Futterindustrie: Fressen Nutztiere in Bremen und umzu bald Mehlwürmer?

Der Bedarf an Soja für die Tierzucht ist riesig – allerdings ist der Import nicht umweltfreundlich. Die Hochschule Bremerhaven arbeitet an proteinreichen Alternativen.

Eine Wissenschaftlerin nimmt Würmer aus einer Schale.
Nina Kröncke arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin an dem Projekt mit. Bild: Radio Bremen

Immer mehr Menschen essen Fleisch, und das hat Folgen: Der Bedarf an Soja und Fischmehl als Futtermittel in der Tierzucht ist immens. Die Hochschule Bremerhaven erforscht deshalb, wie sich der Proteingehalt im Tierfutter anders decken lässt. Ein Ausweg: Mehlwürmer. Die Larven der Mehlkäfer sind eine gute alternative Proteinquelle, verarbeitet zu Insektenmehl könnten sie das Soja im Tierfutter ersetzen. Ein weiterer positiver Effekt: Langfristig gesehen leisten Mehlwürmer einen Beitrag zum Umweltschutz. Denn Produktion und Import von Soja aus Mittel- und Südamerika sind nicht gerade umweltfreundlich.

Serienproduktion frühestens in fünf Jahren

Ganz einfach ist das allerdings nicht. Denn Mehlkäfer sind pflegeintensiv: Sie brauchen Futter, Wasser und ein warmes Klima mit hoher Luftfeuchtigkeit. Außerdem müssen tote Käfer und Eier regelmäßig aussortiert werden. Damit das alles nicht per Hand erledigt werden muss, entwickeln die Forscher unter der Leitung von Lebensmitteltechnologe Rainer Benning eine Produktionsstraße.

Die Forscher halten die Mehlkäfer in einer Art Kreislauf. Ein Teil der Tierchen sorgt für den Nachwuchs: Eine Mehlkäfer-Dame kann in ihrem rund dreimonatigen Leben etwa 300 Eier legen. Einige Larven werden dann für die Tiernahrung weiterverarbeitet, der Rest wird für die Nachzucht genutzt. Allerdings ist wohl frühestens in fünf Jahren mit einer Serienproduktion zu rechnen.

Wir schaffen es in 100 Tagen, die erntereif zu bekommen. Man kann das auch noch ein bisschen verkürzen, indem man die Temperatur etwas höher setzt: Wir haben so 26 Grad in unserem Haltungsraum. Und je nachdem, was man den Larven zu fressen gibt, kann man auch noch mal steuern, wie schnell sie sich entwickeln.

Eine Frau im weißen Kittel steht in einem Labor.
Nina Kröncke, wissenschaftliche Mitarbeiterin

Würmer schmecken wie Erdnussflips

Langfristiges Ziel ist es, die Mehlwürmer auch als Nahrung für Menschen zu nutzen. Die Weltbevölkerung wachse schließlich, sagt Benning. "Wir müssen die Ernährung irgendwie sicherstellen". Dem Wissenschaftler ist klar, dass diese Idee bei manchen Menschen auf Skepsis stoßen kann. Daher versucht er, mit dem Geschmack von Mehlwürmern zu überzeugen.

Die haben ein etwas nussiges Aroma. Die kann man sich so vorstellen wie die Erdnussflips. So schmecken die. Also die sind ganz gut.

Ein Mann guckt in die Kamera.
Rainer Benning, Professor für Lebensmitteltechnologie pflanzlicher Rohstoffe

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Autoren

  • Sonja Harbers Autorin
  • Patrick Florenkowsky

Dieses Thema im Programm: Cosmo, Science, 21. Dezember 2019, 16.20 Uhr