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Millionenloch: Bremen will Flughafen mit Finanzspritze retten

  • Flughafen soll 12,6 Millionen Euro erhalten
  • Geld soll für die Flughafenfeuerwehr verwendet werden
  • Stadt soll die Kosten für den Brandschutz dauerhaft übernehmen
Der Eingang vom Bremer Hans Koschnick Flughafen

Nach Einbrüchen bei den Fluggastzahlen sollen bald 12,6 Millionen Euro an den finanziell klammen Airport fließen. Das sagte der Staatsrat im Häfenressort und designierte Aufsichtsratsvorsitzende des Flughafens, Tim Cordßen, buten un binnen. Mit dem Geld kann der Airport drei Jahre lang die Flughafenfeuerwehr bezahlen. Die Stadt will die Kosten für den Brandschutz dauerhaft übernehmen. Dazu soll nun das Bremische Hilfeleistungsgesetz geändert werden.

Doch das reicht noch nicht. Auf gut 80 Millionen Euro schätzt Cordßen den Investitionsstau am Flughafen. Ob Vorfeld, Terminals oder Beleuchtung – überall nagt der Zahn der Zeit. Außerdem müssen kostspielige Sicherheitsvorschriften umgesetzt werden. "Ohne eine allgemeine Investitionsbeihilfe wird der Flughafen diesen Weg nicht gehen können", so der Staatsrat. Bei den anstehenden Haushaltsberatungen müsse eine Lösung gefunden werden.

Bremer Flughafen bislang subventionsfrei

Cordßen verweist darauf, dass auch andere Flughäfen vergleichbarer Größe, wie etwa Dortmund, Zuschüsse erhalten. Manchen werde zudem wie in Bremen die Flughafenfeuerwehr finanziert. Allerdings sieht der Staatsrat auch die Flughafenleitung in der Pflicht. Das wolle er bei der nächsten Aufsichtsratssitzung kommende Woche klarmachen. Die Geschäftsführung müsse Sparvorschläge unterbreiten.

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Bislang arbeitet der Bremer Flughafen subventionsfrei. Öffentliche Hilfen hatte es das letzte Mal beim großen Umbau-Projekt "Flughafen 2000" in den 90er-Jahren gegeben. Die größte Last aber trug der Flughafen selbst, der Jahrzehntelang die Kredite abzahlte.

Flughafen muss Ausfall von Germania kompensieren

Inzwischen scheinen Investitionen aus eigener Kraft unmöglich. Die Personalausgaben steigen und steigen. Gleichzeitig brechen die Einnahmen ein. Um 15-20 Prozent könnten die Fluggastzahlen in diesem Jahr sinken, erwartet Cordßen.

Währenddessen bemüht sich der Flughafen, den Ausfall der insolventen Germania zu kompensieren. Rund ein Drittel der zuletzt rund 2,6 Millionen Bremer Fluggäste waren einst mit der Urlauber-Airline unterwegs. Für einige Strecken ist inzwischen Ersatz gefunden. Aber auch das kostet Geld. Denn ohne Marketingszuschüsse ist kaum eine Fluggesellschaft bereit, neue Verbindungen aufzunehmen.

Infrastruktur oder neuer Verkehr?

Die Flughafenführung steht also vor dem Dilemma, ihre geringen Mittel entweder in neuen Verkehr oder in die Infrastruktur zu stecken. Aber wie konnte es überhaupt so weit kommen? Jahrelang hatte sich der Flughafen doch seiner finanziellen Eigenständigkeit gerühmt.

Tatsächlich brodelte es schon länger hinter den Kulissen, und lange vor dem Eintritt des jetzigen Geschäftsführers Elmar Kleinert. Abteilungsleiter trauten sich nicht mehr, den wahren Finanzbedarf zu beziffern, aus Angst, gerüffelt zu werden.

Personalkosten des Bremer Flughafens zählen zu den höchsten

Um Kosten zu sparen, gliederte der frühere Flughafenchef Jürgen Bula 2017 den Bodenverkehrsdienst aus. Im Tochterunternehmen "Bremen Airport Handling" sollten die Gepäckträger zum Niedriglohn Koffer schleppen. Dafür nahm der Flughafen eine Menge Geld in die Hand. Drei Millionen Euro Abfindungen flossen, um den Personalstamm zu verkleinern. Doch die Löhne der Flughafentochter waren zu unattraktiv. Mitarbeiter kündigten. Also stellte der Flughafen kurzerhand jene Beschäftigten wieder ein, die er gerade abgefunden hatte. Ihren Bonus konnten sie behalten. Dazu gab es einen Lohnaufschlag für alle.

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Die Folge: die Personalkosten des Bremer Flughafens zählen zu den höchsten aller vergleichbaren Flughäfen in Deutschland.

Senat muss dringendes Finanzproblem lösen

Jetzt ist der Flughafen-Eigner Bremen gefordert. Neben den laufenden Haushaltsverhandlungen und den zu erwartenden Verlusten von 17,7 Millionen Euro beim Krankenhausbetreiber Geno hat der Senat am Flughafen ein weiteres gleichermaßen dickes wie dringendes Finanzproblem zu lösen. Nur ein schwacher Trost ist da die nüchterne Analyse des künftigen Aufsichtsratchefs Cordßen.

Man darf die Lage des Flughafens nicht überdramatisieren. Auf der anderen Seite ist es ein Problem.

Tim Cordßen, Staatsrat im Häfenressort

Umweltsenatorin Maike Schaefer (Grüne) sieht den Bremer Flughafen als ein ambivalentes Thema, sagte sie im Gespräch mit buten un binnen. Auf der einen Seite sieht sie die Umweltbelastung durch Flugreisen, aber auf der anderen Seite sei Bremen aktuell nicht bereit, einen harten Cut gegenüber dem Flughafen zu machen.

Ich würde nicht sagen, dass Bremen ohne Flughafen undenkbar ist, aber im Moment hängen da auch viele Arbeitsplätze dran.

Maike Schaefer, Umweltsenatorin (Grüne)

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 20. September 2019, 19:30 Uhr