Wracksuche in der Nordsee: Solche Schätze liegen auf dem Meeresgrund

Gesunkene Schiffe bergen historische Schätze. In Cuxhaven sind jetzt besondere Funde zu sehen – einer wurde bei der Suche nach der havarierten "MSC Zoe" entdeckt.

Video vom 4. Mai 2021
Ein beschädigter Container liegt im Sand.
Bild: Imago | Hollandse Hoogte
Bild: Imago | Hollandse Hoogte

Die Nordsee ist ein einziger Schiffsfriedhof. Was da unten alles so rumliegt, kriegt man von oben gar nicht mit: Alte holländische Tabakpfeifen, Keramikvasen, ein halber Lederschuh, Schmuckschatullen, ein Läusekamm – alles Wrackfunde, die seit mehreren Hundert Jahren auf dem Grund der Nordsee lagen.

Immer wieder werden unbekannte Wracks entdeckt. Meistens passiert das zufällig, etwa wenn Fischer mit ihren Netzen an Teilen der Wracks hängen bleiben. Das maritime Museum "Windstärke 10" in Cuxhaven zeigt jetzt in einer neuen Sonderausstellung, wie die Wracksuche in der Nordsee läuft und welche ungewöhnlichen Schätze schon geborgen wurden.

Lange Haltbarkeit unter Wasser

Eine Frau guckt in die Kamera, neben ihr ist ein Schädel in einer Vitrine zu sehen.
Museumsleiterin Jenny Sarazzin zeigt den gefundenen Schädel. Bild: Radio Bremen

Ein Highlight ist ein vergoldeter Schädel, der an Bord der "Gottfried", einem kleinen Frachtsegler gefunden wurde, der 1822 mit ägyptischen Altertümern an Bord in der Elbmündung in einem Orkan unterging. "Diese Mumienköpfe sind ausgesprochen selten und dieser Mumienkopf stammt wohl ursprünglich aus der Stufenpyramide von Sakkara", erklärt Jenny Sarazzin, Leiterin des Museums "Windstärke 10".

Obwohl sie lange unter Wasser lagen, sind viele Objekte erstaunlich gut erhalten – sogar Bücher. Geschützt von Sand bleiben unter Wasser auch Gegenstände und Materialien erhalten, die an Land längst zerfallen und für immer verloren wären.

Das Tolle ist eben, sobald der Sand oder die Sedimente etwas abgedeckt haben, ist es geschützt.

Jenny Sarazzin, Leiterin des Museums "Windstärke 10"

Gefährliche Suche

In einer Vitrine liegen ein Buch und Schuhe.
Diese mehrere Hundert Jahre alten Gegenstände sind noch gut erhalten – obwohl sie auf dem Meeresgrund lagen. Bild: Radio Bremen

Die Suche nach Wracks aber ist gefährlich. Sichtweiten von deutlich unter fünf Metern bis hin zu wenigen Zentimetern sind die Regel, schon bei nur zehn Metern Tiefe ist es relativ dunkel. Erschwerend hinzu kommen starke Strömungen. Wer in der Nordsee tauchen will, der braucht viel Erfahrung und gute Nerven.

Problematisch ist, dass auch private Schatztaucher unterwegs sind. Viele hoffen, Gold und Silber zu finden. Bisher ist es rechtlich nicht möglich, solche Schatzsuchen zu verbieten, um die historisch wichtigen Funde zu schützen. Auch dieser Aspekt ist Teil der neuen Ausstellung.

Ein besonderer Fund

Schiffsunglücke rufen aber nicht nur Taucher auf den Plan: Als die "MSC Zoe" 2019 einen Teil ihrer Ladung verlor, guckten viele Neugierige, was so angespült wird. Ein rotes Kinderauto und andere Strandfunde aus den Containern bilden den Abschluss der neuen Ausstellung.

Die "MSC Zoe" spielt aber noch an anderer Stelle eine Rolle. Sie ist zwar kein Wrack, aber ihre Havarie machte Forscher auf einen besonderen historischen Schatz aufmerksam: Bei der Bergung der 342 Container der "MSC Zoe" stieß eines der Bergungsschiffe nördlich der niederländischen Insel Terschelling in etwa 25 Metern Tiefe unvermutet auf ein historisches Wrack, vermutlich aus dem Jahr 1538.

Auf einer Platte sind Symbole zu sehen.
Die gefundenen Kupferplatten tragen den Stempel des berühmten Augsburger Handelshauses Fugger. Bild: Radio Bremen

An Bord war eine wertvolle Fracht: etwa 850 runde und rechteckige Kupferplatten und 17 intakte Pakete mit weiteren rechteckigen Platten. Das Gesamtgewicht dieser Ladung lag bei mehr als 13 Tonnen. Unter den Platten war ein Teil des hölzernen Schiffsrumpfs erhalten.

Besonders interessant war für die Forscher, dass die Kupferplatten den Stempel des berühmten Augsburger Handelshauses Fugger trugen, erzählt Sarazzin. Die Untersuchung ergab, dass sie aus einer Mine in der heutigen Slowakei stammen. Sie war Teil des Fugger-Imperiums. Die Fugger ließen ihr Metall von dort häufig auf dem Landweg zu Ostseehäfen transportieren. Per Schiff wurde es dann nach Antwerpen und weiter nach Lissabon gebracht. Möglicherweise befanden sich die Kupferplatten damals auf diesem Weg – heute aber liegen einige von ihnen in der neuen Ausstellung in Cuxhaven.

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Video vom 11. April 2021
Ein Taucher im Wasser. Er trägt einen Taucheranzug.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

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Autoren

  • Mathias Siebert Redakteur und Autor
  • Sonja Harbers Autorin

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 27. April 2021, 19:30 Uhr