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So geht es mit dem schiefen Molenturm in Bremerhaven jetzt weiter

Die Nordmole in Bremerhaven ist abgesackt.

So geht es mit dem schiefen Molenturm an der Geesteeinfahrt weiter

Bild: Radio Bremen

Das Zittern um den schiefen Molenturm von Bremerhaven geht weiter: Die Hafengesellschaft Bremenports will heute versuchen, die Kuppel des Turms in Sicherheit zu bringen.

Über das Wochenende ist das abgesackte Leuchtfeuer auf der Nordmole provisorisch gesichert worden. Aber wie geht es jetzt weiter mit dem schiefen Turm? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Wie steht es um den schiefen Turm?
Die Lage hat sich immerhin nicht weiter verschärft, heißt es von der zuständigen Hafengesellschaft Bremenports. Die Nordmole war in der Nacht zu Donnerstag eingesackt. Dadurch rutschte der Leuchtturm in bedrohliche Schieflage. Mittlerweile ist das historische Bauwerk mit einem Schwimmponton provisorisch gesichert. Auf dem Ponton liegen mehrere Lagen Stroh – falls der Turm doch noch umstürzt, soll er damit zumindest etwas abgefedert werden. Die Arbeiten zum Rückbau des Turms haben mittlerweile begonnen. Zunächst soll die rote, denkmalgeschützte Kuppel des Turms gesichert werden.
Ist denn geplant, den Turm wieder aufzubauen?
Ja, so hat es Bremenports gesagt. Bremerhaven bekommt den Turm zurück, versicherte ein Sprecher. Zuvor hat es bereits reichlich öffentliche Kritik gegeben – viele Bürgerinnen und Bürger sind traurig, aber auch wütend, dass ein solches Wahrzeichen der Stadt verkommt. Viele von ihnen verbinden mit dem Turm persönliche Erlebnisse. Zum Beispiel war er ein beliebter Treffpunkt fürs erste Date. In den vergangenen Tagen waren rührende Szenen zu beobachten, als Leute am Turm in Tränen ausbrachen. Wie genau Bremenports den Wiederaufbau bewerkstelligen will ist noch unklar. Jedenfalls soll der Turm, so der Plan, mit einer neuen Mole wieder errichtet werden.
Was sagen Denkmalschützer zur Situation?
Seit 2001 steht der Turm unter Denkmalschutz. Aus Sicht der Denkmalschützer wird es nicht leicht werden, ihn abzubauen. Wie und ob der Turm als Ganzes oder nur in Einzelteilen gerettet werden kann, das wird sich voraussichtlich erst in mehreren Tagen zeigen, sagt Georg Skalecki, Leiter der Landesdenkmalpflege. "Es ist ein Backsteinbauwerk, das natürlich fundamentiert ist, und dass man nicht mal eben so anheben kann", sagte Skalecki. "Das wird schon etwas problematisch, aber die Hoffnung bleibt natürlich bestehen, dass wir möglichst viel am Ende doch retten können."

Die Behörden haben sich die Verantwortung für die Misere in den vergangenen Tagen hin- und hergeschoben. Bremens Häfensenatorin Claudia Schilling (SPD) hatte das Absacken des Turms so kommentiert: "Möglicherweise hätten wir den Turm früher abbauen müssen."

Es war von Anfang an Teil der Planung, den Turm abzubauen. Natürlich etwas kontrollierter und in einem anderen Zeitplan, als wir es jetzt tun. Aber das ist die Botschaft: Der Turm wird wieder aufgebaut werden, das heißt Bremerhaven bekommt seinen Turm.

Claudia Schilling, Häfensenatorin

Parallel werde laut Schilling auch geschaut, ob es möglicherweise vermeidbare Verzögerungen im Planungsprozess gab oder ob alles so lief, wie geplant.

Scharfe Kritik kommt zum Beispiel von Sanierungsexperte Maximilian Curti: "Dass keiner weiß, wer für was zuständig ist, die Kaje und der Turm sind seit Jahren baufällig und man hätte wesentlich früher etwas machen können. Im Lande Bremen wird erst reagiert, wenn es zu spät ist. Da sollte auch in der Politik mal drüber nachgedacht werden und nicht immer gegenseitig die Schuld zugewiesen werden und auch mal darüber nachdenken, was haben wir verkehrt gemacht und wie können wir es zukünftig anders machen, dass solche Sachen nicht mehr passieren."

Die Mole, auf der der Turm steht, gehört übrigens dem Land Bremen, das Leuchtfeuer aber dem Bund – genauer gesagt der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung. Bremenports sagt, man habe das Absacken der Mole nicht vorhergesehen. Aber man habe seit Jahren gewusst, dass die Standsicherheit gefährdet ist.

Und wie soll es jetzt weitergehen?
Es werden noch Messungen ausgewertet. Das Fundament ist schon mit Tauchsonden begutachtet worden, am Samstag haben Experten die Kuppel des Turms vom Kran aus inspiziert. Außerdem soll ein 3D-Modell des Turms aus Drohnenaufnahmen entstehen. Dann ist geplant, den Turm in dieser Woche nach und nach abzutragen.

Es muss laut Bremenports noch geklärt werden, wie das funktioniert – ohne dass der Turm doch noch umstürzt.

Als nächstes wollen Experten versuchen, die Kuppel vom Rest des Turms zu lösen: Ein Wasserstrahl mit hohem Druck soll die Gebäudeteile voneinander trennen. Das Verfahren sei zwar erprobt, aber noch nicht an einem schief stehenden Gebäudeteil getestet worden. Man hoffe, dass es gelingt, so der Bremenports-Sprecher. Funktioniert der Plan nicht, wollen die Verantwortlichen den Turm kontrolliert umfallen lassen.
Könnte der Turm als Touristenattraktion nicht einfach so schief stehenbleiben?
In der Tat ist der Turm in den vergangenen Tagen bereits ein Anziehungspunkt für Besucher und Schaulustige geworden. Auch im Internet wird schon diskutiert und der eine oder andere Scherz gemacht, nach dem Motto: Nun hat Bremerhaven auch einen schiefen Turm wie in Pisa. Es werden offenbar schon T-Shirts mit dem Turm drauf angeboten. Aber so schief stehenbleiben soll er nicht.

So mancher sieht die Situation sehr kritisch, weil es nicht lange her ist, dass mit dem Segelschiff "Seute Deern" ein anderes Wahrzeichen der Stadt untergegangen ist. Den Behörden scheint das alles egal zu sein, schimpfen Einheimische, aber auch Urlauber. Die Hochglanz-Darstellung von den Maritimen Tagen und dem Tourismusgebiet Havenwelten stehe im krassen Gegensatz dazu, lautet die Kritik.

So steht es um den schiefen Bremerhavener Molenturm

Bild: Radio Bremen

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Autor

  • Dirk Bliedtner Autor

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 21. August 2022, 15 Uhr