Immer mehr "Kampfhunde": Darum wird es im Tierheim Bremerhaven eng

Die Zahl sogenannter "Kampfhunde" wird für das Tierheim Bremerhaven zur Belastung. Auch weil die Vermittlung aufgrund der Gesetzeslage schwierig ist.

Ein Kampfhund hinter Gittern in einem Tierheim.

Jeder Zwinger des Tierheims Bremerhaven ist belegt, 22 der insgesamt 56 Plätze durch sogenannte Listenhunde, die als potenziell gefährlich eingestuft sind und oft als "Kampfhunde" bezeichnet werden. "Wir sind schon randvoll, unsere Kapazitäten sind ausgeschöpft", sagt Tierheimleiterin Amelie Bensch. "Wir haben zwar nie einen Aufnahmestopp, aber die Belastung ist groß."

Das Gesicht einer Frau ist im Porträt zu sehen.
Amelie Bensch ist Leiterin des Tierheims in Bremerhaven, ihre Einrichtung kommt aufgrund vieler Listenhunde an ihre Grenzen.

Das Landesgesetz des kleinsten Bundeslandes verbietet Listenhunde, zu denen die Rassen American Staffordshire Terrier, Staffordshire Bullterrier, Pitbull-Terrier und Bullterrier zählen. Werden sie in Bremerhaven auf der Straße oder bei Durchsuchungen gefunden, werden sie beschlagnahmt und kommen ins Tierheim. Im letztes Jahr waren es sechs Tiere, im laufenden Jahr 2019 sind bereits elf. Die Stadt Bremen kommt laut Ordnungsamt im gleichen Zeitraum auf zwölf beziehungsweise elf Tiere. Dennoch ist die Lage eine andere: "In Bremen gibt es nicht die Probleme, wie in Bremerhaven", sagt Tierheimleiterin Sarah Ankermann. Dort sichergestellte Hunde würden direkt in Niedersachsen untergebracht.

Vermittlung für Tierheim schwierig

Dass in Bremerhaven ein Trend vorliegt, kann der Leiter des Ordnungsamtes Bremerhaven, Thomas Herbrig, zwar nicht bestätigen. "Allerdings stellt die Schutzpolizei im Rahmen anderer Ermittlungen auch Hunde sicher." Es ist dann am Tierheim, ein neues Zuhause für die Hunde zu suchen – meist in Niedersachsen, wo keine Rassen verboten sind. Interessenten gibt es laut Bensch auch aus dem Stadtgebiet, doch damit sei es schwierig. Und so steigt die Anzahl der "Kampfhunde" im Tierheim.

Ausnahmeregelung kaum genutzt

Eine Vermittlung von Listenhunden innerhalb Bremens ist nur durch eine Ausnahmeregelung möglich. Dazu heißt es beim Senator für Inneres:

Die Haltung von Hunden der oben aufgeführten Rassen ist nur ausnahmsweise möglich, wenn der Hund aus einem bremischen Tierheim (Bremen oder Bremerhaven) übernommen wird. Der Antrag auf Erlaubnis ist vor der Übernahme des Tieres beim Ordnungsamt zu stellen.

Bremer Senator für Inneres, Basisinformation Gefährliche Hunde

Niedersachsen sieht Gefahr eher im Verhalten des Menschen

Im Tierheim Bremerhaven landet so eine Erlaubnis vom Ordnungsamt jedoch selten. Seit 2014 ist dort nur ein Hund nach Bremen vermittelt worden. Nach Niedersachsen waren es 36. Dort sieht man die Gefahr nicht in der Rasse des Hundes, sondern im Verhalten des Menschen. Wer ein entsprechendes Tier halten will, muss einen Hundeführerschein ablegen. "In Niedersachsen hat sich das ganz gut bewährt", sagt Nadine Bruns, Leiterin der Tierpflege im Tierheim Bremerhaven. "Ich finde, es sollte vielleicht noch ein bisschen strenger sein. Der jetzige Hundeführerschein ist ziemlich einfach." Unterstützung kommt von der Bremer Tierheimleiterin Ankermann: "Es gibt genug Studien, die belegen, dass diese Hunde nicht gefährlicher sind. Wir wären für eine Abschaffung der Regelung."

Autoren

  • János Kereszti
  • Joschka Schmitt

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 4. Oktober 2019, 19:30 Uhr