Jedes dritte Kind in Bremen lebt bei nur einem Elternteil

In einer umfangreichen Untersuchung hat die Arbeitnehmerkammer Alleinerziehende in Bremen zu ihrer Lebenssituation befragt. Diese fühlen sich oft am Limit.

Eine alleinerziehende Mutter sitzt am Computer, im Vordergrund ein Kind, welches mit einer Kamera spielt.
Bild: Imago | Westend61

Sie sind oft arbeitslos oder arbeiten in Teilzeit, erhalten kaum Unterstützung von den Ex-Partnern und sehen sich immer wieder am Limit: Die Situation von Alleinerziehenden in Bremen ist weiterhin schwierig. Dies ergibt eine umfangreiche Befragung der Arbeitnehmerkammer Bremen, die sie in Kooperation mit dem Senator für Wirtschaft, Arbeit und Häfen und den Jobcentern in Bremen und Bremerhaven durchgeführt hat. Neben statistischen Daten wurde darin auch nach dem Lebensgefühl, den Wünschen und politischen Forderungen gefragt.

Jedes dritte Bremer Kind lebt mit nur einem Elternteil

In Bremen leben laut Statistik 62.000 Familien mit Kindern unter 18 Jahren. 18.000 dieser Familien sind Alleinerziehende mit Kindern, 16.000 davon weiblich. Knapp jedes dritte Kind lebt nur bei einem Elternteil. Damit ist Bremen wie alle Großstädte eine Hochburg der Alleinerziehenden. Im bundesweiten Durchschnitt lebt nur jedes fünfte Kind nur mit Vater oder Mutter.

Mehr als ein Drittel der Alleinerziehenden sind arbeitslos

35 Prozent der Befragten sind arbeitslos, vier Fünftel davon zwischen einem und zehn Jahren.

Bei so langer Abstinenz vom Arbeitsmarkt ist eine Integration
beziehungsweise Reintegration in Beschäftigung auf dem ersten Arbeitsmarkt ohne langfristige Förderung kaum denkbar.

Zitat aus der Befragung "Alleinerziehend – ein Kaleidoskop von Lebens- und Arbeitssituationen" der Arbeitnehmerkammer

Viele weitere verdienen so wenig, dass sie mit staatlichen Hilfen aufstocken müssen. Insgesamt sind so fast 54 Prozent der Bremer Alleinerziehenden auf Grundsicherung angewiesen.

11.000 alleinerziehende Erwerbstätige zählte die Statistik im Jahr 2015, davon sind 6.900 in Teilzeit beschäftigt, viele andere in Minijobs. Die Erwerbstätigenquote als Anteil an allen Alleinerziehenden liegt in Bremen bei 61,1 Prozent. Im Bundesdurchschnitt werden aktuell 72,1 Prozent gemessen, auch in den Stadtstaaten Berlin und Hamburg lag die vergleichbare Quote 2015 bei höheren 66,5 und 71,4 Prozent.

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Alleinerziehende klagen über Diskriminierung

Ob bei der Wohnungssuche, im Job oder bei Behörden: Viele Alleinerziehende gaben an, diskriminiert zu werden und sich an den Rand gedrängt zu fühlen. Dies gilt besonders für die kleine Gruppe alleinerziehender Väter. Gesellschaftliche Anerkennung spürten nur acht Prozent der Befragten.

Für ihre Studie hat die Arbeitnehmerkammer über 8.000 Fragebögen verschickt, 1.267 Alleinerziehende antworteten. Zwar ist die Studie nicht repräsentativ, doch sie bildet nach Angaben der Arbeitnehmerkammer sehr gut die bisherige Datenlage ab und ergänzt diese nun auch um persönliche Eindrücke und Einschätzungen der Alleinerziehenden.

  • Tanja Krämer

Dieses Thema im Programm: Hörfunknachrichten bei Radio Bremen, 6. Oktober 2017, 15 Uhr.