Wie Genossenschaften gegen den Mietwahnsinn helfen können

Hohe Mieten, die immer mehr Menschen aus der Stadt verdrängen – das kennt man in München und fördert Bauvorhaben von Genossenschaften. Auch eine Idee für Bremen?

Felix Krömer im Gespräch.

In München werden Genossenschaften, die Bauprojekte planen, gezielt von der Stadt gefördert: Bis zu 40 Prozent des städtischen Baulands vergibt die Stadt zur Bebauung an Genossenschaften. Elisabeth Merk, Stadtbaurätin in München, sieht viele Vorteile darin.

Genossenschaftliches Bauen ist gut für diejenigen, die dann zur Genossenschaft gehören, weil sie eine sichere Wohnung zu vertretbaren Preisen haben. Genossenschaftliches Bauen ist sehr, sehr gut für das Quartier, weil es da einfach einen Mehrwert in den Aktionen, in den Nachbarschaftsprojekten gibt, die die Stadt ja selber auch unterstützt.

Elisabeth Merk, Stadtbaurätin München

Münchner Baustadträtin: Genossenschaften bereichern Stadtteile

Laut Merk sind Genossenschaften eine gute Möglichkeit, sich zu organisieren und in Gemeinschaft Pläne zu verwirklichen. Das Ergebnis bereichere dann den ganzen Stadtteil, auch über die Wohnanlage hinaus. An verschiedenen Stellen werde bereits Wohnen und Arbeiten auf einer Anlage miteinander verknüpft. Fünfzehn Prozent des Wohnungsbestandes in Genossenschaftshand – das ist ihr Ziel. Sie ist zuversichtlich, das auch zu erreichen. Eine Großstadt wie München finde genügend Menschen, die sich für solche Wohnmodelle begeistern könnten, meint Merk.

Ich glaube insgesamt, dass eigentlich alle Städte in der Bundesrepublik Möglichkeiten haben, genossenschaftliches Bauen zu unterstützen, in der einen oder anderen Form. Einfach, weil dieses Genossenschaftsmodell rechtlich sehr transparent und gut handzuhaben ist.

Elisabeth Merk, Stadtbaurätin München

Bauressort: Bremen begrüßt Ideen von Baugemeinschaften

In Bremen gibt es keine feste Quote für Bauland, das speziell an Genossenschaften abgegeben wird. Bei der Bremer Baubehörde spricht man allgemeiner von Baugemeinschaften. Das sind Zusammenschlüsse mehrerer Personen, die zusammen ein Grundstück kaufen und darauf bauen wollen. Sie können als Genossenschaft organisiert sein, es sind aber auch andere Rechtsformen denkbar. Nach Auskunft der Baubehörde sind bei mehreren Bauvorhaben bestimmte Flächen für Baugemeinschaften vorgesehen.

So zum Beispiel auf dem Gelände des neuen Hulsberg-Viertels. Dort sollen auf einem Fünftel der Gesamtfläche die Bauvorhaben von Baugemeinschaften realisiert werden, sagt Florian Kommer, Geschäftsführer der Grundstücksentwicklung Klinikum Bremen-Mitte. Das entspreche 220 Wohnungen. "Baugemeinschaften haben oft eine besondere Verbindung zu Haus und Quartier und das ist oft positiv für die gesamte Nachbarschaft. Sie sind aber nicht unbedingt der Schlüssel zu kostengünstigem Wohnraum", erklärt Kommer. Auch in der Gartenstadt Werdersee oder auf einer Fläche an der Schwachhauser Heerstraße nahe dem Kino "Gondel" sollen Baugemeinschaften bauen können.

Bremen hat ein hohes Interesse an Baugemeinschaften. Sie sind eine Bereicherung für die Quartiere, weil sie soziale Strukturen schaffen, und weil sie gleichzeitig Möglichkeiten bieten, Wohneigentum zu bilden.

Jens Tittmann, Sprecher des Bremer Bauressorts

Unter den Menschen, die eine Baugemeinschaft bilden, sind nach Erfahrung von Bauressort-Sprecher Tittmann ebenso solche, die sich ein Eigenheim aus eigenen Mitteln leisten könnten, als auch Personen, die das im Alleingang nicht könnten.

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Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 15. April 2019, 19:30 Uhr