Meinungsmelder

Pflege: Meinungsmelder sehen Politik in der Pflicht – kann die helfen?

Damit Bremen nicht die Pflegekräfte ausgehen, muss man sie entlasten und besser bezahlen, glauben viele Meinungsmelder. Senatorin Claudia Bernhard will vor allem eines tun.

Stethoskop in der Hand einer Pflegerin, im Hintergrund unscharf ein Patient im Bett. (Symbolbild)
Heute stellen sich die Weichen, wie wir künftig versorgt werden. Bild: Imago | Photothek

Der Fachkräftemangel in der Pflege bereitet 85 Prozent der Radio Bremen Meinungsmelder Sorgen. Das ist eines der zentralen Ergebnisse unserer Befragung zur Zukunft der Pflege, an der sich 1.572 Meinungsmelderinnen und Meinungsmelder beteiligt haben.

Als wesentliche Ursache für den personellen Notstand haben die Befragten die Arbeitsbelastung für Pflegekräfte ausgemacht. Umso mehr, als Stress und Druck in der Pflege aufgrund der Corona-Pandemie in den letzten Monaten noch zugenommen hätten, wie die meisten Befragten glauben. In diesem Punkt liegen die Meinungsmelder auf einer Linie mit Bremens Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard.

Die Arbeitsbelastung in der Pflege ist hoch, zu hoch.

Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke) im Studio von buten un binnen.
Claudia Bernhard, Gesundheitssenatorin (Linke)

Wie sich der Pflegenotstand vielleicht beheben ließe

Unter den verschiedenen Maßnahmen, die helfen könnten, den Mangel an Pflegekräften zu lösen, ergab sich ein klarer Favorit: Geld.

Wie soll Ihrer Meinung nach der Mangel an Pflegekräften gelöst werden? Durch… ausländische Pflegekräfte besse r e Bezahlung der Pflegeberu f e besse r e Unterstützung der familiä r en Pflege Zivildienst für Schulabgänger und Schulab- gängerinnen Roboter 83 46 42 32 7 17 etwas ande r es (e r gänzt) <1 6 k eine oder f ehlende Angabe Dazu kann ich nichts sagen. ?
Antworten auf die Frage: "Wie soll Ihrer Meinung nach der Mangel an Pflegekräften gelöst werden? Durch…" n = 1.572, Mehrfachauswahl möglich, Werte in Prozent. Bild: Radio Bremen

Um mehr Pflegekräfte hinzu zu gewinnen und auf diese Weise die individuelle Arbeitsbelastung zu senken, müsse die Gesellschaft vor allem dafür sorgen, dass Pflegekräfte höhere Löhne bekommen. Das glauben 83 Prozent der Befragten – und auch Claudia Bernhard: "Ich bin überzeugt davon, dass eine langfristige, deutlich bessere Bezahlung der Pflegekräfte auch die Attraktivität des Berufs steigern kann", sagt die Linken-Politikerin.

Während aber fast 90 Prozent der Befragten finden, dass die Politik noch stärker als die Gewerkschaften gefordert sei, um für eine bessere Bezahlung von Pflegekräften zu sorgen, sagt Bernhard: "Verantwortlich sind die Tarifpartner." Der Bremer Landesregierung seien die Hände gebunden.

Etwas anders sehe es bei der "Corona-Prämie" aus: "Ich werde mich erneut dafür einsetzen, dass wir im Land Bremen diese Prämie auf alle Pflegekräfte in den Kliniken ausweiten", verspricht die Senatorin. Ein 48-jähriger Meinungsmelder aus der Vahr bezeichnet einmalige Boni allerdings als "wirkungslose Eintagsfliegen".

Was die Meinungsmelder über den jüngsten Tarifabschluss denken

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Zwar sichert der jüngste Tarifabschluss für den öffentlichen Dienst aus dem Oktober vielen Pflegekräften Lohnzuwächse von rund 8,7 Prozent. 58 Prozent der Befragten halten die Tariferhöhungen dennoch für unzureichend. Aus Sicht von Claudia Bernhard sind sie zumindest "ein erster Schritt in die richtige Richtung." Die Gesundheitssenatorin fordert: "Pflegekräfte müssen in höhere Entgeltgruppen eingruppiert werden, um eine nachhaltige Steigerung sicherstellen zu können."

"In der Pandemie zeigt sich wichtige Rolle der Pflege"

Zwar blicken viele Meinungsmelderinnen und Meinungsmelder sorgenvoll in die Zukunft der Pflege. Bremens Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard sieht jedoch auch Licht am Ende des Tunnels: "In der Pandemie zeigt sich nochmal deutlich verstärkt, welche wichtige Rolle Pflege einnimmt", begründet sie ihre Zuversicht. Es gelte nun, gemeinsam am Ball zu bleiben, um Pflege nachhaltig aufzustellen und für bessere Arbeitsbedingungen zu sorgen.

Zumindest die Bremer Krankenhäuser brächten hierfür gute Voraussetzungen mit, glaubt die Senatorin: "Die Tarifbindung in Bremer Kliniken ist hoch, es arbeiten also viele Pflegekräfte mit einem Tarifvertrag." Zudem sei es Bremen geglückt, die Zahl der Ausbildungsplätze in der Pflege deutlich zu erhöhen. Auch damit wirke der Zwei-Städte-Staat dem Fachkräftemangel entgegen.

Auf Bundesebene sieht die Senatorin gleichwohl Handlungsbedarf: "Wir brauchen eine bundesweit einheitliche Personalbemessung", sagt Bernhard. Damit schließt sie sich einer gemeinsamen Forderung des Deutschen Pflegerats, der Deutschen Krankenhausgesellschaft und der Gewerkschaft Verdi an. Zusammen haben sie ein Personalbemessungsinstrument entwickelt, das typische Pflegeleistungen in Minutenwerte überträgt.

Dieses Instrument könne dafür sorgen, dass Pflegekräfte genügend Zeit fänden, um ihre Patientinnen und Patienten "richtig" zu pflegen, glaubt Bernhard. Ihre Arbeit würde auf diese Weise zum Wohle der Patienten aufgewertet, die deutlich zu hohe Arbeitsbelastung ließe sich mindern: "Idealerweise ist die Pflege in zehn Jahren ein Beruf, der nicht nur ein hohes Ansehen hat, sondern dem auch viel mehr Wertschätzung entgegengebracht wird", hofft Bremens Gesundheitssenatorin.

Neue Studie: Ex-Pflegekräfte wollen zurück – unter Bedingungen

Video vom 15. November 2020
Eine Hand in blauen Handschuhe an einem medizinischen Gerät.
Bild: Radio Bremen

Autor

  • Alexander Schnackenburg Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 19. November, 19:30 Uhr