Fragen & Antworten

Herzstillstand auf dem Fußballplatz: So reagieren Sie richtig

Herzdruckmassage
Bewusstlos und kein Atem mehr? Dann kann die Herzrhythmus-Massage Leben retten. Bild: Imago | agefotostock

Der Fall des dänischen Nationalspielers Christian Eriksen zeigt, eine unmittelbare Herzdruckmassage rettet Leben. Bremer Experten ermutigen, stets beherzt einzugreifen.

Bei der Fußball-Europameisterschaft wurde am Wochenende nochmal deutlich, wie wichtig schnelle Hilfe bei einem Herzstillstand ist. Dem dänischen Fußballprofi hat die Erste Hilfe das Leben gerettet. Im Alltag trauen sich viele Menschen oft nicht, einzugreifen. Dabei ist jede Hilfe besser als keine. Hier die wichtigsten Antworten zur Herz-Rhythmus-Massage: Dass sogar Kinder sie durchführen können und was sie mit dem AC/DC-Song "Highway to hell" zu tun hat.

Wie häufig kommt es in Bremen und Bremerhaven vor, dass Menschen in Alltagssituationen wiederbelebt werden müssen?
Häufiger, als mancher vermuten mag. Laut Deutschem Reanimationsregister wurden im Jahr 2019 immerhin bei 40,2 Prozent der außerklinischen Herz-Kreislauf-Stillstände die Wiederbelebungsmaßnahmen durch Ersthelfer durchgeführt. "Beim Fußball ist das fast schon ein Klassiker", sagt Prof. Andreas Fach, Oberarzt am Krankenhaus Links der Weser. Aber das hat mehr statistische Gründe: "Überproportional kommt das dort vor, weil unglaublich viele Menschen Fußball spielen und Fußball schauen."

So traf es 2017 auch Werder Bremen, als bei einem Testspiel von Werder Bremen im Zillertal Ajax-Spieler Abdelhak Nouri in der 73. Minute bewusstlos zusammenbrach und reanimiert werden musste.

Treffen kann es laut Fach jeden überall. Männer mindestens 3 Mal häufiger als Frauen und bei weitem nicht nur alte Menschen: "Besonders bestürzt sind wir, wenn es eine junge Person trifft. Dabei ist das keine Seltenheit: 10 Prozent der Bertroffenen sind unter 45 Jahre alt." Viele Menschen würden mit unerkannten Herz-Kreislauf-Erkrankungen durchs Leben gehen, so Fach.
Woran erkenne ich, dass eine Reanimation notwendig ist?
Erstes Indiz: Die Person ist bewusstlos und reagiert nicht auf Ansprache oder Berührung. Im zweiten Schritt überprüft man den Atem. Kardiologe Fach rät, den Brustkorb kurz zu beobachten, ob er sich hebt oder nicht. Atmet die Person, bringt man sie in die stabile Seitenlage. Atmet sie jedoch nicht, beginnt man unmittelbar mit den Wiederbelebungsmaßnahmen.

Wobei Notarzt Andreas Callies rät: Jemanden bitten, sofort einen Notruf unter 112 abzusetzen. "Dann wird man optimalerweise von der Leitstelle der Feuerwehr angewiesen in den Maßnahmen, die man dann machen muss. Und die sind kinderleicht und da ist nichts Schwieriges dran."

Als Eselsbrücke nennt Fach die PRD-Regel. Prüfen, rufen, drücken. Prüfen, ob der Puls noch schlägt. Hilfe rufen zur Unterstützung. Mit dem Drücken des Brustkorbs beginnen.
Und wie wird konkret wiederbelebt?
Der Patient sollte laut Callies möglichst auf einem harten Untergrund in Rückenlage gebracht werden. Man kniet dann auf Höhe des Brustkorbs und legt den einen Handballen – unterstützt vom anderen darauf – auf die Stelle kurz unterhalb des Brustbeins. Um dann zentimetertief mit durchgestreckten Armen rhytmisch zu drücken. Und das rund 100 Mal pro Minute. Was etwa dem Takt von Helene Fischers "Atemlos", dem AC/CD-Song "Highway to hell" oder auch "Yellow Submarine" von den Beatles entspricht. Kardiologe Fach präferiert das lebensbejahende "Stayin' alive" von den Bee Gees.

Während bislang geraten wurde, im Wechsel 30 Sekunden zu drücken und zwei Mal Mund-zu-Mund-Beatmung zu machen, rät Fach zur durchgehenden Massage. Nicht nur wegen Corona. "Die Menschen haben verständlicherweise Berührungsängste. Im Blut ist aber auch noch Restsauerstoff und am wichtigsten ist es, dass der weitertransportiert wird. Mit der Maßnahme kann ich Menschen schon recht lange am Leben halten, ohne dass sie neurologische Folgen davon tragen", so Fach.

Lange könne man das allerdings konditionsmäßig nicht durchhalten: "100 Kompressionen in der Minute – da kommt man schnell in den Schweiß und freut sich über jede Hilfe." Weshalb es laut Fach wichtig ist, sich auch – wenn möglich – mit anderen abzuwechseln. Fach rät zu klaren Befehlen an vorbeigehende Passanten: "Du rufst jetzt den Notarzt. Du wechselst Dich mit mir ab!".

Wenn ich nichts mache, ist der Mensch tot. Toter als tot geht nicht. Der kann nichts mehr verlieren.

Andreas Fach, Oberarzt der Kardiologie, Krankenhaus Links der Weser
Wie hilfreich sind Defibrillatoren?
In jedem Polizeiwagen, in vielen Fitness-Studios, in Schwimmbädern oder auch an vielen Arbeitsplätzen gibt es inzwischen Defibrillatoren. Fach macht Mut, unbedingt jemanden während der Herzrhythmus-Massage parallel nach dem Stromschocker suchen zu lassen: "Die machen alles automatisch und die kann man gar nicht falsch bedienen." Das Gerät sage einem Schritt für Schritt, was zu tun ist und setzt auch nur dann einen Stromschlag zur Reanimation aus, wenn es den Rhythmus des Patienten eindeutig erkannt hat. "Für die meisten Patienten ist das die Rettung", so Fach.
Was kann man falsch machen?
Zur Wahrheit gehört dazu: Es können Rippen brechen. "Zyniker sagen, wenn es nicht mindestens zwei, drei Mal knackt, ist es nicht richtig", sagt Fach. Fakt ist: "Man muss den Brustkorb zentimetertief eindrücken und da kann schon mal eine Rippe brechen." Fach sagt aber auch aus Erfahrung: "Die Leute, die das heile überstehen, haben sich darüber noch nie beklagt. Die sind froh, überlebt zu haben. Man kann in so einer Situation nur noch gewinnen." Auch Notarzt Andreas Callies macht Mut zum Mut: "Das einzige, was man falsch machen kann, ist, dass man nichts macht." Vielleicht hilft auch dieser Hinweis: Rechtliche Konsequenzen blühen viel mehr denen, die nicht helfen, denn man kann strafrechtlich belangt werden, wenn man nicht zur Tat schreitet.

Wie wichtig ist Erste Hilfe?

Video vom 21. September 2019
Eine Erste-Hilfe-Puppe, an der die Herzdruckmassage geübt wird.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Autorin

  • Eva Linke Redakteurin

Dieses Thema im Programm: Bremen Vier, Bremen Vier läuft, 14. Juni 2021, 14:15 Uhr