oder abtransportiert und andernorts kontrolliert gesprengt werden muss.
Ist bei einer Bombenentschärfung in Bremen schon mal etwas schief gegangen?
Nein, versichert Sprengmeister Andreas Rippert.

Vermintes Gelände in Bremen: So arbeitet der Kampfmittelräumdienst

Video vom 17. Juni 2018
Eine Bombe aus dem zweiten Weltkrieg.
Bild: Radio Bremen
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Autoren

  • Verena Patel Redakteurin und und Autorin
  • Alexander Schnackenburg Autor

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 9. August 2021, 18 Uhr