Meinungsmelder

So machen drei Bremer das Beste aus Weihnachten in Corona-Zeiten

Festliche Adventsstimmung auch ohne Weihnachtsmärkte und Familienfeiern? Das lässt sich einrichten! Wie, verraten drei besonders kreative Radio Bremen Meinungsmelder.

Großvater mit Akkordeon vor einem Bildschirm, auf dem seine Familie zu sehen ist.
Das Feiern per Videochat kann seinen ganz eigenen Reiz entfalten. Ob mit oder ohne Akkordeon (Symbolbild). Bild: Imago | Photothek

Die eine möchte ihre Wohnung streichen, der andere im großen Stil Neujahrswaffeln backen. Wieder welche freuen sich darüber, dass sie dieses Jahr dem "Konsumterror" entkommen werden oder auch darauf, das Fest daheim auf dem Sofa verbringen zu dürfen – statt von Verwandten zu Verwandten zu hetzen. Drei Ideen der Radio Bremen Meinungsmelder und Meinungsmelderinnen für die kommenden Tage ragen heraus.

1 Online-Weihnachtsfeier mit Wichteln

Der 27-jährige Marek Janßen aus Findorff steckt mitten in den Vorbereitungen für eine große Online-Weihnachtsfeier. Etwa 30 Leute werden bei dem Videochat mitmischen, allesamt Betreuerinnen und Betreuer der Zeltfreizeit Norderney.

Höhepunkt der Feier am 4. Advent soll das Wichteln werden. "Unser Wichtel-Beauftragter hat die Adressen dazu bereits verlost und verschickt", sagt Marek zum Stand der Dinge. Spätestens am 12. Dezember, so der Plan, werde jeder ein Geschenk im Wert von bis zu zehn Euro an jene Adresse schicken, die ihm das Los zugewiesen habe. "Mit diesem Vorlauf wollen wir sicherstellen, dass wirklich alle am 20. Dezember ihr Päckchen haben, selbst wenn die Post nicht ganz hinterherkommt", erklärt der Student.

Dank der Videokameras könne man dann am 20. Dezember jedes Geschenk vor den Augen der anderen auspacken und sich zuprosten: "Das wird bestimmt cool. Es hat seinen ganz eigenen Reiz", findet Marek. Sorgen, dass die Technik der Festgesellschaft einen Strich durch die Rechnung machen könnte, macht er sich nicht.

Wir haben schon Erfahrung durch unsere Bingo-Abende beim ersten Lockdown.

Meinungsmelder Marek Janßen

2 Ab aufs Rad mit Keksen und Eierlikör

Paar (Mitte 60), Arm in Arm, posiert für Kamera
Wenn Sie ihre Freunde schon nicht zum Bratapfelessen einladen können, kommen sie sie eben mit dem Rad besuchen: Inge Dotschkis-Hillejan und Andreas Hillejan. Bild: Inge Dotschkis-Hillejan

Seit 43 Jahren bitte sie Freundinnen und Freunde an jedem 3. Advent zum Bratapfelessen mit selbstgemachtem Gebäck und selbstgemachtem Eierlikör, sagt die 67-jährige Inge Dotschkis-Hillejan aus dem Viertel: "Wir feiern sonst in zwei Schichten, nachmittags und abends mit 25 bis 30 Leuten."

Es sei zwar traurig, dass das dieses Mal nicht gehe. Doch davon ließen sich ihr Mann und sie nicht entmutigen. "Wir werden uns mit dem Eierlikör und hunderten von Keksen auf die Räder schwingen und vor der Haustür bei allen einzelnen Haushalten einen kleinen Umtrunk machen."

Die beste Route für die ungewöhnliche Fahrradtour von Freunden zu Freundinnen hätten sie sich auch schon zurecht gelegt: vom Viertel nach Hastedt über Schwachhausen und Findorff geht es in die Neustadt.

3 Weihnachtsgeschichten statt Weihnachtsmarkt

Anders als die Mehrheit der Radio Bremen Meinungsmelder ist die 47-jährige Tanja Voigt aus dem Viertel längst in großer Weihnachtsstimmung. Zwar finde sie es schade, dass der Weihnachtsmarkt dieses Jahr nicht stattfinden kann. Doch diesen Verlust kompensiere sie zusammen mit ihrer sechsjährigen Tochter durch Eigeninitiative: "Ich habe die Wohnung schon eine Woche vor dem ersten Advent geschmückt", sagt Voigt.

Jetzt zierten Kugeln, Adventslichter und ein Nussknacker die Wohnung. Die Tochter habe unterdessen Bilder vom Weihnachtsmarkt gemalt und aufgehängt. Auch sonst gilt für Voigt in dieser Vorweihnachtszeit die Devise: Je weniger aufgrund von Corona öffentlich stattfindet, desto mehr macht sie mit ihrer kleinen Familie zuhause. Entsprechend viel bastele und backe sie dieser Tage.

Und nicht nur das: "Jeden Abend lese ich meiner Tochter eine Weihnachtsgeschichte ihrer Wahl vor", sagt Voigt. Auch das trage zu einer schönen, vorweihnachtlichen Stimmung bei. Ohnehin verstehe sie nicht, weshalb so viele Leute darüber klagen, dass sie diesmal zu Weihnachten keine großen Feiern ausrichten dürften: "In den letzten Jahren haben dieselben Leute gern gestöhnt, weil sie keine Lust auf ihre Familien hatten." Und jetzt solle auf einmal alles ganz anders sein? "Irgendwie merkwürdig", findet Voigt.

So verändert Corona die Adventszeit

Video vom 29. November 2020
Ein Mädchen rollt einen Teig aus. Links steht ein weiteres Kind mit Mehl auf dem Shirt.
Bild: Radio Bremen

Autor

  • Alexander Schnackenburg Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 4. Dezember, 19:30 Uhr