Infografik

Ausbildungsjahr startet: Welche Jobs sind beliebt, welche gut bezahlt?

Friseur-Azubis verdienen nur etwa die Hälfte des Gehalts angehender Maurer. Doch nicht nur wegen der ungleichen Bezahlung sind in Bremen rund 1.800 Ausbildungsplätze unbesetzt.

Eine Auszubildende übt im Friseursalon das Haareschneiden an einer Puppe.
Mit einer durchschnittlichen Bezahlung von 584 Euro verdienen angehende Friseure und Friseurinnen während der Ausbildung deutlich weniger als Azubis in anderen Branchen. Bild: Imago | Steffen Schellhorn

Zum Start in das Ausbildungsjahr 2019 sind im Land Bremen noch 1.811 Ausbildungsplätze unbesetzt – 188 mehr als im Vorjahr. Während die Zahl der ausgeschriebenen Azubistellen wächst, sinkt die Anzahl der Bewerber. Viele Betriebe finden nicht genug Kandidaten für ihre Ausbildungsplätze – dieser Trend zeichnet sich schon seit mindestens zehn Jahren ab, sagt Karlheinz Heidemeyer, Geschäftsführer Aus- und Weiterbildung bei der Bremer Handelskammer.

Gesucht werden Berufskraftfahrer, Verkäufer und Servicekräfte

In Bremen ist es laut Handelskammer vor allem in der Gastronomie, im Speditionsgewerbe und im Einzelhandel schwierig, genügend Auszubildende zu finden. Auch Berufskraftfahrer würden händeringend gesucht. "Viele Berufe sind wegen den Arbeitsbedingungen nicht attraktiv", weiß Heidemeyer. Neben den Arbeitszeiten, der körperlichen Belastung, dem Ansehen des Jobs und den späteren beruflichen Aufstiegs-Chancen ist auch die Bezahlung ausschlaggebend. Die Spannbreite der Azubi-Gehälter ist beachtlich: Am wenigsten verdienen angehende Winzer. Wer im Friseurfach lernt, bekommt monatlich nur etwas mehr als halb so viel wie ein Maurerlehrling oder Fachinformatik-Azubi.

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Karlheinz Heidemeyer von der Handelskammer Bremen erklärt sich die vielen freien Lehrstellen auch mit einer allgemeinen gesellschaftliche Veränderung: "Früher haben wir von der dualen Ausbildung als das Rückgrat der deutschen Wirtschaft gesprochen. Heute gehen viele junge Menschen nicht mehr in eine Ausbildung, sondern an die Hochschule."

Den rund 1.800 unbesetzten Azubistellen stehen derzeit noch rund 1.700 Ausbildungsplatzsuchende gegenüber, die noch keinen passenden Ausbildungsplatz gefunden haben. Laut Arbeitsagentur passen bei vielen Jugendlichen Interessen und Fähigkeiten nicht zu einer freien Lehrstelle. Außerdem sind viele auf einen bestimmen Beruf fixiert und wissen nicht, welche Bandbreite an ähnlichen Berufen es gibt. Hier versuchen viele Initiativen rund um die Berufsberatung, Interessierte und Firmen zusammenzubringen.

Gute Chancen auf eine Traum-Lehrstelle

Über die Arbeitsagentur Bremen-Bremerhaven hatten sich dieses Jahr 4.734 junge Leute auf insgesamt 5.631 Ausbildungsplätze beworben. Sie können jetzt von der geringen Konkurrenz und den vielen Platzangeboten profitieren, glaubt Joachim Ossmann von der Arbeitsagentur. "Unmittelbar vor dem ersten Ausbildungsbeginn-Termin dieses Jahres gibt es noch sehr viele offene Ausbildungsplätze in ganz unterschiedlichen Berufen. Neben den noch offenen Ausbildungsplätzen werden auch die Ausbildungsstellen neu vermittelt, die nicht angetreten wurden oder die in der Probezeit wieder frei werden", sagt Ossmann. "Dranbleiben lohnt sich für Jugendliche, die noch suchen, denn der Traumausbildungsplatz kann plötzlich wieder dabei sein." Insgesamt sind in Bremen und Bremerhaven noch in 152 unterschiedlichen Berufen Lehrstellen frei.

Doch die Stellen sind nicht nur frei, weil es zu wenige Interessenten gibt. Viele Bewerber bringen nicht die passenden Fähigkeiten für die gewünschte Ausbildung mit. Außerdem ist ein Großteil bereits auf einen bestimmen Beruf fixiert und weiß nicht, welche ähnlichen Berufe es gibt und was man dort macht. Wer mit Holz arbeiten will, denkt vielleicht an Tischler oder Zimmerer, eventuell aber nicht an Drechsler, Modell- oder Bootsbauer.

Diese Situation erschwert die Azubi-Suche für die Unternehmen. "Auch große Unternehmen haben Probleme, ausreichend geeignete Kandidaten zu finden. Das hat sich durch einen Trend zur Akademisierung noch verschärft", erklärt Karlheinz Heidemeyer. "Aus Sicht der Unternehmen sind die fehlenden Bewerber ein echtes Problem. Das wird noch dramatischer werden."

  • Verena Patel
  • Yannick Lemke

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, 31. Juli 2019, 15:15 Uhr