Darum lebt Schwester Francis so gern im Schnoor in Bremen

Schwester Francis lächelt

Schwester Francis lebt seit 10 Jahren im Schnoor

Bild: Radio Bremen | Kerstin Burlage

Der Schnoor ist nicht nur ein Touristen-Viertel. Hier gibt es auch ein Kloster des katholischen Franziskaner-Ordens – und das schon seit fast 800 Jahren.

In der Hohen Straße Nummer 10 gibt es heute noch einen kleinen Konvent. In einem Empfangsraum, der aussieht wie ein gemütliches, kleines Wohnzimmer treffen wir eine der drei Ordensfrauen, die dort leben. Schwester Francis ist vor zehn Jahren eingezogen. Vorher hat sie in einem kleinen Kloster in Bad Oldesloe gelebt. Der Wechsel in die Großstadt gefiel ihr, wie sie erzählt.

Ich mag schon Stadt. Dieses bunte Leben, das mag ich – auch wenn’s aufm Marktplatz voll ist, das stört mich überhaupt nicht.

Schwester Francis

Darum ist es für sie stimmig, im Schnoor zu leben – auch mit den vielen Touristen, die hier im Sommer unterwegs sind. Und das beruht offenbar auf Gegenseitigkeit, vermutet sie. Viele fragten sie einfach nur nach dem Weg oder sprechen sie auch mal auf ihre Arbeit an.

Küsterin seit dem Umzug ins Bremer Schnoor

Bevor sie herkam, hat Schwester Francis 25 Jahre als Erzieherin gearbeitet. Seit dem Wechsel nach Bremen ist sie die Küsterin der katholischen Schnoor-Kirche St. Johann. Sie ist "zuständig für alles drum herum, was so in der Kirche passiert, die Gottesdienste aber auch alles andere – mit Blumen und Kerzen, damit es hier schön, aber auch dass es angenehm ist und dass nichts rumfliegt", sagt sie.

Blick auf Häuser in der Hohen Straße im Schnoor
Der Konvent befindet sich gleich neben der katholoschen Kirche St. Johann. Bild: Radio Bremen | Heike Kirchner

Schwester Francis ist eine Frau, die zupackt, das merkt man schnell. Genau deswegen sei sie auch 1970 in den Orden der Franziskanerinnen eingetreten, sagt sie. Denen gehe es darum, sich im Leben praktisch einzubringen – vor allem im sozialen Bereich wie Kinderheimen oder Krankenhäusern. Aber auch da, wo man wohnt: zum Beispiel in der kleinen, sehr ordentlichen Küche des Konvents.

Alle Schwestern kochen reihum und nehmen dreimal am Tags zusammen die Mahlzeiten ein. Das Putzen erledigen sie ebenfalls selbst. Damit haben sie einiges zu tun – denn über dem Erdgeschoss mit Küche, Gemeinschaftszimmern und Flur gibt es noch drei Stockwerke mit kleinen Apartments, in denen die Schwestern wohnen, und einer Kapelle unter dem Dach.

Dort sitzt gerade ihre Mitschwester Maria-Paula vertieft im Gebet. Sie hat das Fenster geöffnet und es ist nicht zu überhören, dass die Kinder der St. Johannis-Schule nebenan gerade Pause haben. Zweimal am Tag beten die drei Ordensfrauen hier gemeinsam – morgens vor dem Frühstück und abends vor dem Abendbrot. Dazwischen gehen alle ihrer Arbeit nach. Dieses Kloster ist eben eine Wohngemeinschaft, die beeindruckend gut organisiert ist.

Für Schwester Francis ist es ein gutes Zuhause und zwar mitten im Schnoor.

Bremer Schnoor-Viertel im Porträt (1959)

Bild: Radio Bremen

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Autorin

  • Kerstin Burlage Autorin

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Vormittag, 2. November 2022, 11:41 Uhr