Kommentar

Bremerhavener Nordmole: Ein Denkmal des Versagens

Bild: DPA | Sina Schuldt

Erst die Seute Deern, nun die Nordmole: Der wegbrechende Leuchtturm ist ein Sinnbild für die politische Schlamperei in Bremerhaven, meint unsere Kommentatorin.

In Bremerhaven braucht man nicht in geheimen Unterlagen zu wühlen, um politischem Versagen auf die Spur zu kommen. Man kann es besichtigen – jetzt wieder an der Geestemündung. Dort bricht gerade ein liebgewonnenes und historisch bedeutsames Bauwerk zusammen: der Leuchtturm auf der Nordmole. Das ist kein unvorhersehbares Ereignis oder höhere Gewalt – das ist das Ergebnis einer hanebüchenen Schlamperei, eine Mischung aus Bräsigkeit und Unvermögen.

Der Zustand der Mole und die Gefahr für den Turm waren seit vielen Jahren bekannt, gelegentlich wurde auch darüber geredet, eine Vorlage hier, ein Sachstandsbericht dort. Passiert ist nichts. Genauso wie übrigens bei der Seute Deern, die dann bekanntermaßen im Museumshafen unterging und nicht mehr gerettet werden konnte. Die Trümmer hat man inzwischen diskret beseitigt und versucht nun, der Bevölkerung den modernen Nachbau eines ganz anderen Schiffs als Attraktion schmackhaft zu machen. Denn das ist ja auch für Politiker und Politikerinnen sehr viel attraktiver: etwas Schickes und Neues, vor dem man sich dann ablichten lassen kann.

Die Infrastruktur geht den Bach runter

Dass drumherum die Infrastruktur den Bach runtergeht, interessiert von den Verantwortlichen offenbar niemanden. Was ist das? Die Profilneurose einzelner Politiker? Ein Versagen der politischen Kaste auf allen Ebenen? Es ist zu befürchten, dass es eine unselige Mischung aus beidem ist. Und eine Besserung ist nicht in Sicht. Die Verantwortlichen interessieren sich nämlich offensichtlich überhaupt nicht dafür, was den Bürgerinnen und Bürgern lieb und wert ist und worüber sie sich Sorgen machen.

Den nächsten Punkt auf der Liste des Versagens kann man nämlich schon aufrufen: das marode Geestesperrwerk. Auch darüber wird seit Jahren nur geredet. Allerdings werden die Folgen wesentlich dramatischer sein, wenn dieses Bauwerk einer Sturmflut nicht standhält. Dann wird Bremerhaven nämlich endgültig und für alle sichtbar absaufen. Frage an alle Politikerinnen und Politiker und an die Verantwortlichen in der Verwaltung: Wollt ihr wirklich so weitermachen?

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Autorin

  • Elke Berthin

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 18. August 2022, 19:30 Uhr