Wie das Teestübchen im Schnoor zu seiner neuen Besitzerin gekommen ist

Wüstestätte im Bremer Schnoor 1962 und 2022 mit Teestübchen

Der Schnoor und sein besonderes Teestübchen

Bild: Staatsarchiv / Radio Bremen | Heike Kirchner

Tanja Nadolny hat an vielen Orten in der Welt gearbeitet – jetzt ist sie im Bremer Schnoor angekommen. Und hat sich mit ihrem Teestübchen eher zufällig einen Traum erfüllt.

Tanja Nadolny ist seit dem vergangenen Sommer die Inhaberin des traditionsreichen "Teestübchens". Wer sich mit Nadolny trifft, um zu Plaudern, bekommt natürlich erst mal ein Kännchen Tee. Mit Kandis dazu.

Tanja Nadolny sitzt am Tisch vor einer geblümten Tapete.
Tanja Nadolny hat sich mit dem Teestübchen einen Traum erfüllt. Bild: Radio Bremen | Heike Kirchner

Die 36-Jährige mit dem braunen, langen Haar wirkt freundlich und offen und strahlt diese gewisse Fürsorglichkeit einer erfahrenen Gastronomin aus. Seit 20 Jahren arbeitet sie bereits in ihrem Job, dabei ist sie richtig weit rumgekommen: Nach der Ausbildung in Bremen ging sie erst nach München, in ein großes Hotel. "Das hat mich immer schon fasziniert, diese verschiedenen Nationen," sagt sie, "da kamen sehr viele Scheiche damals."

"Mit 16 fängt man noch schnell an zu heulen"

Danach ging es für Tanja Nadolny direkt nach Shanghai, das sei nochmal ein ziemlich heftiger Sprung gewesen, aber ein interessanter. Weiter ging es auf Sylt und dann auf einem Kreuzfahrtschiff. Fast zwei Jahre hat sie dort gearbeitet und dabei mehrmals die Welt umrundet. Eine gute Zeit, sagt sie rückblickend:

Ich brauch positive Vibes um mich herum und mich hat es immer schon fasziniert, wenn Menschen im Urlaub waren – weil ich das total schön fand, wenn Menschen sich entspannt, sich etwas gegönnt haben, und man das unterstreichen und die dann auch verwöhnen durfte, dass sie einfach eine Auszeit vom Alltag hatten.

Tanja Nadolny, Inhaberin des traditionsreichen "Teestübchen"

Ihren Beruf mit etwas Schönem zu verbinden und dabei zu lernen, das findet Tanja Nadolny bereichernd. Auch wenn sie sich ihre Menschenkenntnis gerade zu Anfang mühsam erwerben musste: "Klar, mit 16 fängt man auch schnell mal an zu heulen, wenn ein Gast sich beschwert." Es würde dauern, bis man sich wirklich hinstellen und sagen könne: "Auch wenn ich eine Bedienung bin, hab ich ein Recht und bin auch ein Mensch," erklärt Nadolny.

Wärme und Offenheit für Gäste in Bremen

Inhaberin des "Teestübchens" im Schnoor ist sie im vergangenen Sommer eher zufällig geworden. Die damalige Besitzerin hatte nach Jahrzehnten eine Nachfolgerin gesucht.

Für Tanja Nadolny ist damit ein Traum in Erfüllung gegangen: Sich selbständig machen in einem genauso historischen wie heimeligen Haus. Während sie aus dem alten Sprossenfenster schaut, sagt sie, was sie am Schnoor so mag:

Was das für eine kleine eigene Welt hier ist. Ein ganz kleines bisschen wie Holland, verträumt, romantisch – ein Fleckchen für sich.

Tanja Nadolny, Inhaberin des "Teestübchen" im Schnoor

Ein Fleckchen, an dem sie spürbar gerne arbeitet. Und ihre eigenen positiven Erfahrungen mit ihren Gästen teilen möchte. "Was ich geschätzt habe an allen Menschen auf der Welt – speziell im Ausland – wie offen alle Menschen waren und wie warmherzig man fremden Menschen gegenübergetreten ist."

Das fehle manchmal den Deutschen so ein bisschen, deshalb möchte Tanja Nadolny ihre Wärme und Offenheit hier im Schnoor an ihre Gäste weitergeben.

Bremer Schnoor-Viertel im Porträt (1959)

Bild: Radio Bremen

Autorin

  • Kerstin Burlage Autorin

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Mittag, 15. April 2022 um 13:40 Uhr