Rechnungshof fordert Stopp für "Seute-Deern"-Ersatz in Bremerhaven

Eine Animation zeigt ein Segelschiff in einem Hafenbecken.

Rechnungshof fordert Stopp für "Seute-Deern"-Ersatz in Bremerhaven

Bild: judel/vrolijk
  • Rechnungshof empfiehlt dem Bundestag, die Pläne zu stoppen.
  • Er bezweifelt, dass die 46 Millionen Euro reichen.
  • Nachbau der "Najade" sei nicht von nationaler Bedeutung.

Der Bundesrechnungshof erneuert seine Kritik am Ersatzbau für die "Seute Deern" in Bremerhaven. In einem Schreiben an den Deutschen Bundestag empfiehlt er dringend, das Vorhaben zu stoppen und aufzugeben. Auch das für das Deutsche Schifffahrtsmuseum zuständige Bundesministerium für Bildung und Forschung fordert laut Rechnungshof, die Pläne einzustellen.

Bremerhaven plant, den historischen Stahlsegler "Najade" nachzubauen als neue touristische Attraktion, um die abgewrackte "Seute Deern" zu ersetzen. 46 Millionen Euro sind dafür vorgesehen. In der vergangenen Woche hatte der Haushaltsausschuss des Bundestags das Geld für die "Najade" freigegeben.

Der Neubau sei "kein Kulturdenkmal von nationaler Bedeutung", so der Bundesrechnungshof in der aktuellen Stellungnahme. Das maritime Kulturerbe werde in Bremerhaven schon durch das Segelschulschiff "Deutschland" repräsentiert. Außerdem weist der Rechnungshof darauf hin, dass mit der "Peking" bereits ein Stahlsegler für das Hafenmuseum in Hamburg restauriert wird.

"Najade könnte zu einer Förderruine werden"

Sowohl der Bau der "Najade" als auch die Folgekosten sind laut Rechnungshof mit erheblichen finanziellen Risiken behaftet. Er bezweifelt, dass die Mittel für den Neubau der "Najade" ausreichen und die Finanzierung der künftigen jährlichen Unterhaltskosten gesichert ist. Er verweist auf stark gestiegene Stahl- und Rohstoffpreise.

Der Unterhalt der "Najade" als sehr großes Schiff im Vergleich zu den übrigen Museumsschiffen droht das Deutsche Schifffahrtsmuseum sowie das Land Bremen und die Stadt Bremerhaven finanziell zu überfordern.

Jahresbericht des Bundesrechnungshofes vom 6. Dezember 2022

Außerdem könnten die vorhandenen Schiffe der denkmalgeschützten Museumsflotte schon jetzt kaum unterhalten und saniert werden. "Damit ist ein künftiger Sanierungsstau absehbar und nicht auszuschließen, dass die 'Najade' zu einer Förderruine werden könnte", heißt es. Der Rechnungshof hatte das Vorhaben in den vergangenen Monaten bereits mehrfach kritisiert.

Bremerhaven will Betriebskonzept für "Najade" erstellen

Als ersten Schritt erwartet Bremerhaven aktuell Planungsmittel für die "Najade" in Höhe von 2,5 Millionen Euro. Mit dem Geld soll ein Betriebskonzept für das Museumsschiff erstellt werden. Damit soll geprüft werden, ob und wie die laufenden Kosten, die aktuell mit rund einer halben Million Euro jährlich beziffert werden, finanziert werden können. Bislang ist diese Frage offen.

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Autorin

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 6. Dezember 2022, 18 Uhr