Hochwasser in Bremen: Als in Huchting 7 Menschen ertranken

50 Jahre nach der Sturmflut 1962

Bild: Staatsarchiv Bremen

Immer wieder ist Bremen von verheerenden Sturmfluten heimgesucht worden. Wir geben einen Überblick, wann die Pegel besonders hoch standen.

1 Die Sturmflut 1962

Eine der verheerendsten Sturmfluten für Norddeutschland brach im Februar 1962 auch über Bremen nieder. Bremerhaven wurde durch das Sturmflutsperrwerk an der Geste geschützt, in Bremen waren die Deiche jedoch zu niedrig. 50 Quadratmeterkilometer standen in der Stadt unter Wasser. Vor allem betroffen waren die Bereiche entlang der Ochtum im Bremer Süden, aber auch Teile der Vahr.

Bergungsaktion durch Bundeswehr in Huchting-Warfeld
1962 musste auch die Bundeswehr bei den Bergungsarbeiten helfen, unter anderem hier in Huchting. Bild: Staatsarchiv Bremen

Besonders prekär war die Lage in einem Parzellengebiet in Huchting: Nach dem Krieg lebten hier viele Menschen provisorisch, nicht alle konnten rechtzeitig gerettet werden, sieben Menschen starben.

Auch im Rest von Norddeutschland hatte die Flut eine zerstörerische Wucht: In Cuxhaven brach an der Elbe ein Deich, weiter flussaufwärts traf das Wasser dann auf das Hamburger Stadtgebiet. Dort traf es wie auch in Bremen nach dem Krieg eingerichtete Wohnsiedlungen. Auch hier konnten nicht alle der Flut entkommen: Allein in Hamburg starben 315 Menschen.

2 Die Sturmflut von 1976

Einer der höchsten Pegelstände an der Weser in Bremen wurde im Januar 1976 verzeichnet, damals stieg das Wasser auf 533 Zentimeter über Normalhöhennull an. In Hamburg hielten die Deiche, aber im Umland — zum Beispiel bei Stade — wurde kilometerweit Land überschwemmt.

Schon damals wurden die Bemühungen von Rettungskräften durch Schaulustige gestört, wie der NDR berichtete. In Folge der Flut 1976 wurde in Hamburg ein neues Warnsystem eingeführt, um den Hafen noch besser auf Hochwassereignisse vorbereiten zu können.

3 Der Deichbruch 1981

Am 15. März 1981 kam es in Bremen zu einer ähnlichen Flutlage wie aktuell. Durch starke Regenfälle lief viel Wasser aus den Oberläufen in die Weser und trat im Frühjahr in Habenhausen schließlich über das Ufer. Zunächst konnte das Wasser auf tiefgelegenen Überflutungsgebieten aufgefangen werden, nach einer Weile brach jedoch der Deich. In der Folge wurden Kleingartengebiete überschwemmt, Autos und Bäume von den Wassermassen mitgerissen.

Dass sich eine solche Lage an der Weser in Bremen wiederholt, ist jedoch unwahrscheinlich. Das alte Weserwehr konnte das Wasser nicht so effektiv abhalten wie das heutige. Außerdem gibt es inzwischen einen Überlauf in den Werdersee, um überschüssiges Wasser besser in die Unterweser ableiten zu können.

4 1994 und 2013

Auch in den Jahren 1994 und 2013 stiegen die Pegel an der Wilhelm-Kaisen-Brücke in Bremen stark an. Im Januar 1994 erreichte das Wasser in der Weser einen neuen Höchststand: 5,43 Meter über Normalhöhennull, so hoch stand die Weser im vergangen Jahrhundert sonst nie. 2013 sorgte der Orkan Xaver, auch Nikolausorkan genannt, ebenfalls für hohe Wasserstände. Beide Fluten gingen allerdings für die Stadt glimpflich aus.

Höchste Pegelstände der Weser in Bremen im letzten Jahrhundert Angaben: Wasserstand über Normalhöhennull (NHN) in cm am Pegel Große Weserbrücke Quelle: Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Bremerhaven, Stand: 20.12.2018 Höchste Pegelstände der Weser in Bremen im letzten Jahrhundert 01.12.1936 22.12.1954 16.02.1962 16.11.1973 19.11.1973 06.12.1973 14.12.1973 03.01.1976 21.01.1976 24.11.1981 28.02.1990 31.12.1977 23.01.1993 02.01.1995 28.01.1994 10.01.1995 05.02.1999 03.12.1999 01.11.2006 09.11.2007 06.12.2013 29.10.2017 426 434 541 486 460 460 465 533 511 481 481 505 493 543 487 502 478 474 493 508 524 486 550 500 450 400 350 300 250 200 150 100 50

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Autor

  • Porträt von Marcel Foltmer
    Marcel Foltmer Studentischer Redakteur

Quelle: buten un binnen.

Dieses Thema im Programm: Bremen Vier, Bremen Vier Läuft, 29. Dezember 2023, 12:15 Uhr