Interview

Wie ein Unternehmen aus Franken Bremen aufmöbeln will

Dem Galeria-Kaufhof-Gebäude in Bremens Innenstadt drohte Leerstand. Jetzt zieht dort die Opti-Wohnwelt ein. Zugleich übernimmt das Unternehmen ein Möbelhaus im Weserpark. Aber warum?

Video vom 2. März 2021
Der Unternehmenschef Oliver Föst steht vor dem Bremer Kaufhof Gebäude.
Bild: Radio Bremen

Sollte die Politik den Lockdown aufheben, könnte es Schlag auf Schlag gehen. Denn dann könnte die Opti-Wohnwelt ihre erste neue Bremer Filiale umgehend öffnen: das einstige Möbelhaus Schulenburg im Weserpark.

Auch in der Innenstadt möchte das Familienunternehmen aus Unterfranken nicht viel Zeit verlieren. Sobald der Innenausbau abgeschlossen ist, voraussichtlich im August, wird Opti-Wohnwelt seine Filiale im ehemaligen Bremer Galeria-Kaufhof-Gebäude aufmachen, um dort auf 15.500 Quadratmetern Möbel anzubieten. buten un binnen hat Unternehmer Oliver Föst zu den Gründen für sein Engagement in Bremen befragt.

Herr Föst, die meisten Opti-Wohnwelt-Filialen liegen auf der grünen Wiese, wie andere Möbelhäuser auch. Was hat sie dazu bewogen, mit dem Galeria-Kaufhof-Gebäude in der Papenstraße einen innerstädtischen Standort zu beziehen?
Neugier darauf, ob Einrichtungshandel in der Stadt funktioniert. Wir sehen eine Chance in der Stadt. Die Fläche ist für ein Möbelhaus groß genug. Außerdem hat es sich für uns in Bremen gut ergeben, diese große innerstädtische Fläche zu kriegen. Also haben wir die Chance am Schopf gepackt.
Sie schreiben auf Ihrer Website auch, dass Sie das Für und Wider des Objekts lange abgewogen hätten. Können Sie das kurz erläutern: Was spricht neben der Größe des Objekts und der innerstädtischen Lage für den Standort?
Die Möglichkeiten, wie man die Flächen modernisieren kann. Der Standort ist in die Jahre gekommen. Wir werden die Decken neu machen, die werden rückgebaut. Wir haben dort für die Präsentation und Gestaltung von Möbeln hervorragende Möglichkeiten durch hohe Decken und durch eine niedrige Säulendichte. Es gibt viele Standorte mit deutlich mehr Stützpfeilern. In diesem Objekt haben wir es mit einer beeindruckenden Spannkonstruktion zu tun. Es stehen nicht viele Pfosten im Weg. Dadurch gibt es große quadratische, praktische Flächen. Gute Voraussetzungen für uns.
Oliver Föst mit Maske vor dem Gebäude der ehemaligen Galeria Kaufhof in der Bremer Innenstadt
Ist sehr angetan von der einstigen Kaufhof-Immobilie in der Bremer Innenstadt: Oliver Föst, Geschäftsführer der Opti-Wohnwelt. Bild: Radio Bremen
Trotzdem: Es gibt bundesweit zur Genüge verwaiste Kaufhäuser. Warum haben Sie sich gerade für Bremen entschieden?
Wir sind schon seit 2013 in Schiffdorf-Spaden bei Bremerhaven. Wenn wir nicht schon hier oben wären, hätten wir das in Bremen jetzt nicht gemacht. Für uns ist Bremerhaven ein sehr guter Standort. Wir fühlen uns hier im Norden sehr wohl. Aus diesen Gründen haben wir immer mal geliebäugelt mit Bremen. Das bietet sich auch werbetechnisch durch die Nähe der Standorte zueinander an.
Sowohl Bremens als auch Bremerhavens Innenstadt ist im Wandel begriffen. Keiner weiß, wie die Citys in zehn Jahren aussehen werden. Was glauben Sie: Wird der Einzelhandel weiterhin das Geschehen in der Bremer Innenstadt beherrschen?
Ich möchte mir nicht anmaßen, als Franke die Entwicklung der Bremerhavener oder der Bremer Innenstadt vorauszusagen. Aber: Wir glauben generell an die Innenstädte. Opti ist der Meinung, dass die Innenstadt als Raum von Begegnung bleibt. Je größer die Stadt, desto größer die Chance, dass es so kommen wird. Es wird zwar vielleicht nicht mehr allein der Handel prägend sein. Aber das Treffen, das Sich-Begegnen, vielleicht mit noch mehr Gastronomie – das wird immer ein Teil der Innenstadt sein. Und diese Überzeugung hat uns dazu veranlasst, den Weg so zu gehen.
Der Weserpark, in dem Sie gerade Möbel Schulenburg übernommen haben, gilt Kritikern als Sargnagel der Bremer Innenstadt. Wie sehen Sie das? Und: Wollen Sie sich selbst Konkurrenz machen?
Die Frage wurde mir schon öfter gestellt. Beide Standorte werden getrennte Konzepte haben. Das Cityhaus wird von der Präsentation her anders werden als der Weserpark. Dort machen wir ein großes Möbelhaus, so, wie Sie es heute kennen. Aber nicht jeder hat ein Auto, so dass wir glauben: Verweilende, bummelnde Kunden, die sich inspirieren lassen wollen, erreichen wir vor allem in der Stadt.
Das Auto ist ein gutes Stichwort. Bremens Landesregierung möchte eine autofreie Innenstadt schaffen. Was bedeutet das für Sie? Wie soll man bei Ihnen dann noch Möbel kaufen und nachhause transportieren können?
Das ist für uns gar kein Problem, so lange die Kunden zu uns kommen. Wir liefern die Möbel nicht in der Innenstadt aus. Das ist ein Showroom. Die Auslieferung erfolgt über den Weserpark. Da haben wir ein sehr großes Lager, das natürlich auch als Auslieferungslager fungieren wird für die Bremer Innenstadt. Das heißt: In der Innenstadt ist es nicht möglich, Möbel mitzunehmen. Das ist aber auch nie angedacht gewesen.

Autor

  • Alexander Schnackenburg Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 2. März, 19.30 Uhr