Blumensamen tauschen in der Bremer Stadtbibliothek: So geht's

Es wird wärmer und sonniger in Bremen und umzu – in Parks und Gärten fängt es an zu blühen. Die Stadtbibliothek Bremen hat für Hobby-Gärtner ein neues Angebot.

Verschiedene Gartenkräuter stehen auf einem Regel in der Stadtbibliothek Bremen.
Die Saatbibliothek bietet allen Bibliotheksbesuchern die Möglichkeit, Samen für den eigenen Garten zu tauschen. Bild: Stadtbibliothek Bremen | Tina Heimann

Es ist die Hochsaison für Gärtnerinnen und Gärtner: Im Frühjahr müssen die Tomatenpflänzchen gezogen werden und so langsam können die Blumensamen ins Beet. Für alle gartenbegeisterten Menschen hat die Bremer Stadtbibliothek ein neues Angebot: Seit kurzem gibt es eine Tauschbörse für Pflanzensamen, eine sogenannte Saatgut-Bibliothek.

Wer Bücher ausleihen möchte, muss sie auch wieder zurückbringen – wie funktioniert das bei Saatgut?
In der Stadtbibliothek darf man sich ganz einfach das Saatgut mitnehmen, das man haben möchte. Dann sät man es aus und freut sich über die Pflanzen. Im Herbst sammelt man dann wieder Saatgut ein, man erntet es bei den selbst gesäten Pflanzen, und bringt es zurück in die Bibliothek.
Auf einem Regel stehen Gartenkräuter und kleine Saattüten.
Wer Tipps für den Einstig zum Gärtnern braucht, findet die passende Literatur direkt unter den Samentütchen der Saatbibliothek. Bild: Stadtbibliothek Bremen | Tina Heimann
Und was ist, wenn ich doch nicht so einen grünen Daumen habe und gar kein Saatgut ernten kann?
Das ist kein Problem, dann muss man auch keins zurückbringen. Das Ganze ist eine Tauschbörse und funktioniert somit auf Vertrauensbasis. Es wird also nicht aufgerechnet, man muss nichts bezahlen. Und es wird auch nicht vermerkt, wer was mitgenommen hat. Wenn es nicht klappt mit dem Saatgut ernten gibt es in der Bibliothek passende Gartenführer zum ausleihen und nachlesen, wie es besser gehen könnte. Mit dem Profi-Wissen kann man im folgenden Jahr einen neuen Versuch starten.
Wie kann man sich das praktisch vorstellen – wie sieht so eine Saatgut-Bibliothek aus?
Im zweiten Stock der Stadtbibliothek befindet sich die Abteilung Landwirtschaft, dort stößt man auf zwei Regale mit Büchern zum Gärtnern. Daneben stehen ein paar Kräuter und ein paar kleine Holzkisten, in denen sich die Saattütchen befinden. Was für Sorten es da so gibt, weiß Melanie Hamacher, die das Projekt mit organisiert hat: "Wir haben Paprika, wir haben Spaghettikürbis, Hokkaido, Sonnenblumen, Gurken, Zucchini, also wirklich eine bunte Mischung, nicht nur Nutzpflanzen sondern auch Zierpflanzen dabei." Aber das Angebot verändert sich natürlich ständig dadurch, dass Leute Samen mitnehmen und dafür andere Sorten wieder in die Kisten legen. Dafür gibt es auch leere Tütchen, die man befüllen und beschriften kann. Da sollte dann draufstehen, was drin ist und auch, wann man die Pflanze aussäen sollte.
Auf zwei Regalen stehen verschiedene Bücher zur Gartenarbeit sowie Kräuter.
Viele Gartenbegeisterte Bremerinnen und Bremer nutzen das Angebot der Saatbibliothek bereits. Bild: Stadtbibliothek Bremen | Tina Heimann
Wie wird das Angebot angenommen?
Die Idee wird so gut angenommen, dass aktuell nicht mehr viele Samentütchen in der Bibliothek stehen. Weil es das erste Jahr ist, ist der Vorrat noch nicht so groß. Deshalb gilt: Wer sich jetzt Samen holen will und noch eigene Samen vom letzten Jahr in der Schublade hat, sollte die unbedingt mitnehmen. Denn nur so kann die Bibliothek auch weiter wachsen.
Einen Grundstock an Samen gibt es ja schon – wer hat den angelegt?
Das war das Personal der Bremer Bibliotheken. Tatsächlich hat das Team der Zentralbibliothek alle Kolleginnen und Kollegen angeschrieben, auch aus der Verwaltung und allen Zweigstellen, und sie darum gebeten, Saatgut abzugeben. Melanie Hamacher erzählt: "Dafür waren Tütchen bereitgestellt, Kolleginnen und Kollegen konnten auch in Butterbrotpapier eingepackt das Saatgut uns zukommen lassen und so ist eine kleine Grundlage entstanden, auf der wir die Saatgutbibliothek dann auch eröffnen konnten." Dank des großen Engagements hat die Stadtbibliothek den Start komplett aus eigener Kraft gestemmt. In Zukunft will das Team aber auch gern mit Gartenvereinen oder Naturverbänden zusammen arbeiten, um noch mehr und vielleicht auch besonders seltene oder alte Arten anzubieten. Aktuell steht das Projekt noch ganz am Anfang, Spenden von Blumensamen jeglicher Art sind jederzeit willkommen.

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Autoren

  • Helena Brinkmann
  • Birte Hirsch Praktikantin

Dieses Thema im Programm: Sonntag, 18. April um 15.38 Uhr auf Bremen Zwei