Dieser Roboter hilft Menschen mit Beeinträchtigungen in Lilienthal

Ein Roboter ist von der Seite zu sehen, im Vordergrund unscharf ein Arm

Wie ein sozialer Roboter Menschen mit Beeinträchtigungen hilft

Bild: Radio Bremen

Die Diakonie testet den Einsatz von "sozialen Robotern". Sie sollen Menschen mit Handicaps unterhalten und Mitarbeiter entlasten. So kommt Roboter "Navel" in der Wohngruppe an.

"Ich wollte ein Brötchen anrufen, aber es war belegt", sagt der Roboter. Die Bewohner fangen an zu lachen. Witze erzählen kann er. Roboter "Navel" ist vor kurzem in eine Wohngruppe der Lilienthaler Diakonie eingezogen. Dort wohnen Menschen mit schweren geistigen und körperlichen Beeinträchtigungen. Bei den Bewohnern kommt der digitale Zuwachs gut an. "Ich muss sagen, mit dem Roboter Kontakt aufzunehmen und ihn kennenzulernen, ist richtig schön", sagt Bewohnerin Nina Schikulski.

Ein Porträt von Nina Schikulski
Freut sich über den neuen Bewohner im Wohnheim: Nina Schikulski. Bild: Radio Bremen

Navel kann sich mit den Bewohnerinnen und Bewohnern unterhalten und ihnen Fragen beantworten. Das alles funktioniert dank Künstlicher Intelligenz. Er hat zwei Kameras am Körper installiert, dadurch kann er sein Gegenüber wahrnehmen und direkten Blickkontakt mit Menschen herstellen. Ob er sich wirklich mit ihm unterhalten kann, will auch Bewohner Frank Podleschny herausfinden. Nach einer direkten Ansprache mit einem einfachen "Hallo" ist Navel aktiviert.

Roboter soll Verantwortung übernehmen

Ein Mann sitzt neben einem Roboter, der eine Strickmütze trägt.
Im Gespräch imitiert "Navel" einen Menschen – und kann sich sogar an seine Gesprächspartner erinnern. Bild: Radio Bremen

Nach einer Begrüßung stellt Navel dem Bewohner die erste Frage: "Schön, dass wir uns unterhalten können. Wie war dein Tag bisher?", fragt er sein Gegenüber. Frank Podleschny grinst und sagt: "Mein Tag war gut, und deiner?" Navel antwortet, die beiden unterhalten sich weiter über ihre Lieblingsessen. Es sind Gespräche wie diese, die bei den Bewohnern für Geselligkeit sorgen sollen. Unterhaltung ist das eine, in Zukunft soll "Navel" in der Wohngruppe aber auch jede Menge Verantwortung übernehmen.

"Navel soll mit Menschen interagieren, mit Menschen in Kontakt kommen, sie aktivieren und unterhalten. Wir versprechen uns aber auch langfristig, dass Navel vielleicht auch an anderen Stellen für Entlastung sorgen kann", sagt der Geschäftsführer der Diakonie Lilienthal, Lars Wellbrock. "Sei es bei der Erinnerung, dass jemand sein Medikament nimmt, oder dass Navel reagieren kann, wenn jemand aus der Wohngruppe ein Problem hat."

Entwickler will Navels Fähigkeiten erweitern

Diese Fähigkeiten soll der Roboter im besten Fall in ein- bis anderthalb Jahren besitzen. Derzeit sind im Rahmen des Pilotprojektes in der Lilienthaler Diakonie zwei Roboter im Einsatz: einer in der Wohngruppe und einer in der Tagesförderstätte. Dort soll vorerst für sechs Monate getestet werden, wie die Roboter bei den Bewohnern ankommen.

Die Lilienthaler Diakonie steht zudem während der Testphase in engem Austausch mit dem Hersteller, um zu gucken, inwiefern Navel seine Fähigkeiten verbessern kann. Denn der Roboter kann zwar sprechen, die Mimik anderer wahrnehmen und sie auch selbst ausdrücken, es gibt aber auch vieles, was er noch nicht kann. Daran will der Entwickler jedoch arbeiten.

Im Moment sei es für Navel zum Beispiel noch schwierig, mit mehreren Menschen gleichzeitig zu interagieren. Dafür brauche es weitere Software-Module. "Außerdem fährt er noch nicht, damit wollen wir auch in zwei, drei Monaten anfangen", sagt Entwickler Claude Toussaint.

Ziel ist es, dass er dann in ein paar Monaten autonom wie ein Mitbewohner durch die Wohnung fährt, sieht, wenn jemand alleine ist, und ihn dann anspricht.

Ein Porträt von Claude Toussaint
Claude Toussaint, Entwickler des Roboters "Navel"

Navel soll den Menschen nicht ersetzen

Dennoch stellt Entwickler Toussaint klar, dass Navel kein Ersatz für einen Menschen sein soll. "Man sagt, dass soziale Roboter teilweise soziale Fähigkeiten haben, die denen von Menschen übersteigen, aber andererseits ist er bei Weitem nicht so feinfühlig wie Menschen", betont Toussaint. Dafür sei der Roboter endlos geduldig und würde die gleiche Frage auch hundert Mal freundlich beantworten. Ein Mensch hätte da womöglich seine Schwierigkeiten, so der Entwickler.

Wenn in der Wohngruppe in Lilienthal in der Testphase alles weiterhin gut läuft, soll Navel in der Wohngruppe ein Zuhause finden. Bewohnerin Nina Schikulski würde sich freuen, wenn Navel langfristig einzieht. Sie kann sich gut vorstellen, mit dem Roboter eine Art Freundschaft aufzubauen. "Natürlich würde mich das sehr freuen", sagt sie.

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Bild: Radio Bremen

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Autorin

  • Autorin
    Leoni Hentschel

Quelle: buten un binnen.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Feiertagsnachmitag, 9. Mai, 17:10 Uhr