Warum werden Schlaglöcher in Bremen meist nur provisorisch gestopft?

Nach jedem Schnee und Eis gibt es mehr Schlaglöcher. Dieses Jahr sind es besonders viele in Bremen. Für den ADAC ein Ärgernis, weil sie oft nur provisorisch geflickt werden.

Ein frisch geflicktes Schlagloch mit Bauarbeitern im Hintergrund.
Gerade wird der Osterdeich geflickt, denn auch dort gibt es einige Schlaglöcher. Bild: Radio Bremen | Clipbild

Nach jedem Winter mit Schnee und Eis das gleiche: Bremens Straßen platzen auf, die provisorisch geflickten Löcher im Asphalt werden wieder repariert, doch langfristig ändert sich nichts. Der ADAC weiß, dass so ein Schlagloch relativ schnell entsteht: Erst Schnee, dann Eis, dieses dehnt sich unter der Straße aus. Die Fahrbahndecke hebt sich, wird rissig und wenn es taut entsteht ein Schlagloch. Besonders in Bremens Seitenstraßen sei das seit Jahren ein Problem, sagt Nils Linge vom Bremer ADAC.

In Finndorf, Peterswerder oder im Viertel: Es gibt flächendeckend Schlaglöcher.

Nils Linge, ADAC Bremen

Seit Jahren werde in Bremen nur geflickt, aber keine wirkliche Alternative gefunden, wirft der ADAC dem Amt für Straßen und Verkehr vor. Dieses ist seit Montag mit Baukolonnen im Großeinsatz unterwegs, um die Schlaglöcher wieder zu schließen. Bis wann alles wieder repariert ist, kann das Amt noch nicht sagen. Je nach Größe des Lochs dauert die Reparatur bis zu 45 Minuten.

Frostschäden 2021 schlimmer als in den Vorjahren

Gerade diesen Winter ist die Zahl der Schlaglöcher alarmierend: Durch den vielen Schnee und den Frost der vergangenen Wochen, die kurze Tauphase und die erneuten Minusgrade sind plötzlich viele Schlaglöcher entstanden – mehr als in den Vorjahren, schätzt Holger Horstmann vom Bremer Amt für Straßen und Verkehr (ASV). Laut dem Abteilungsleiter sind eigentlich alle Hauptverkehrsstraßen in Bremen betroffen. Denn dort wurde besonders viel gestreut.

Auf dem Osterdeich folgt ein Loch dem nächsten. Auf wenigen Metern wurden schon 70 bis 80 Löcher geflickt. Im Durchschnitt ist so ein Loch fünf bis zehn Zentimeter tief. Und das betrifft nicht nur den Osterdeich. Auf dem Breitenweg sieht es ähnlich aus.

Bremer und Bremerhavener können Schlaglöcher melden

Ein Schlagloch mit Asphalt und Sand gefüllt.
Frisch geflickt: Aber wie lange hält das? Bild: Radio Bremen | Screenshot

In Bremen kümmert sich eine externe Firma um die Beseitigung der aufgeplatzten Straßen. Zwischen 70 und 90 Mitarbeiter sind in den verschiedenen Stadtteilen im Einsatz. Die konkreten Kosten kann das Amt noch nicht beziffern: Die Arbeit fange gerade erst an – auf den Hauptverkehrsstraßen, dann folgen die Seitenstraßen.

In Bremerhaven gibt es keine konkrete Übersicht über besonders tiefe oder große Schlaglöcher, heißt es von der Stadt. Die Bremerhavener können auf der Seite der Stadt Schlaglöcher online melden.

Straßen werden oft nur provisorisch geflickt

Gerade wenn der Boden noch feucht ist, so wie in den vergangenen Tagen, könne man wenig tun, um das Schlagloch-Problem dauerhaft zu lösen, sagt Holger Horstmann im Interview mit Bremen Vier. Das müsse provisorisch geschehen, damit Autofahrer die Straße nutzen können, ohne das eigene Auto zu beschädigen. Erst wenn das Wetter besser werde, könne man beständigeres Material verwenden, so Abteilungsleiter Horstmann.

Das ist gerade ein Provisorium. Da kann es auch mal sein, dass einzelne Teile wieder rausfliegen.

Holger Horstmann, Amt für Straßen und Verkehr

Der ADAC beschreibt die Arbeit der Stadt wie die eines Zahnarztes: Man könne das Loch zwar provisorisch füllen, am Problem selbst löse das aber wenig, da die Füllung wieder rausbrechen kann. Je nach Untergrund reißen die Löcher schon nach wenigen Wochen wieder auf – manche bleiben auch mehrere Jahre geschlossen, so Straßenbauer Frank Poggenburge, der für die Stadt Bremen die Löcher schließt.

Im Prinzip sind wir nur in der Lage die Schäden zu beseitigen und können leider nicht die Straßen von Grund auf sanieren. Dafür hat Bremen keine Mittel.

Holger Horstmann, Amt für Straßen und Verkehr

Gerade Straßen wie der Osterdeich benötigen eine ganz neue Oberfläche. Das wäre wünschenswert, meint Horstmann. Für eine solche Grundsanierung seien aber keine finanziellen Mittel vorhanden. Das vorhandene Geld wird genutzt, um die Verkehrssicherheit auf Bremen Straßen aufrecht zu halten.

Entwarnung für Bremens Radwege

Schlaglöcher gibt es auf Bremens Radwegen selten, sagt der Bremer Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC): "Grund für kaputte Radwege sind meistens Unebenheiten oder Wurzeleinwüchse. Und die verschlechtern sich durch Schnee und Eis nicht weiter", erklärt Albrecht Genzel vom Bremer ADFC. Auf Klinkersteinradwegen gebe es zwar an manchen Stellen einzelne lockere Steine, aber dort beschleunige der Frost den Verfall von Radwegen nur ein bisschen.

Es gibt keine konkreten Frostschäden auf den gepflasterten oder – leider zu wenig – asphaltierten Radwegen. Da gibt es nur den allgemeinen Verfall.

Albrecht Genzel, ADFC Bremen

Ein größeres Problem bei Schnee und Eis gibt es aber doch: Bei Tauwetter werden die Sandwege "matschig wie Knete" und man versinke in den Wegen, so Genzel. Das ist auch bei Regen der Fall.

Problematisch werde es laut ADFC nur, wenn die Radfahrer auf Straßen fahren müssen: Denn da haben sie mit den gleichen Frostschäden im Asphalt zu kämpfen wie die Autofahrer. Doch während Autofahrer durch das Loch fahren müssen, können Radfahrer leichter ausweichen, so der Verkehrsinfrastrukturexperte. Im Regelfall müssen Radfahrer aber nicht auf der Straße fahren, es gäbe fast immer Radwege, so der ADFC.

Wie stark sind die Straßenschäden durch den Frost in Bremen?

Video vom 20. Februar 2021
Bitumen wird in ein Loch in der Straße gegossen.
Bild: Radio Bremen

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Autorin

  • Marike Deitschun Autorin

Dieses Thema im Programm: Bremen Vier, Vier am Morgen, 19. Februar 2021, 8:10 Uhr