Was geschieht mit Karstadt? Bremer Handel in Sorge um Warenhäuser

In Deutschland geht die Angst um die Warenhäuser um: Galeria Karstadt Kaufhof muss bis zu 80 Standorte schließen. Trifft es auch Bremen oder Bremerhaven? Und: Was dann?

Karstadt hat geschlossen
Ein Bild, an das sich wohl niemand in Bremen gewöhnen möchte: Karstadt geschlossen. Bild: Radio Bremen | Martin von Minden

Der 25. Mai könnte der Tag der Wahrheit werden für die vier Häuser des Warenhauskonzerns Galeria Karstadt Kaufhof im Land Bremen. Denn am kommenden Montag wollen der gerichtlich bestellte Sachwalter Frank Kebekus und der Generalbevollmächtigte Arndt Geiwitz die Gewerkschaft ver.di über ihre Pläne mit dem im Schutzschirmverfahren befindlichen Konzern unterrichten. In einem Schutzschirmverfahren geht es darum, frühzeitig einen Insolvenzplan zu entwickeln und auf diese Weise ein angeschlagenes Unternehmen zu sanieren.

Im Raum steht die Ankündigung Galeria Karstadt Kaufhofs, bis zu 80 der bundesweit 172 Standorte zu schließen. Welche der drei Bremer Häuser am stärksten bedroht sind, und ob auch die Bremerhavener um ihre Karstadt-Filiale bangen müssen – dazu wollen sich derzeit weder Filialleiter noch Betriebsräte äußern. Auch die Essener Zentrale des Konzerns hüllt sich gegenüber buten un binnen in Schweigen.

Der "WirtschaftsWoche" aber sagte der Generalbevollmächtige Arndt Geiwitz diese Woche: "Wir gehen von einer Milliarde Umsatzverlust in diesem Jahr aus und rechnen auch nicht damit, dass die Kunden im kommenden Jahr wieder so einkaufen werden wie vor Corona. Das heißt, bis Ende 2022 könnten die Umsatzeinbußen sogar auf insgesamt rund 1,4 Milliarden Euro steigen." Harte Einschnitte seien daher unausweichlich. Jene Häuser, die sich nicht profitabel betreiben ließen, würden auf jeden Fall geschlossen, ein Dutzend weiterer Häuser stehe auf der Kippe.

Wen in Bremen trifft es?

Schild Betriebsversammlung
Könnte dem Sanierungskonzept von Galeria Karstadt Kaufhof zum Opfer fallen: Karstadt Sports in der Sögestraße. Bild: Radio Bremen | Heike Kirchner

Welche Häuser im Land Bremen hierzu zählen könnten, darüber möchte kaum jemand öffentlich spekulieren. Als geradezu ausgemacht gilt unter Bremer Kaufleuten allerdings, dass mindestens eines der drei Bremer Häuser auf der Streichliste steht, vielleicht sogar zwei. Die besten Bestandschancen werden weithin der Filiale in der Obernstraße/Ecke Sögestraße eingeräumt.

Es ist das größte Warenhaus in Bremen. Zudem gilt seine Lage als herausragend. Eng dagegen, glauben Beobachter, könnte es für Karstadt Sports in der Sögestraße und auch für Galeria Karstadt Kaufhof in der Papenstraße werden.

Stefan Brockmann, stellvertretender Vorsitzender der City-Initiative Bremen Werbung und Leiter des Einzelhandelsausschusses der Handelskammer, sagt jedoch: "Auch den Standort in der Papenstraße suchen täglich einige tausend Kunden auf." Brockmann findet, dass Bremen um alle Warenhäuser in der Innenstadt kämpfen muss.

"Kann mir ein Zentrum ohne Warenhaus nicht vorstellen"

Logo Galeria Kaufhof und Karstadt an einer Häuserfassade (Montage)
Sieht einer ungewissen Zukunft entgegen: Galeria Kaufhof Karstadt in der Papenstraße. Bild: Radio Bremen/Imago | Martin von Minden

Warenhäuser machten nicht nur den Charme einer Innenstadt aus. Sie stünden auch für ein äußerst vielfältiges Angebot und zögen damit ein großes Publikum an, wovon wiederum alle übrigen Geschäfte der Innenstadt profitierten. Obwohl Warenhäuser aufgrund der Konkurrenz durch Einkaufszentren, dem Online- und dem Fachhandel in den letzten Jahrzehnten erheblich an Marktanteilen verloren hätten, deckten sie doch weiterhin Sortimente ab, die sonst kaum ein Geschäft vorhalte. Als Beispiele nennt Brockmann Haushaltswaren, Bettwäsche, Schreibwaren und Kurzwaren wie Knöpfe oder Nähnadeln.

Wenn eine Innenstadt seine Warenhäuser verliere, sähen sich viele Kunden gezwungen, in Einkaufszentren auf der grünen Wiese einzukaufen, glaubt Brockmann und fügt hinzu: "Ich kann mir ein Stadtzentrum ohne Warenhaus gar nicht richtig vorstellen." Brockmann, der das Möbelhaus BoConcept in der Bremer Innenstadt betreibt, war von 2003 bis 2006 Geschäftsführer der Karstadt-Filiale in der Obernstraße.

"Karstadt ist der Leuchtturm in der Innenstadt"

Fassade des Karstadt-Kaufhauses in der Fußgängerzone von Bremerhaven (Archivbild)
Hält 25 Prozent der gesamten innerstädtischen Verkaufsfläche bereit: Karstadt in Bremerhaven. Bild: DPA | Ingo Wagner

Wie groß die Bedeutung eines Warenhauses für eine Innenstadt sein kann, lässt sich an Karstadt in der Bremerhavener Bürgermeister-Smidt-Straße besonders gut ablesen. So berichtet Karsten Nowak aus der Handelskammer Bremen – IHK Bremerhaven, dass dieses Warenhaus etwa 25 Prozent der gesamten innerstädtischen Verkaufsfläche ausmache. Das Haus führe ein Leitsortiment an Waren, dass Kunden in der Innenstadt erwarteten.

Breche ein großer Teil dieses Sortiments weg, so könnten mit ihm auch vertraute Geschäftsbeziehungen wegbrechen. Joachim Haack von der Werbegemeinschaft City Skipper sagt daher mit Hinblick auf eine mögliche Schließung des Bremerhavener Warenhauses: "Das wäre katastrophal. Karstadt ist der Leuchtturm in der Innenstadt. Die Lücke lässt sich nicht schließen." Allerdings, so Haack, habe er den Eindruck, dass der Standort gut laufe, was gegen die Schließung des Bremerhavener Warenhauses spräche.

Schreckgespenst Hertie in Delmenhorst

Wie Haack, so kann sich auch Jan König, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Nordwest, Bremerhavens Innenstadt kaum ohne Warenhaus vorstellen. Gleiches gelte allerdings auch für Oldenburg. In beiden Städten seien die Warenhäuser zentrale Anlaufpunkte, Publikumsmagneten. Schwer zu bespielen aber seien sie offenbar trotzdem, sagt König.

Die Hertie-Ruine in Delmenhorst (Archivbild)
Trostloser Anblick: die Hertie-Ruine in Delmenhorst. Bild: DPA | Carmen Jaspersen

Wie schwierig es aber erst werde, wenn ein Warenhaus aus einer Innenstadt verschwinde, sehe man in Delmenhorst. Dort musste Hertie vor elf Jahren die Segel streichen. Seitdem steht das Gebäude leer. Wie es mit der Ruine weitergeht, ist ungewiss. Das Beispiel Delmenhorsts zeige nicht nur, wie schwer es sei, Nachnutzer für leerstehende Kaufhäuser zu finden. Man könne daran auch erkennen, dass große innerstädtische Verkaufsflächen kaum noch gefragt seien, sagt König. Wie Stefan Brockmann von der City-Initiative, so stellt auch er fest, dass sich die Rolle der Warenhäuser über die Jahrzehnte durch die Konkurrenz zum Fachhandel, zu Einkaufszentren und zum Online-Handel verändert habe.

Dennoch zeigt sich König überzeugt davon, dass Warenhäuser in Oberzentren wie Bremen, Bremerhaven und Oldenburg eine Zukunft haben können. Allerdings müssten die Kommunen mehr unternehmen, um ihre Innenstädte attraktiv zu gestalten. "Man muss versuchen, die Universitäten und die Behörden in die Innenstädte zu locken", findet König. Außerdem könnte es helfen, für mehr Wohnraum in den Zentren zu sorgen: "Viele Menschen sorgen für viel Leben", so sein Argument. Und innerstädtisches Leben könnte auch den Warenhäusern helfen.

Wie geht´s weiter mit Karstadt und Kaufhof in der Bremer Innenstadt?

Video vom 3. April 2020
Der bremer Unternehmer Kurt Zech zu Gast im Studio von buten un binnen.
Bild: Radio Bremen

Autoren

  • Alexander Schnackenburg Autor
  • Catharina Spethmann

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 18. Mai 2020, 16:00 Uhr