Warum Bremer Pflegeheimbewohner zu oft ins Krankenhaus kommen

Eine Studie hat die Krankenhausaufenthalte von 802 Pflegeheimbewohner aus Bremen und umzu ausgewertet. Das Ergebnis: Viele Einlieferungen waren unnötig.

Zwei alte Menschen werden von Sanitätern versorgt.
627 Krankenhausaufenthalte gab es insgesamt bei den 802 Pflegeheimbewohnern, die an der Studie teilgenommen haben. Bild: Imago | CTK Photo

In Deutschland leben etwa 800.000 Menschen in Pflegeheimen – und die Tendenz steigt. Diese alten Menschen werden häufig in Notaufnahmen und Krankenhäusern behandelt. "Zu oft", sagt Allgemeinmediziner Guido Schmiemann. "In Deutschland wesentlich häufiger als im internationalen Vergleich." Dabei können solche unnötigen Krankenhausaufenthalte Folgen haben: Infektionsgefahr oder steigende Verwirrtheit. Schmiemann betreut Menschen im Pflegeheim und hat jetzt zu dem Thema an einer Studie mitgearbeitet.

Die Universität Bremen und die Universität Oldenburg haben in der Studie "Hospitalisierung und Notaufnahmebesuche von Pflegeheimbewohnern" herausgefunden, warum und wie häufig Pflegeheimbewohner eingeliefert werden. Dazu haben sich die Wissenschaftler 14 Pflegeheime in Bremen und umzu angeschaut. 802 Bewohnerinnen und Bewohner wurden erfasst. Die Hälfte von ihnen war dement, ein Viertel über 90 Jahre alt.

Pflegende haben Angst vor rechtlichen Konsequenzen

627 Krankenhausaufenthalte ergibt die Statistik. Wobei dies laut Schmiemann nicht die Anzahl der Menschen war, sondern die tatsächliche Zahl der Notaufnahmen- und Krankenhausaufenthalte. Darunter fielen auch die Menschen, die im Verlauf eines Jahres mehrfach in ein Krankenhaus transportiert werden mussten. Zwölf Monate lang haben sich die Forschungsteams aus Bremen und Oldenburg die Pflegeheime angeschaut.

Im statistischen Mittel gesehen sind es 0,78 Ereignisse dieser Art pro Bewohnerin oder Bewohner im Jahr.

Guido Schmiemann, Allgemeinmediziner

Ein höheres Risiko für ungeplante Krankenhaustransporte haben laut der Studie Männer und Bewohner mit einem höheren Pflegegrad. Die häufigsten Gründe für den Anruf beim Rettungsdienst: Stürze, Unfälle, Verschlechterungen des Allgemeinzustands und neurologische Auffälligkeiten.

Häufig haben Pflegekräfte ohne Einbeziehung von Ärzten die Entscheidung getroffen

Guido Schmiemann, Allgemeinmediziner

"Wir haben da ein strukturelles Problem", fasst Schmiemann zusammen. "Der Pflegedienst ruft die 112. Der Disponent, der den Anruf entgegennimmt, haftet persönlich für seine Entscheidung, also wird er im Zweifel eher einen Rettungswagen alarmieren. Der wird für Leerfahrten in den meisten Regionen nicht bezahlt, also nimmt er im Zweifel den oder die Bewohnerin des Pflegeheims mit. Das ist ein Automatismus. Wir müssen Wege finden, wie wir da herauskommen."

Kommunikation zwischen Heim und Arzt verbessern

Die Erkenntnisse der Studie können aus der Praxis von Hausärzten, Pflegepersonal und Rettungsdienstlern bestätigt werden, so Schmiemann. Ziel müsse es sein, die Pflegenden künftig mehr zu stärken und eine bessere Kommunikation zwischen den Ärzten und Pflegeheimen zu schaffen. So könne man die vermeidbaren Krankenhaustransporte aus Pflegeheimen verringern, sagt Schmiemann.

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Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 10. Oktober 2019, 23:30 Uhr