Bremens Mobilitätssenatorin wirft Bund bei 9-Euro-Ticket Blockade vor

Maike Schäfer, Senatorin für Klimaschutz, Umwelt, Mobilität, Stadtentwicklung und Wohnungsbau in Bremen, spricht bei einer Pressekonferenz
Bild: DPA | Christophe Gateau
  • Verkehrsverbünde: Neun-Euro-Ticket war "sehr erfolgreich"
  • Studie: Spürbare Auswirkungen auf Mobilitätsverhalten
  • Forderungen nach Nachfolgelösung

Die Verkehrsminister der Länder und der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) fordern gemeinsam neben einer Anschlusslösung für das 9-Euro-Ticket langfristige Finanzierungszusagen des Bundes für einen zukunftsfähigen Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). "Wir brauchen auch Investitionen in die Qualität", sagte Bremens Mobilitäts-Senatorin Maike Schaefer (Grüne) bei einer Video-Pressekonferenz. Sie hat derzeit den Vorsitz der Verkehrsministerkonferenz (VMK) der Länder.

Schaefer erwartet Vorschläge der Bundesregierung

Ergebnisse der Marktforschung belegten, dass die Menschen den öffentlichen Nahverkehr wollten, wenn das Ticket einfach und verständlich sowie überall flexibel nutzbar sei, bekräftigte Schaefer. Viele Menschen hätten wegen des Neun-Euro-Tickets erstmals den Nahverkehr genutzt. Letztlich sei das aber nur ein wirklicher Erfolg, "wenn es dann auch eine Nachfolgeregelung gibt". Deren Kosten können aber "nicht alleine auf die Länder abgewälzt werden", forderte Schaefer. Sie erwarte Vorschläge von Seiten der Bundesregierung – von dort komme bisher nur eine "Blockadehaltung".

Die Ergebnisse der Marktforschung belegen deutlich: Die Menschen
wollen den öffentlichen Nahverkehr, wenn das Ticket einfach und
verständlich sowie überall flexibel nutzbar ist.

Bremens Mobilitätssenatorin Maike Schaefer

Der Verband der deutschen Verkehrsunternehmen (VDV) zeigte sich zufrieden mit der Bilanz des Neun-Euro-Tickets. "Das Ticket war sehr erfolgreich und es lohnt, sich über die Fortsetzung Gedanken zu machen", sagte VDV-Hauptgeschäftsführer Oliver Wolff. Er forderte ebenso wie mehrere Landesverkehrsminister und -ministerinnen zugleich mehr Investitionen, um das Angebot im ÖPNV zu verbessern.

Wolff präsentierte am Montag Zwischenergebnisse der Studie, bei der wöchentlich 6.000 Menschen ab 14 Jahren zu dem Ticket befragt worden waren. Eine wesentliche Erkenntnis sei, "dass wir viele Umsteiger haben", sagte Wolff. Dem VDV zufolge wurden zehn Prozent der Fahrten mit dem Neun-Euro-Ticket für eine Strecke genutzt, die sonst mit dem Auto gefahren worden wäre. Insgesamt liege der Anteil der aus anderen Verkehrsmitteln verlagerten Fahrten bei 17 Prozent. Die Menge an eingespartem Treibhausgas schätzt der VDV auf 1,8 Millionen Tonnen. 

Insgesamt rund 52 Millionen Tickets verkauft

Es seien insgesamt rund 52 Millionen Tickets verkauft worden; weitere zehn Millionen seien an Menschen gegangen, die ohnehin schon ein Abonnement für ein Monatsticket hatten, führte Wolff aus. Er wies zugleich darauf hin, dass Menschen auf dem Land das Ticket oft nicht verwenden konnten. Der Hauptgrund, der von Menschen auf dem Land für den Nicht-Kauf des Fahrscheins genannt wurde, war demnach mit 37 Prozent der "fehlende Nutzungsanlass". Dies zeige, dass man Preis und Qualität des Öffentlichen Personennahverkehrs "dringend zusammen diskutieren" müsse, sagte Wolff. Es sei klar, "dass Kundschaft kommt, wenn das Produkt stimmt".

Drei Monate 9-Euro-Ticket haben etwa so viel CO2 eingespart wie ein Jahr Tempolimit auf Autobahnen bringen würde.

VDV-Hauptgeschäftsführer Oliver Wolff

Das Neun-Euro-Ticket hatte für Juni, Juli und August für jeweils neun Euro Monatsgebühr die Fahrt in allen öffentlichen Nahverkehrsmitteln in Deutschland ermöglicht. Der Fahrschein war eine von mehreren Maßnahmen der Bundesregierung zur Entlastung der Verbraucherinnen und Verbraucher angesichts der hohen Energiepreise.

Mehr zum 9-Euro-Ticket:

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Rundschau am Nachmittag, 29. Auguts 2022, 16 Uhr