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Was halten Sie von einem Böllerverbot für Bremen und Bremerhaven?

Die Forderung der Deutschen Umwelthilfe nach einem Verbot von Silvester-Feuerwerk in Bremen und Bremerhaven stößt in der Politik auf ein geteiltes Echo. Was denken Sie?

Ein explodierter Böller liegt auf nassem Asphalt
Kommen Böller-Fans in Bremen bald nicht mehr auf ihre Kosten? Bild: Imago | Rene Traut

Die Forderung der Deutschen Umwelthilfe (DUH) nach einem umfangreichen Verbot von Silvester-Feuerwerk stößt bei den Bremer Parteien auf geteilte Reaktionen. Während die Mitglieder der Regierungskoalition sich zumindest grundsätzlich mit einem Böllerverbot in den Innenstädten auseinandersetzen wollen, kommt aus der Opposition teils scharfe Kritik.

"Natürlich sehen auch wir das Problem Feinstaub durch Silvesterfeuerwerk", sagte der umweltpolitische Sprecher der SPD-Bürgerschaftsfraktion, Arno Gottschalk. Auch wenn die EU-Grenzwerte für Feinstaub in beiden Städten eingehalten würden, müsse nach dem Antrag der DUH geprüft werden, "ob die Feinstaubbelastung in den am stärksten betroffenen Gebieten durch Einschränkungen gesenkt werden kann und muss".

Sind Sie für ein generelles Verbot von privatem Silvester-Feuerwerk in den Innenstädten von Bremen und Bremerhaven?

So wurde abgestimmt

  • Ja, privates Böllern sollte in den Innenstädten komplett verboten werden. 44%.
  • Ein Verbot von privatem Feuerwerk geht noch nicht weit genug – auch öffentliches Feuerwerk sollte abgeschafft werden. 20%.
  • Nein, die aktuellen Verbotszonen rund um den Bremer Marktplatz und den Zoo am Meer reichen vollkommen aus. 24%.
  • Selbst die bestehenden Verbotszonen sind übertrieben und schränken die persönliche Freiheit ein. Böllern gehört schließlich zum Brauchtum. 12%.

Abgegebene Stimmen: 1985

Das Ergebnis der Befragung ist nicht repräsentativ

Ich bin überzeugt: Zu einem schönen Silvester gehört nicht zwingend das Zünden von Feuerwerk und wir alle sind gefordert, uns mögliche Alternativen anzusehen.

Arno Gottschalk, umweltpolitischer Sprecher der SPD

Deutlicher wird die Linke. In der Silvesternacht werde eine große Menge Feinstaub freigesetzt, sagte der umweltpolitische Sprecher der Partei, Ingo Tebje. Zudem gebe es jedes Jahr zahlreiche Verletzte durch privates Feuerwerk. "Das kann man nicht einfach ignorieren", sagte Tebje. Die Sperrzone um das Rathaus habe sich bewährt. Die Linke unterstütze daher eine Forderung des Landes Berlin, dass die Kommunen künftig selbst entscheiden können, wo private Feuerwerke gezündet werden können und wo nicht.

Selbst die Grünen sind geteilter Meinung

Die Bremer Grünen wollen das private Böllern nicht vollständig verbieten. "Einschränken gegebenenfalls schon", sagte Ralph Saxe, Sprecher für Umwelt. "Das müssen wir offen diskutieren, da gibt es – auch bei uns – unterschiedliche Meinungen." Denn auch wenn durch Feuerwerk Feinstaub, Lärm und Müll entstünden, gehöre es zum Brauchtum. Saxe selbst schlägt ein organisiertes Feuerwerk vor. "So wie es andere Länder teils ja machen."

Seit einigen Jahren gilt in Bremen bereits eine Einschränkung für privates Feuerwerk in der Silvesternacht – und das ist auch gut so. Dennoch sind wir gegen ein komplettes Böllerverbot.

Martin Michalik, umweltpolitischer Sprecher der CDU

Die Bremer CDU lehnt ein Verbot aufgrund der Feinstaubbelastung ab. "Die Reinhaltung der Luftwerte taugt nicht als Argument für ein Bremer Böllerverbot und ist unverhältnismäßig", sagte Martin Michalik, umweltpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion. In ganz Bremen würden die Grenzwerte eingehalten. "Rückläufige Verkäufe von Knallern zeigen, dass die Menschen sensibilisiert sind für das Thema, ein Verbot ist aus unserer Sicht daher nicht vonnöten", sagte Michalik.

FDP und AfD lehnen Verbot ab

Auch die FDP will nicht am Status Quo rütteln. "Wir finden es, so wie es ist, in Ordnung", sagte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Hauke Hilz. Die Argumente der DUH seien "ein wenig herbeigezogen". Hilz weiter: "Wir böllern seit Jahrzehnten – einmal im Jahr halten wir für absolut vertretbar."

Die Bremer AfD reagierte auf die Forderung der DUH mit Unverständnis. "In jedem Land dieser Erde" gebe es schließlich Feste mit Feuerwerken, sagte der Landesvorsitzende Peter Beck. Bei einem möglichen Verbot würde anschließend womöglich diskutiert werden "welche Feste im Nachgang ebenfalls verboten werden müssten", fürchtet Beck.

Böllerei zu Silvester spaltet die Bremer

Eine Frau in der Menge mit einer angezündeten Feuerwerksrakete in der Hand.

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Rundschau am Nachmittag, 23. Oktober 2019, 17 Uhr