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Wie geht es jetzt weiter mit dem Bremerhavener Molenturm?

Bremenports-Chef: "Wir werden den Turm eins zu eins wieder aufbauen"

Bild: DPA | Sina Schuldt

Fällt er oder fällt er nicht? Der Leuchtturm auf der Bremerhavener Nordmole steht trotz aller düsterer Prognosen immer noch. Doch die Frage ist: Wie lange noch?

In Bremerhaven geht das Zittern um ein bedeutendes Denkmal weiter. Denn trotz aller schlimmen Befürchtungen steht er noch, der Leuchtturm an der Nordmole – wenn auch in mächtiger Schräglage. Ob das rund 20 Meter hohe Seezeichen, das im Jahr 1914 erstmals seine Leuchtfeuer absetzte, auch die kommenden Wechsel von Ebbe und Flut überstehen wird, ist jedoch unklar. Wir erklären, wie es zum Einsacken der Nordmole kam, wie es für den Leuchtturm weitergeht und was geschieht, sollte er doch noch einstürzen.

Wie konnte es zum Absacken der Nordmole kommen?
Dass die Standsicherheit der Mole und somit auch des Turmes gefährdet ist, war dem Hafenbetreiber Bremenports schon seit geraumer Zeit bekannt. Sowohl die Mole als auch der Molenkopf, auf dem der Turm steht, sind auf Holzpfählen gegründet. Untersuchungen hatten gezeigt, dass diese marode waren, weshalb die Mole auch für Besucher gesperrt wurde. "Wir hatten die Hoffnung, dass das Bauwerk so lange hält, bis wir es erneuern können", sagte Robert Howe, Geschäftsführer des Hafenbetreibers Bremenports.

Nach der Tide in der vergangenen Nacht seien jedoch "Gründungselemente" abgängig gewesen. Der Turm sei dann "völlig ohne Fremdeinwirkung in einem Bereich havariert, der nicht untersuchbar ist", so Howe. "Möglicherweise hätten wir den Turm vorher schon abbauen müssen", räumte Bremens Häfensenatorin Claudia Schilling (SPD) ein.
Was geschieht jetzt mit dem Leuchtturm?
Bereits am kommenden Wochenende soll mit den Rückbauarbeiten des Turmes begonnen werden. Soll heißen: Der Bau wird trotz seiner Schieflage demontiert und an anderer Stelle wieder aufgebaut werden. Für den Abbau wird ein Bagger verwendet, der auf einem Schwimmponton platziert wird. "Wir werden mit schwerem Equipment anrauschen, um ihn von oben bis unten abzubauen", sagte Howe.

Da bei dem auf zwei Wochen veranschlagten Vorhaben auch Großgerät zum Einsatz kommen soll, müssten aktuell noch einige "bedingungsrechtliche Fragen" geklärt werden. Geklärt ist hingegen bereits, wer für den finanziellen Aufwand aufkommt: Das Budget, das im Jahr 2019 für die ursprünglichen Baumaßnahmen an der Mole bewilligt wurde, decke auch die Aufräumarbeiten ab. Übrigens: Seinen neuen Platz soll der Molenturm künftig einige Grad entfernt von seinem ursprünglichen Standort bei der dann neuen Geesteinfahrt finden.
Was bedeutet das Absinken der Nordmole für den Schiffsverkehr?
Nachdem der Schiffsverkehr zwischenzeitlich komplett eingestellt worden war, ist er für die Berufsschifffahrt inzwischen wieder freigegeben worden. Auch die Weserfähren, die zwischen Bremerhaven und Nordenham verkehren, fahren wieder. Vorerst müssen sich jedoch Schiffe, die den Bereich passieren wollen, anmelden und dabei angeben, ob sie mit Schleppern oder Lotsen einlaufen müssen.

"Alles was an Durchfahrtsbreite noch vorhanden ist, wird der Schifffahrt zur Verfügung stehen", sagte Howe. Für die Sportschifffahrt ist die Strecke aktuell noch gesperrt. Erst wenn der Molenturm zurückgebaut ist, dürfen auch Sportschiffe wieder in dem Bereich verkehren.
Und was passiert, falls der Turm doch noch einstürzt?
Seit vergangener Nacht habe sich der Turm nicht mehr bewegt, betont Howe. Dass es noch zu einem Einsturz kommen könnte, ist dementsprechend wenig wahrscheinlich. Falls es aber zu einer weiteren Schieflage des Bauwerks kommt, wird die Wasserschutzpolizei die Überwachung in dem Bereich erhöhen. Und sollte der Turm tatsächlich noch einstürzen, würde er laut Howe keinen weiteren Schaden verursachen. Denn für diesen Fall habe man "alle notwendigen Sicherheitsmaßnahmen" getroffen.

Im Fall der Fälle würde der Molenturm aber nicht aufgegeben werden. Statt eines Abbaus unter freiem Himmel käme es dann zu einer Unterwasser-Bergung. Alle erhaltenswerten Teile des Turmes würden aus der entsprechenden Tiefe eingesammelt und das Steinmaterial ausgebaggert werden, so Howe.

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Bild: Radio Bremen

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Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 18. August 2022, 19:30 Uhr