Mit diesen Kosten rechnet Bremen für Nachfolger des 9-Euro-Tickets

Bild: Imago | Political-Moments

Obwohl Bremens Mobilitätssenatorin Schaefer 69 Euro für den Nachfolger des Neun-Euro-Tickets zu viel sind, begrüßt sie die Pläne grundsätzlich. Doch wo soll das Geld dafür herkommen?

Frau Schaefer, denken wir an einkommensschwache Menschen – im Vergleich zu neun Euro sind 49 oder 69 ein heftiger Sprung. Wo bleiben diese Menschen?
Es ist ganz klar: Man braucht eine soziale Komponente. Das ist einfach viel zu hoch für jemanden, der wenig Geld hat. Wir haben ja das Stadtticket zum Beispiel in Bremen bei 25 Euro, und das werden wir diskutieren müssen, dass es eben auch eine soziale Staffelung gibt.
Es wird ja als Nachfolger des Neun-Euro-Tickets gehandelt, letztendlich richtet es sich ja aber an ganz andere Menschen und hat sicherlich nicht die Effekte, dass Menschen Bus und Bahn nutzen, die es vorher nicht getan haben.
Genau das ist der Erfolg des Neun-Euro-Tickets gewesen, es hat eben deutschlandweit auch Geltung gehabt. Das ist, was wir dann auch fordern: Es muss überall gelten, nicht nur im eigenen ZVBN-Bereich. Aber in der Tat ist es so, dass vor allem Pendlerinnen und Pendler davon profitieren werden. Der Bund wird aber nicht so viel Geld zur Verfügung stellen können, dass es für ein richtiges Neun-Euro-Nachfolgemodell reicht.

Wenn man es sich hätte aussuchen können, wären wir alle dafür gewesen, das Neun-Euro-Ticket einfach zu verlängern. Aber der Bund hat dafür einfach nicht die Gelder.

Bremens Mobilitätssenatorin Maike Schaefer (Grüne)
Sie sagen, es profitieren Pendlerinnen und Pendler – reicht Ihnen das? Sie haben sich mal für ein 365-Euro-Ticket für den Nahverkehr in der Stadt eingesetzt. Da können Sie mit dem jetzigen Vorschlag ja nicht zufrieden sein.
Die Grünen haben ja ein 29 beziehungsweise 49-Euro-Ticket vorgeschlagen – da würden viele von profitieren. Das sind zwar immer noch nicht neun Euro, aber es ist im bezahlbaren Bereich. 49 und 69 Euro sind aber nicht besonders attraktiv. Wenn wir überlegen, wie teuer die Abos jetzt sind, dann ist es für die Pendler sicher kostengünstiger, aber der Anreiz ist nicht so vorhanden, wie beim Neun-Euro-Ticket. Wenn man es sich hätte aussuchen können, wären wir alle dafür gewesen, das Neun-Euro-Ticket einfach zu verlängern. Aber der Bund hat dafür einfach nicht die Gelder.
Die große Frage ist ohnehin: Wer soll das alles finanzieren? Der Bund hat in Aussicht gestellt, 1,5 Milliarden Euro zuzuschießen. Die Länder sollen aber mindestens genau so viel zahlen. Geht diese Rechnung auf?
Am 19. September haben wir eine Sonder-Verkehrsministerkonferenz, Volker Wissing (Bundesverkehrsminister, FDP, d. Red.) wird mit dazu kommen. Da werden wir darüber diskutieren. Wir in Bremen wären dazu bereit, die Hälfte hinzuzugeben, weil wir einfach sehen, wie wichtig es für die Menschen ist, ein bezahlbares Ticket zu haben – gerade bei den steigenden Energie- und Spritkosten.
Was würde das denn konkret kosten? Und haben Sie schon eine Idee, wo das Geld herkommen soll?
Die 1,5 Milliarden Euro für die Länder sind ungefähr vergleichbar mit dem ÖPNV-Rettungsschirm, zu dem die Bundesländer ja auch schon die Hälfte hinzugegeben haben. Für Bremen würde das eine Summe von 35 Millionen pro Jahr zusätzlich bedeuten. Wo das Geld herkommen soll, werden wir diskutieren. Ich habe aber schon mit dem Finanzsenator gesprochen. Wir werden gucken, ob das ein Beitrag zum Klimaschutz ist – was ich glaube. Insofern werden wir das Signal aussenden: Wir Länder verweigern uns nicht! Es gibt aber auch kritische Haltungen aus anderen Bundesländern.
Sie haben aber auch vor, eine Verkehrswende einzuleiten. Dazu gehört auch, dass der ÖPNV personell und finanziell verstärkt wird, dass das Streckennetz ausgebaut und neue Fahrzeuge angeschafft werden. Fällt das jetzt alles hinten über?
Das darf auf keinen Fall hinten über fallen. Ein kostengünstiger Tarif nützt nichts, wenn man irgendwo in den Randbezirken oder auf dem Dorf wohnt, wo kein Bus fährt. Insofern brauchen wir diese Regionalisierungsmittel, auch in Bremen. Wir wollen hier ja die Takte verdichten, wir wollen die Strecken ausbauen, wir wollen für mehr Qualität sorgen. Auch die Sicherheit ist bei der BSAG ein großes Thema. Dafür brauchen wir die Erhöhung der Regionalisierungsmittel. Das eine geht nicht ohne das andere. Das ist auch eine eindeutige Forderung der Länder. Wir haben aber beim Neun-Euro-Ticket gemerkt, dass auch der Tarif eine Rolle spielt – und deswegen brauchen wir eine Nachfolgeregelung.

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Autor

  • Felix Krömer

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 5. September 2022, 19:30 Uhr