Neue Details: Bremerhavener Schul-Angreifer schoss auf weitere Person

Spezialeinsatzkommando der Polizei im Einsatz
Ein Polizeibericht beinhaltet neue Details zu Tathergang und Einsatz um das Bremerhavener Lloyd-Gymnasium am 19. Mai. Bild: DPA | Sina Schuldt
  • Polizeibericht zeigt neue Einzelheiten zu Angriff in Bremerhaven
  • Beschuldigter soll weitere Person knapp verfehlt haben
  • Schulmitarbeiterin konnte Krankenhaus inzwischen verlassen

Der Angriff auf das Lloyd-Gymnasium in Bremerhaven hätte um ein Haar weitere Opfer gefordert. Aus einem Polizeibericht für die Innendeputation zu den Ereignissen im Mai gehen nun neue Details hervor.

Demnach schoss der 21-jährige Beschuldigte in der Bürgermeister-Smidt-Straße mit einer Armbrust zwei Pfeile in Richtung eines Friseursalons und verfehlte eine Person nur knapp. Weitere Schüsse habe nur eine Fehlfunktion der Waffe verhindert. Eine zuvor in der Schule verletzte Mitarbeiterin habe das Krankenhaus inzwischen verlassen können.

Beschuldigter schoss mit Schreckschusspistole in die Luft

Nach einer polizeilichen Rekonstruktion des Tatablaufs betrat der Mann die Schule am 19. Mai gegen 9 Uhr und begab sich direkt zum Sekretariat. Dort verletzte er eine Mitarbeiterin mit zwei Pfeilen. Danach verließ er das Gebäude und schoss in der Grazer Straße mit einer Schreckschusswaffe vier Mal in die Luft. Dann kam es zu den Schüssen auf den Friseursalon.

Anschließend setzte sich der Beschuldigte auf den Boden, legte sich schließlich auf den Bauch und ließ sich um 9:21 Uhr widerstandslos festnehmen.

Beschuldigter trug weitere Waffen bei sich

Neben den Schusswaffen führte der 21-Jährige eine Machete, ein Kampfmesser und ein Einhandmesser mit sich. Die Polizei weist daraufhin, dass volljährige Personen nach dem Waffengesetz eine Armbrust ohne Erlaubnis erwerben, besitzen und mitführen dürfen.

Über seinen Anwalt ließ der Beschuldigte mittlerweile mitteilen, ein Amoklauf sei nicht beabsichtigt gewesen. Die Polizei wertet weiterhin Beweismittel aus und kündigte an, dass unter anderem weitere Zeugenvernehmungen und Gutachten nötig seien.

Nach ersten Auswertungen des Einsatzes sieht die Bremerhavener Polizei ihre Strukturen zur Bewältigung von besonderen Anlässen als "grundsätzlich stabil, störungsresistent und an aktuelle, aus dem laufenden Einsatz heraus gestellte Anforderungen anpassungsfähig". Dennoch gebe es Situationen, die noch optimiert werden könnten. Diese sollen in der andauernden Nachbereitung analysiert werden. Genannt werden unter anderem die Bereiche Kommunikation, Kräftesteuerung und die Zusammenarbeit mit externen Organisationen.

Psychosoziale Betreuung hätte länger erhalten werden sollen

Wegen vieler Anfragen, Falschmeldungen in sozialen Netzwerken und der Arbeit vor Ort, sei eine Unterstützung der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit durch die Polizei Bremen nötig gewesen. Eine Personenauskunftsstelle habe nicht alle Bedarfe befriedigen können.

Die psychosoziale Notfallbetreuung sei gut angenommen worden, hätte jedoch in den Folgetagen länger aufrechterhalten werden sollen. Gut funktioniert habe die Abstimmung mit der Schulbehörde.

Auch die schulinterne Organisation am Lloyd-Gymnasium lobt die die Polizei. Bremerhavener Schulen will sie weiter bei der Gewaltprävention unterstützen.

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Bild: Privat

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Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 9. Juni 2022, 13 Uhr