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Blasen Umweltminister bald zur Jagd auf den Wolf?

Wölfe sollen wieder gejagt werden, dafür haben heute Schäfer und Landbewohner auf dem Bremer Marktplatz demonstriert – und sie haben einen prominenten Fürsprecher.

Demonstranten vor der bremischen Bürgerschaft bei der Umweltministerkonferenz.

"Wir wollen, dass der Wolf wieder bejagt wird", sagt Wendelin Schmücker. Der Schafhalter hat die Demonstration auf dem Bremer Marktplatz mitorganisiert. Seine Adressaten sind die Umweltminister der Länder, die derzeit in Bremen zusammenkommen – unter anderem, um über den Umgang mit Wölfen zu diskutieren. Für Schmücker ist klar, was jetzt passieren muss: "Der Wolf muss wieder eine Scheu bekommen, damit er sich von Siedlungen und Weidetieren fernhält." Mit den Maßnahmen, die derzeit vorgeschlagen werden, sei das nicht nicht zu machen.

Soweit wie Schmücker sind die Umweltminister der Länder noch nicht. Aber Niedersachsens Ressortchef Olaf Lies (SPD) hofft, in Bremen durchsetzen zu können, dass Wölfe in Zukunft wieder gejagt werden. "Schutz heißt auf der einen Seite 'Zaun', aber wir können nicht das ganze Land einzäunen. Da hilft am Ende nur das Töten des Wolfes. Ich will nicht den Bestand gefährden, aber ich glaube, wir müssen regulierend eingreifen."

Wolfsnachweise
In der Bremer Region wurden in der Vergangenheit immer wieder Wölfe gesichtet.

Allein in Niedersachsen leben laut Wolfs-Monitoring derzeit zwischen 100 und 200 Tieren. Wolf-Sichtungen in Oberneuland, Bremen-Nord und im Blockland rufen inzwischen auch den Bremer Stadtjäger Harro Tempelmann auf den Plan: Wie Minister Lies unterstützt er eine Obergrenze und will Wölfe vor allem von Wohngebieten fernhalten. Im Zweifel auch durch Abschuss. "Wer keine oder kaum Wölfe hat, erkennt das Problem vielleicht nicht", sagt Tempelmann. Auch Minister Lies sieht das Problem: "Und ich kann nur appellieren: Die, die heute noch nicht betroffen sind, die können froh sein, dass sie dann die Lösung haben, die wir heute noch dringend suchen."

Harro Tempelmann sorgt sich, dass die Zwischenfälle zunehmen, wenn wir die Tiere einfach weiter gewähren lassen. "Wegkriegen wird man sie nicht mehr. Das will auch keiner. Aber es kann nicht sein, dass ein Wolf mitten im Ort auf einer Weide einem Pferd in die Brust beißt." Die Schuld sucht er nicht beim Wolf. Unser Umgang mit dem Wildtier sei das eigentliche Problem: "Man muss ihm beibringen, was für ihn tabu ist. Wölfe müssen lernen: Wenn Menschen da sind, muss ich weg." Wölfen müsse man deutlich ihre Grenzen zeigen.

Schweden und Rumänien sind für ihn gute Vorbilder. "Dort wird aus einem Rudel ein Wolf geschossen. Dann wissen die anderen: 'Gustav ist tot, hier dürfen wir nicht wieder hin.'"

Wir kümmern uns eher um einzelne Problemwölfe. Der erzählt aber nix weiter, wenn er geschossen wird.

Harro Tempelmann, Stadtjägermeister von Bremen

Der Deutsche Jagdverband fordert im Vorfeld der Umweltministerkonferenz, das Bundesnaturschutzgesetz zu überarbeiten, um dem wachsenden Wolfsbestand besser zu begegnen. Die Niedersächsische Landesjägerschaft geht von 20 Rudeln und vier Wolfspaaren in Niedersachsen aus. Der Naturschutzbund Deutschland schätzt den Bestand auf etwa die Hälfte. Für Bremens Stadtjäger Harro Tempelmann und seine Kollegen spricht einiges für die höhere Zahl. "Zum Beispiel haben die Verkehrsunfälle mit Wölfen deutlich zugenommen. Das ist ein klares Indiz, dass es mehr Wölfe sein müssen, wenn man das mal prozentual mit anderen Wildtierunfällen vergleicht."

Das Land Niedersachsen hat für das Jahr 2019 ein Budget von 2,3 Millionen Euro zur Verfügung gestellt – hauptsächlich für Schutzmaßnahmen wie Herdenzäune und Rissentschädigung, aber auch für den Schutz der Wölfe.

Mehr Infos zu Wölfen:

  • Eva Linke

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Morgen, 8. November 2018, 6:40 Uhr