Interview

Bremens Häfensenatorin zur maroden Mole: "Wir werden es aufarbeiten!"

Bremens Häfensenatorin zur maroden Mole: "Wir werden es aufarbeiten!"

Bild: Radio Bremen

Vergangene Woche sackte der Molenturm in Bremerhaven ab. Claudia Schilling (SPD) will nun die Hintergründe aufklären und gegebenenfalls Konsequenzen ziehen.

Claudia Schilling, der Molenturm in Bremerhaven ist vergangene Woche abgesackt. Wer hat da geschlafen, dass es so weit gekommen ist?
Erst einmal gehe ich nicht davon aus, dass da jemand gepennt hat. Im Hintergrund sind natürlich diverse Prozesse abgelaufen. Wir haben 2018 die entsprechenden Beschlüsse über die Geldmittel und die Planungsmittel der Mole erhalten und seitdem laufen die Planungsprozesse.
Das ist jetzt vier Jahre her.
Ja, es sind ja auch komplexe Planunsprozesse. Es wurden Gutachten über Sedimantablagerung und über Nautik eingeholt. Natürlich schauen wir uns ganz genau an: Gab es vermeidbare Verzögerungen in den Prozessen? Das werden wir in den nächsten Tagen und Wochen aufarbeiten und daraus werden wir gegebenenfalls Konsequenzen ziehen.
Nun ist es so, dass in anderen Bundesländern die Leuchtürme auch nicht ins Meer zu kippen drohen. Warum ist das in Bremen passiert?
Wir müssen insgesamt feststellen – und das ist nicht nur in Bremen so – Planungsprozesse dauern in Deutschland relativ lange. Teilweise ist es aus gutem Grunde so, weil Interessensvertretungen mit einbezogen werden müssen. Aber es ist auch mein Interesse auf Bundesebene dafür zu werben, dass Planungsprozesse schneller gehen müssen. Und das habe ich an diverser Stelle auch schon getan.
Die gesunkene Seute Seern, der schiefe Leuchtturm, die kaputte Mole: Es sieht danach aus, als hätten die Leute da nicht richtig den Blick drauf in Bremerhaven?
Die Leute haben da durchaus einen Blick drauf. Aber wir müssen einfach feststellen, dass wir hier mit einer Infrastruktur zu tun haben, die in die Jahre gekommen ist. Sie ist marode und das zeigt mir insbesondere, dass wir hier keinen Sparkurs fahren dürfen.

Wir haben als Senat in den letzten Jahren sehr viele große Projekte angefangen. Denken Sie unter anderem an die Columbuskaje. Das ist ein Invest von 80 Millionen Euro. Es ist ein personelles Großprojekt, wir haben andere Kajen im Fischerreihafen angegangen und saniert. Wir sind in einem Jahrzehnt, in dem wir so viele Investitionen vornehmen, wie lange nicht mehr.
2018 wurde das Geld bewilligt. Damals hieß der Häfensenator noch Martin Günthner (SPD). Machen Sie ihn dafür verantwortlich, es nicht rechtzeitig angeschoben zu haben oder machen Sie sich Vorwürfe, nicht genug Druck auf dem Thema gehabt zu haben?
Das ist genau der Prozess, den wir uns jetzt angucken. Wo sind möglicherweise Planungsprozesse zu langsam gelaufen? Gab es vermeidbare Verzögerungen oder ist alles in dem Rhythmus gelaufen, wie es sollte?

Wenn wir uns den Beschluss anschauen, dann ist eine Planungs- und Bauzeit bis 2025 vorgegeben und prognostiziert worden. Genau diese Planungszeit hoffen wir, einhalten zu können. Wir wollen im Frühjahr 2024 mit dem Bau der neuen Mole beginnen. Mit einer Bauzeit von zwei Jahren. Ich hoffe, dass es genau in der geplanten Zeit auch abgeschlossen werden kann.

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Autor

  • János Kereszti Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 24. August 2022, 19:30 Uhr