Bremen und Verkehrsunternehmen ziehen 9-Euro-Ticket-Bilanz

So lief das letzte Wochenende mit dem 9-Euro-Ticket in Bremen

Bild: DPA | FrankHoermann/SVEN SIMON

Noch zwei Tage gilt das 9-Euro-Ticket. Die BSAG hat bis Ende August Hunderttausende verkauft. Bremens Mobilitätssenatorin will mit dem Verband deutscher Verkehrunternehmen Bilanz ziehen.

Insgesamt 370.000 9-Euro-Tickets hat die Bremer Straßenbahn-AG (BSAG) nach eigenen Angaben bis zum 24. August verkauft. Und das sind nur die Tickets, die über Verkaufsstellen der BSAG umgesetzt wurden. Wie viel es also genau in Bremen und Bremerhaven sind, ist unklar. Aber das "9-Euro-Ticket" gilt als Erfolg – und das nicht nur im Land Bremen, sondern deutschlandweit. Insgesamt wurden mindestens 38 Millionen Tickets verkauft.

Auch bei Menschen, die vorher nichts mit dem Nahverkehr anfangen konnten, kam das Ticket gut an: Jeder fünfte Kunde hat laut einer repräsentativen Befragung vom Verband deutscher Verkehrsunternehmen und der Deutschen Bahn die Bahnen und Busse zuvor nicht oder kaum genutzt. Das zeigte sich auch an den volleren Zügen und Bahnhöfen: Im Vergleich zur Zeit vor Corona waren laut Deutscher Bahn seit dem Start des 9-Euro-Tickets durchschnittlich rund zehn Prozent mehr Fahrgäste mit den Regionalzügen und Bussen der DB unterwegs. In Bremen fuhren laut BSAG besonders samstags wohl mehr Menschen in einigen Straßenbahn- und Buslinien.

Bremens Verkehrssenatorin Maike Schaefer (Grüne) wird heute als Vorsitzende der Verkehrsministerkonferenz zusammen mit Ministerkolleginnen und -kollegen und dem Verband deutscher Verkehrunternehmen eine erste Bilanz des 9-Euro-Tickets ziehen. Die wichtigste Frage vieler in Bremen und Bremerhaven lautet: Was kommt jetzt?

Welche Erfahrungen haben Sie mit dem 9-Euro-Ticket gemacht?

Was halten Sie vom 9-Euro-Ticket? Wir fragen die Radio Bremen-Meinungsmelder nach ihren Erlebnissen und Wünschen rund um das 9-Euro-Ticket und den Nahverkehr.

Erfahrungen von buten-un-binnen-Userinnen und -Usern

Laura Fangmann
Laura Fangmann hat das 9-Euro-Ticket für Reisen in Deutschland genutzt. Bild: Privat | Laura Fangmann

Laura Fangmann war mit dem Ticket als Auszubildende auf jeden Fall mobiler, wie sie sagt: "Ich habe nicht ganz so viel Geld. Beim Niedersachsen-Ticket bin ich, wenn ich alleine reise, schon mal 24 Euro pro Tag los. Das kann man nicht mal eben vier oder fünf Mal im Monat machen." Generell fahre sie viel mit dem Nahverkehr. Sie hat kein Auto, aber eine Mia-Plus-Karte, für die sie sonst 64 Euro im Monat zahlt: "Ich habe durch das 9-Euro-Ticket 150 Euro in dem Zeitraum gespart. Das entlastet auch einige."

Fangmann wünscht sich einen deutschlandweiten Nachfolger für das 9-Euro-Ticket: "Das kann gerne auch etwas mehr kosten. Die Rede war mal von 80 bis 120 Euro pro Monat. Für ein deutschlandweites Ticket würde ich auch die 120 Euro pro Monat bezahlen." Fangmann ärgert sich darüber, dass es die verschiedenen Tarifzonen gibt. Gerade für Pendlerinnen und Pendler sei das schwierig.

Man möchte Nachhaltigkeit, etwas für die Umwelt tun, dann muss man Bahnfahren auch für einzelne erschwinglicher machen.

Laura Fangmann, Auszubildende aus Bremen-Gröpelingen

Bahnfahren wie in der Sardinenbüchse

Hauke Kranz
Hauke Kranz hat schlechte Erfahrungen mit dem 9-Euro-Ticket gemacht. Bild: Privat | Jasmin Bojé

Hauke Kranz aus Syke ist während der Zeit des 9-Euro-Tickets nur ein Mal mit dem Regionalzug gefahren, wie sie erzählt. Dieses Erlebnis zu Ferienbeginn habe ihr gereicht: "Ich meide den Nahverkehr, wenn es nicht sein muss, aber das eine Mal, das ich gefahren bin, habe ich das völlige Chaos erlebt." Als freiberufliche Musikerin fahre sie immer mit der Bahn zu Auftritten: "Für den Hinweg hatte ich extra einen IC gebucht. Auch der war schon richtig voll und die Menschen haben sich nicht an Anweisungen wie die Maskenpflicht gehalten." Auf der Rückreise von Hannover habe Kranz den Regionalzug nehmen müssen. Zuerst waren mehrere Züge zu voll, um einzusteigen, sagt sie. Dann "standen wir da wie Sardinen in der Büchse. Die Leute teilweise mit, teilweise ohne Maske – bei einer Bullenhitze." Aus Panik habe sie in Osnabrück ein Taxi nach Syke genommen. Zwei Tage später habe sie Corona gehbt – und damit als freiberufliche Musikerin für zehn Tage kein Einkommen.

Das Ticket sollte einem Unternehmen wie der DB nicht einfach von der Politik aufgedrückt werden, wenn die Bahn vorher schon keinen geregelten Verkehr auf die Schiene bekommt. In der Pandemie ist das Körperverletzung mit Ansage.

Hauke Kranz, freiberufliche Musikerin aus Syke

Mobilität für Menschen mit wenig Geld

Eine Frau sitzt auf einer Bank
Undine Wesemann wünscht sich, dass das 9-Euro-Ticket regional weiter besteht. Bild: Privat | Undine Wesemann

"Für mich bedeutet das 9-Euro-Ticket mehr Mobilität", sagt Undine Wesemann. Vorher war die Rentnerin aus Bremerhaven-Geestemünde quasi an ihren Ortsteil gebunden. Mehr als einmal in der Woche Bus fahren war für sie mit der Rente nicht drin: "Ich konnte sonst höchstens einmal pro Woche mit dem Bus fahren. Da konnte ich mir dann aussuchen, ob ich in der Woche zum Arzt gehe, oder meine Tochter besuche." In den drei Monaten habe sie ihre Tochter viel öfter sehen können. Und mit dem Einkauf war es leichter: "Vorher musste ich alles zu Fuß nach Hause schleppen." Gerade sie als Rentnerin wünscht sich Wesemann ein günstiges Nachfolgeticket, das regional, zum Beispiel auf eine Stadt begrenzt wäre.

Ein günstiges Ticket wäre ganz wichtig, gerade für Senioren, die nicht so viel Geld haben. Das sind etliche. Die müssen mobil bleiben. Nicht, dass die nur Zuhause rumhängen.

Undine Wesemann, Rentnerin aus Bremerhaven-Geestemünde

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Autorinnen und Autoren

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 28. August 2022, 19:30 Uhr