Quereinstieg mit 55: Traumberuf Lokführer

Als die Arbeitslosigkeit drohte, entschied der Bremer Michael Nuhn zu machen, was er wirklich will. Mit 55 Jahren wurde er Lokführer. So klappte der Quereinstieg.

Ein Mann guckt aus dem Fenster des Führerhauses eines Zuges
Michael Nuhn machte seinen Traum zu Beruf, mit 55 Jahren wurde er Lokführer. Bild: Michael Nuhn | Privat

Urlaubszeit ist Reisezeit. Doch von Urlaubstimmung war im vergangenen Jahr nichts zu spüren. Wegen der Grippewelle waren viele Lokführer ausgefallen, Ersatz gab es nicht, viele Züge fielen aus, die Urlauber waren genervt – auch in Bremen. Das soll nicht wieder passieren; die Deutsche Bahn und die Nordwestbahn haben deshalb Maßnahmen getroffen, um mehr Lokführer zu bekommen.

Doch junge Menschen für diesen Job zu begeistern, ist nicht mehr so einfach wie früher. Sie wollen nicht im Schichtdienst, in der Nacht oder am Wochenende arbeiten. Die Nordwestbahn setzt deshalb auch auf Quereinsteiger. Und unter denen gilt der Job häufig noch als Traumberuf. So wie für Michael Nuhn aus Bremen. Er ist mit 55 Jahren Lokführer geworden.

"Ich möchte selbst mal fahren"

"Ich mache hier eine volle Bremsprobe und begutachte den Zug von außen und innen, ob alles ok ist. Dann fahre ich den Zug zum Bahnsteig. Und dann habe ich eine gute Fahrt, glaube ich – hoffe ich." Michael Nuhns Augen leuchten, als er erklärt, was er vor der Fahrt alles noch zu tun hat – und wie schön es ist, einen Zug zu fahren. Mit dem Beruf Lokführer hat sich der 55-Jährige einen Jugendtraum erfüllt. "Ich hatte lange Zeit eine Eisenbahn bei mir im Wohnzimmer stehen und habe immer gedacht: Ich möchte selbst mal eine fahren", erzählt Nuhn. "Beim Aufbauen sagt man da schon mal: 'Da möchte ich gerne mal drinsitzen'."

Michael Nuhn
Die Arbeitslosigkeit drohte, erzählt Michael Nuhn. Bild: Michael Nuhn

Das Schicksal spielte ihm in die Hände: Nuhn ist eigentlich Schriftsetzer, und er arbeitet bei einem Zeitungsverlag. Doch dann stellen die Verlage auf die digitale Produktion um und kündigen vielen Schriftsetzern, so auch ihm. Erst geht es ihm sehr schlecht. "Ich war vor die Wahl gestellt: entweder arbeitslos oder irgendwas tun." Der Schritt in die Arbeitslosigkeit kam für ihn nicht in Frage, wie er sagt. Stattdessen sagte er sich. "Ich mache was, aber ich mache das, was mir gefällt."

Ich mache was. Aber ich mache das, was mir gefällt.

Michael Nuhn, Lokführer

Er bewirbt sich bei der Hamburger S-Bahn, macht dort zehn Monate lang die Ausbildung für Quereinsteiger – und er fällt durch. Doch Nuhn lässt nicht locker. Er macht die gleiche Ausbildung noch einmal bei der Nordwestbahn – diesmal mit Erfolg. "Man ist jeden Tag am lernen. Lernen, lernen, lernen", so Nuhn. Auch danach müsse man am Ball bleiben. "Aber es ist mir nicht schwer gefallen, ich wollte das ja."

Technischer Beruf als Voraussetzung

Lokführer sind Mangelware. Bei jeder Krankheitswelle fallen deshalb Züge aus. Um mehr Personal zu bekommen, bieten einige Bahngesellschaften an, dass sich Quereinsteiger als Zugführer bewerben. Allerdings muss jeder Kandidat vorher einen technischen Beruf ausgeübt haben. Die Deutsche Bahn hat sogar die Hürden für eine Bewerbung gesenkt: Ein Anschreiben ist nicht mehr nötig. Es müssen nur noch Zeugnisse und ein Lebenslauf online eingereicht werden. Denn die Bahn sucht händeringend Leute.

NordwestbahnMetronomDeutsche Bahn
Bahnärztliche Untersuchungxxx
Möglichst technische Berufsausbildung*xxx
Weitere Voraussetzungen finden sich auf den Internetseiten der Bahnunternehmen

* ein technischer Beruf ist nach Angaben der Bahngesellschaften sehr hilfreich. Doch auch andere Bewerber hätten Chancen auf einen Quereinstieg. Diese würden aber auf ihr technisches Interesse und Vorwissen genau geprüft.

Ein Lokführermangel – so wie im vergangenen Jahr – droht laut Deutscher Bahn nicht. Auch die Nordwestbahn hat aus den Zugausfällen von vor zwei Jahren gelernt, sagt Pressesprecher Steffen Högemann: "Die Situation in Bremen sieht im Moment gut aus", so Högemann. Zurzeit gebe es viele Lokführer im Unternehmen. Man bilde selber aus, es gebe außerdem Lehrgänge für Lokführer, sowohl für Berufsanfänger als auch für Quereinsteiger. "So sorgen wir für Nachwuchs im eigenen Unternehmen."

Wer also wie Michael Nuhn schon immer Lokführer werden wollte, hat jetzt beste Chancen. Und dass dieser Beruf glücklich machen kann, dafür ist Lokführer Nuhn der beste Beweis. "Von allen Berufen, die ich ausgeübt habe, ist dieser der Beste."

  • Kirsten Rautenberg

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 4. Juli 2018, 6:40 Uhr