7 Ex-Vorgesetzte von Patienten-Mörder Högel ab heute vor Gericht

Bild: DPA | Mohssen Assanimoghaddam

Ehemalige Ärzte und Führungskräfte aus den Kliniken in Delmenhorst und Oldenburg sollen die Gefahr erkannt haben. Laut Anklage blieben sie aber untätig.

So einen Prozess hat es noch nie gegeben: Sieben ehemalige Vorgesetzte des verurteilten Patienten-Mörders Niels Högel stehen ab heute vor Gericht. Högel ermordete als Intensivpfleger in den Jahren 2000 bis 2005 mindestens 87 Patienten, bei drei weiteren versuchte er es und beging eine gefährliche Körperverletzung. Die tatsächliche Zahl der Taten dürfte aber deutlich höher liegen. Ermittler sprechen von vermutlich noch einmal so vielen Morden, die bis heute unentdeckt blieben.

Führungskräfte seien untätig geblieben

Im Klinikum Oldenburg sollen vier Führungskräfte die Gefahr erkannt haben, die von dem Krankenpfleger ausging. Zwei Jahre, nachdem Niels Högel auf der dortigen Intensivstation anfing. Laut Anklage handelten sie nicht so, wie es notwendig gewesen wäre.

Sie sollen eine Strichliste geführt haben, die zeigte, dass vor allem Högel anwesend war, wenn es im Krankenhaus zu Reanimationen und Todesfällen kam. Trotzdem blieben die Führungskräfte laut Anklage untätig. Nun müssen sie sich wegen Beihilfe zum Totschlag durch Unterlassen in drei Fällen verantworten.

Högel auf frischer Tat ertappt

Die Fassade und das Schild des Klinikums Oldenburg.
Klinikum Oldenburg: Hier sollen vier Führungskräfte trotz erkannter Gefahr untätig geblieben sein. Bild: Radio Bremen

Im heutigen Delme-Klinikum Delmenhorst sind es ebenfalls vier ehemalige Vorgesetzte, die mit ihrem mutmaßlichen Nicht-Handeln dafür gesorgt haben sollen, dass Patienten starben. Der Vorwurf: Totschlag durch Unterlassen. In einem Fall wurde das Verfahren aber krankheitsbedingt abgetrennt, sodass nur drei der Angeklagten aus Delmenhorst vor Gericht stehen. Laut Anklage haben sie es für möglich gehalten, dass Niels Högel auf der Intensivstation Patienten tötete.

In Delmenhorst wurde der Pfleger sogar auf frischer Tat ertappt. Er hatte bei einem Patienten die lebenswichtige Zufuhr eines Medikaments abgestellt und ihm absichtlich ein Herzmittel in Überdosis gespritzt. Trotzdem durfte er weiterarbeiten. Erst Tage später riefen die Vorgesetzten die Polizei. Fünf Patienten hätten nicht sterben müssen, heißt es in der Anklage, wenn die Führungskräfte rechtzeitig Alarm geschlagen hätten.

Delme-Klinikum begrüßt die Aufklärung

Von den Kliniken äußerte sich nur das Delme-Klinikum Delmenhorst zum bevorstehenden Verfahren. Man begrüße die vollständige Aufklärung der Vorwürfe. "Für die Angehörigen ist es wichtig, dass der Sachverhalt auch im Hinblick auf mögliches Fehlverhalten von Vorgesetzten von Niels Högel mit den Mitteln des Strafprozesses gründlich aufgeklärt und strafrechtlich bewertet wird", schreibt das Krankenhaus buten un binnen.

Der Prozess findet wegen des großen Interesses in den Oldenburger Weser-Ems-Hallen statt. Das Landgericht hat zunächst 42 Verhandlungstage angesetzt.

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Bild: Radio Bremen

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Autor

  • Uwe Wichert

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 16. Februar 2022, 19:30 Uhr