Umsatzeinbruch bei Autohändlern: 70 Millionen Euro weniger

Der Umsatz der Autohäuser in Bremen und Bremerhaven ist im vergangenen Jahr um zwölf Prozent eingebrochen. Schuld sei die Diskussion um Abgas-Grenzwerte.

Verkaufsszene aus einem Autohaus (Symbolbild)
Jetzt einen Neuwagen kaufen? Und wenn ja, welchen? Viele Menschen haben 2018 auf einen Autokauf verzichtet. Bild: Imago | Westend61

Beim Blick auf die Zahlen von 2018 tränen so manchem Autohändler in Bremen und Bremerhaven die Augen. Denn der Umsatz der Autohäuser in Bremen und Bremerhaven ist im vergangenen Jahr um zwölf Prozent eingebrochen. Das hat der Bremer Landesverband des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes mitgeteilt. Gegenüber dem Jahr zuvor seien mehr als 4.300 Neu- und Gebrauchtwagen weniger verkauft worden.

70 Millionen Euro weniger Umsatz

Der Umsatz im bremischen Autohandel ging um fast 70 Millionen Euro zurück und lag im vergangenen Jahr bei rund 870 Millionen Euro. Es sei so schlimm wie seit vier Jahren nicht mehr, sagt Karl-Heinz Bley, Präsident des Kfz-Verbandes Niedersachsen-Bremen: "Beim gesamten Gebrauchtwagenmarkt und Neuwagenbereich haben wir Einbußen gehabt, in der Stückzahl, aber besonders in der Marge. Das war nicht auskömmlich. Die Betriebe sind teilweise in der Existenz bedroht und ihre Liquidität ist gefährdet."

In Zahlen bedeutet das: Zehn Prozent weniger Umsatz bei Neuwagen und insgesamt 2.200 weniger Autoverkäufe als im Vorjahr, fast 70 Millionen Euro weniger Umsatz insgesamt. Das erhöht vor allem auch den Druck auf die Händler. Denn wer nichts verkauft, erhält keine Provision.

So schlimm wie in Niedersachsen, wo mehrere Autohäuser Insolvenz anmelden mussten, war es im Land Bremen allerdings nicht. Immerhin: Es mussten laut seines Wissens keine Leute entlassen und keine Betriebe dicht gemacht werden, sagt der Bremer Obermeister der Kfz-Innung Hans-Jörg Kossmann.

Warum kaufen die Leute weniger Autos?

Schuld am Absatzrückgang ist aus Sicht des Kfz-Gewerbes die politische Diskussion über Abgasgrenzwerte und Fahrverbote. Dies habe insbesondere private Autokäufer verunsichert.

Man weiß nicht, was man kaufen soll. Man schiebt diesen Kauf noch auf. Und viele Marken konnten im letzten Jahr gar nicht liefern. Wegen der neuen Abgasnorm, die nochmal überprüft werden muss.

Hans-Jörg Kossmann, Obermeister KfZ-Innung

Das heißt, zum Teil war das Kraftfahrtbundesamt dafür verantwortlich, dass in Bremen weniger Autos verkauft werden. Zum Teil gab es aber auch einfach weniger Auto-Interesse, insbesondere an Dieselmotoren.

Erste Anzeichen eines Wertewandels?

Kossmann gibt der Bundespolitik die Schuld. Sie sollte bestehende oder mögliche Fahrverbote in Städten wie Hamburg oder Stuttgart aussetzen. Gleichzeitig wünscht er sich ein besseres Miteinander in Bremen.

Hier ist Autofahrer gegen Fahrradfahrer, Fahrradfahrer gegen Fußgänger. Für mich ist zu viel Ideologie dabei.

Hans-Jörg Kossmann, Obermeister KfZ-Innung

Tatsächlich sei aber auch viel im Wandel, gibt der Innungs-Obermeister zu. In manchen Bremer Stadtteilen gibt es kaum Parkmöglichkeiten, es verzichten mehr Leute aufs eigene Auto, andere nutzen Carsharing. Es kann also sein, dass sich das Kfz-Gewerbe darauf einstellen muss, dass das Geschäft schrumpft. Im Moment klagt es über eine unsichere Zukunft und wünscht sich mehr Klarheit von der Politik.

  • Mario Neumann

Dieses Thema im Programm: buten un binnen um 6, 6. März 2019, 18:00 Uhr