Erfolg trotz Pandemie: Bremerhavener Rap-Produzent weltweit gefragt

Ein junger Produzent aus Bremerhaven trotzt Corona und feiert dank Internet international Erfolge – darunter ein Hit mit 170 Millionen Klicks. Doch der Seestadt bleibt er treu.

Ein Mann sitzt an einem Schreibtisch mit Boxen und Bildschirm.
Einen Computer, viel mehr braucht Kiarash Hashemi in seinem Bremerhavener Studio nicht, um Hits zu produzieren. Bild: Radio Bremen | Mirjam Benecke

Seit Beginn der Pandemie haben es Musiker schwer. Wegen Corona fallen Konzerte flach. Doch es trifft nicht alle gleich hart. In Bremerhaven gibt es zum Beispiel einen Musikproduzenten, der auch jetzt sehr erfolgreich arbeitet. In seinem Studio produziert er Musik, die dank der vernetzten Welt global gespielt wird. Trotzdem bleibt der junge Mann bodenständig.

Kiarash Hashemi ist 22 Jahre alt, wohnt im ländlichen Drangstedt, arbeitet in Bremerhaven – und feiert als Musikproduzent weltweit Erfolge. "Es ist einfach faszinierend, wenn man bedenkt, wie weit die Musik einen herumbringen kann", sagt Hashemi. "Wie viel Leute man dadurch kennenlernt und wie viele Kontakte man knüpfen kann." Das sei schon unglaublich, wo er doch eigentlich aus einem Dorf mit 1.500 Einwohnern komme.

Zum produzieren reicht der PC

Zwei Männer sitzen vor einer Wand mit der Aufschrift Universal.
Kiarash Hashemi (r.) mit dem Produzenten Lars Klinger bei seinem Label Universal in Berlin. Bild: Kiarash Hashemi

Hashemi macht Musik – genauer gesagt er produziert sie. Dazu braucht er kein ganzes Orchester. Das einzige, was er wirklich braucht, ist ein Computer. Damit mischt der 22-Jährige verschiedene Klangschnipsel und Instrumente zusammen. Manchmal spielt er dazu selbst etwas auf dem Keyboard ein, manchmal benutzt er Samples bestehender Songs. Damit jongliert Hashemi solange herum, bis ein neues Instrumental-Stück entsteht.

Rap-Größen, Charts und Label-Vertrag

Die Ergebnisse können Künstlerinnen und Künstler weltweit nutzen – sie kommen vor allem aus dem Rap-Genre. Wenn es ihnen gefällt, steuern sie ihre Texte bei und ein Song entsteht. Anschließend verfeinert der Produzent das Produkt noch einmal und fertig ist der Song. Hashemi hat schon mit Rap-Größen wie Kool Savas oder dem umstrittenen Kollegah zusammengearbeitet. Auch in den Charts waren seine Kompositionen vertreten. Seine Arbeit brachte ihm einen Vertrag mit einem großen Label ein. Doch die Bremerhavener Rap-Szene liegt ihm weiterhin am Herzen.

Man kann eigentlich sagen, ich hab mit jedem Künstler, der in den letzten drei Jahren in Bremerhaven Musik macht, zusammengearbeitet.

Kiarash Hashemi, Bremerhavener Musikproduzent

Seine Eltern stammen aus dem Iran, wo auch er geboren ist. Kurz danach floh seine Familie 1999 nach Deutschland. "Überwiegend aus politischen Gründen", erzählt Hashemi. "Aber auch, weil unsere Eltern mich und meinen Bruder frei erziehen wollten." In Bremerhaven wuchs er auf. Dort wird er inzwischen auf der Straße erkannt. Dass es seine Musik sogar bis nach Ägypten schafft, damit hat der 22-Jährige nicht gerechnet. "Ein unerwarteter Wow-Moment in meiner Karriere war, als ich den Song mit dem ägyptischen Schauspieler Mohamaed Ramadan kreiert habe." Zu dem Zeitpunkt habe er nicht gewusst, wie populär sein musikalischer Partner ist. Und welches Ausmaß das annehmen würde.

Unverhoffter Hit mit arabischem Superstar

Im Studio produziert Hashemi einen Beat und schickt ihn nach Ägypten. Das fertige Stück "Number One" geht anschließend im Netz durch die Decke. "Der Song hat Stand heute – glaube ich – über 170 Millionen Aufrufe auf Youtube", sagt der 22-Jährige. "Mir ist erst im Nachhinein aufgefallen, dass er in der ägyptischen Welt und im arabischen Kosmos ein Superstar ist – also wirklich ein Supersuperstar."

Es ist nicht der einzige Erfolg für den Produzenten. Auch andere Songs von ihm werden auf Youtube und Online-Musikplattformen millionenfach geklickt. Produktionsanfragen kommen aus ganz Deutschland. Trotzdem denkt Hashemi nicht daran, aus Bremerhaven wegzugehen. Er könne sich nicht vorstellen Familie und Freunde zu verlassen. Außerdem sei das Leben hier heimatlich: "Ich fühle mich hier zu Hause, kenne jeden und habe einfach mein Umfeld hier."

Wie in Bremen noch immer der Hip Hop gelebt wird

Video vom 3. Dezember 2020
Der Jugendliche Alan Mohamad beim aufnehmen seines Rap-Song im Studio.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Autorinnen und Autoren

  • Joschka Schmitt Redakteur und Autor
  • Mirjam Benecke Volontärin

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Sonntag aus Bremerhaven, 28. März 2021, 12 Uhr