Was soll mit dem Hachez-Gelände passieren?

Die Hachez-Produktion in der Bremer Neustadt soll 2020 stillgelegt werden. Das Gelände wird offenbar verkauft. Über seine Zukunft wird intensiv diskutiert.

Firmenlogo am Eingang der Schokoladenfabrik Hachez
Die Hachez-Produktion soll 2020 von Bremen nach Polen verlagert werden.

Es ist gerade ein heiß diskutiertes Thema in der Neustadt: Die Zukunft des Hachez-Geländes beschäftigt Politik, Anwohner und soziale Initiativen gleichermaßen. Zeitungsberichten zufolge gibt es Gerüchte, dass der Mutterkonzern des Unternehmens, die dänische Firma Toms, das Gelände der Bremer Firma an den Investor Kurt Zech verkaufen will – oder sogar bereits verkauft haben könnte.

Die Gerüchte wollte Hachez nicht kommentieren. "Ich kann keine Angaben machen, es ist noch viel zu früh. Wir haben momentan sehr viele Gedanken", sagte der Geschäftsführer Christian Strasoldo auf Nachfrage. Auch der Unternehmer Kurt Zech hält sich bedeckt. "Wir möchten uns zum jetzigen Zeitpunkt nicht dazu äußern", teilte ein Sprecher mit. Aus gut informierten Kreisen ist zu entnehmen, dass die Stadt Interesse am Gelände hatte und Gespräche mit dem Unternehmen offenbar aufgenommen wurden. Das Interesse des Konzerns soll sich aber dann offensichtlich an einen privaten Investor gerichtet haben. Ob eine Entscheidung schon feststeht, konnte die Recherche zum jetzigen Zeitpunkt nicht in Erfahrung bringen.

Ideen für neuen Wohnraum

Die Diskussion über die Zukunft des Areals geht jedenfalls weiter. Die Initiative "Schokotopia Bremen", die sich mit einer möglichen Umnutzung beschäftigt, sieht dabei vor allem drei wichtige Punkte: Wohnen, Kultur und Ökologie. Unter "Wohnen" könnte sich die Gruppe zum Beispiel Genossenschaften oder Mietshäuser-Syndikaten vorstellen. "Das Gelände ist außerdem sehr zentral gelegen, daher wären auch selbst gestaltete Kulturprojekte denkbar", teilt eine Vertreterin mit. Wichtig ist für die Initiative auch eine ökologische Nutzung des Geländes durch erneuerbare Energien und Baumaterialen sowie eine eventuelle Umnutzung der bestehenden Gebäude.

Es könnten Proberäume für Bands und Theatergruppen, Cafés oder Ateliers für nicht-kommerzielle Gruppen entstehen. Wichtig wäre, dass es gemeinschaftlich organisiert ist – und alle das genießen können.

Marika Steinke, Vertreterin der Initiative "Schokotopia Bremen"

Der Beirat Neustadt unterstützte in einem Beschluss das Anliegen der Initiative, dass die Stadt ein Vorkaufsrecht bei einem eventuellen Verkauf ausübe, und die Bürger bei einer künftigen Gestaltung des Geländes miteinbezogen würden. Allerdings habe die Stadt für das Hachez-Gelände gar kein Vorkaufsrecht, betont der Sprecher des Bausenators, Jens Tittmann.

Hachez verlagert Produktion nach Polen

Das Logo von Hachez

Ein neues Bürgerzentrum für die Neustadt?

Was würden sich aber die verschiedenen Akteure in der Stadt wünschen, wenn sie über das Gelände frei bestimmen dürften? Eine Mischung aus Kleingewerbe und Wohnen wäre denkbar, sagt Tittmann. "Man könnte auch schauen, welche Möglichkeiten es für die Hochschule Bremen gibt und den weiteren Bedarf für die Neustadt prüfen." Auch ein Bürgerzentrum wäre vorstellbar – eventuell mit dem Ortsamt in direkter Nähe, vielleicht sogar in einem gemeinsamen Gebäude. "Es sind aber nur Überlegungen, noch steht nicht mal fest, wer das Gelände kauft", fügt Tittmann hinzu.    

Für die Neustädter Ortsamtsleiterin, Annemarie Czichon, wäre vor allem die Beteiligung von Bürgern und Beirat an der Entscheidung wichtig. "Ein Wunsch wäre vielleicht, dass das Mehrgenerationen-Wohnen und Gemeinschaftseinrichtungen wie ein Sozial- oder Bürgerzentrum mitberücksichtigt werden", sagt sie.

Hochschule äußert sich noch nicht dazu

Auch das Wirtschaftsressort könnte sich eine Mischung aus Wohnraum und Gewerben vorstellen. Da es mitten im Stadtteil liege, kämen nur bestimmte Nutzungen infrage, teilt Sprecher Tim Cordßen mit. "Auch die Hochschule liegt in der Nähe", fügt er hinzu. Konkrete Wünsche oder Festlegungen gebe es aber nicht. Auch die Hochschule Bremen will noch keine konkreten Angaben machen, solange die Besitzverhältnisse nicht geklärt sind, erläutert ein Sprecher. Raumbedarf bestehe allerdings, fügt er hinzu.

Wir möchten uns dazu zum jetzigen Zeitpunkt nicht äußern. Man kann aber sagen, dass wir eine wachsende Hochschule in einer wachsenden Stadt sind.

Ulrich Berlin, Sprecher der Hochschule Bremen

Startup-Kultur oder Wohnraum für Studenten?

Die Opposition hat unterschiedliche Vorstellungen und Wünsche. "Wir können uns dort ein urbanes Gebiet, das heißt eine Mischung aus Wohnbau und lärmarmen Gewerben, sehr gut vorstellen", sagte die Sprecherin der CDU-Fraktion, Rebekka Grupe. Ein "Startup-Quartier" würde sich hingegen die FDP-Fraktion wünschen. "Als Vorbild könnte das Betahouse in Hamburg oder die Factory Berlin dienen", sagte der Sprecher, Tim Alexander Abitzsch.

Für die Entwicklung und Diskussion konkreter Ideen sollten in jedem Fall die Menschen vor Ort frühzeitig informiert werden und zu Wort kommen, was sie sich für ihren Stadtteil wünschen.

Rebekka Grupe, Sprecherin der Bremer CDU-Fraktion

Die Linke, die künftig der Bremer Regierung angehören wird, möchte, dass die Stadt das Gelände kauft. Es wäre optimal, wenn die Stadt das Areal selbst entwickeln könnte, sagte Claudia Bernhard, die als zukünftige Gesundheitssenatorin gehandelt wird. Denkbar wären kulturelle Angebote, Wohnen für Studenten und Raum für kleine Handwerksbetriebe. "Wenn es eine Möglichkeit gebe, dass die Stadt noch einen Fuß in die Tür kriegt, würden wir das sehr begrüßen."

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Autorin

  • Serena Bilanceri

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 10. Juli 2019, 23:30 Uhr