Kostenfreier ÖPNV in Bremen: Schaefer will erst Angebote verbessern

  • SPD Bremen-Stadt stellt Konzept für künftigen Nahverkehr vor
  • Fahrscheine würden demnach gänzlich verschwinden
  • Mobilitätssenatorin: Fokus sollte zunächst auf Ausbau des Angebots liegen
Eine Straßenbahn fährt vor dem Bremer Hauptbahnhof eine Straße entlang.
Rund 90 Millionen Euro nehmen BSAG und die Stadt Bremen jährlich durch Ticketverkäufe ein. Diese würden durch das "Bremen-Ticket" wegfallen. Bild: DPA | Mohssen Assanimoghaddam

Einsteigen, ohne einen Fahrschein lösen zu müssen: Geht es nach der SPD, sieht so der künftige öffentliche Nahverkehr in der Stadt Bremen aus. Am Freitagvormittag hat die Regierungspartei das "Bremen-Ticket" vorgestellt, ein Konzept, mit dem man eine "Nahverkehrsoffensive" einläuten wolle.

Unter anderem sieht das Konzept vor, Fahrscheine für Bus und Bahn in Bremen bis zum 1. Januar 2023 abzuschaffen – also noch vor der nächsten Bürgerschaftswahl. Bremer würden dann etwa durch Vorzeigen ihres Personalausweises mitfahren. In einem späteren Schritt solle der kostenlose Nahverkehr auch für Touristen nutzbar gemacht werden.

Schaefer für Ausbau des ÖPNV

Maike Schaefer
Mobilitätssenatorin will einen besseren ÖPNV. (Symbolbild) Bild: Imago | Eckard Stengel

Ein Vorschlag, den Mobilitätssenatorin Maike Schaefer (Grüne) grundsätzlich gutheißt. "Wir wollen einen attraktiven ÖPNV, Tarifstrukturen gehören da natürlich dazu. Wir wissen aber auch, dass wir vor allen Dingen Angebotsverbesserungen brauchen", sagte Schaefer zu buten un binnen. Es gelte, Menschen zum Verzicht aufs Auto zu bewegen – das heiße: "Ausbau des ÖPNV, eine bessere Taktung, Barrierefreiheit."

Ob die Erhöhung der Steuern für alle das Mittel der Wahl ist – stelle ich anheim.

Maike Schaefer
Maike Schaefer (Grüne); Mobilitätssenatorin

Zudem stellte Schaefer die Finanzierung des "Bremen-Tickets" in Frage. Das Konzept der SPD sieht vor, einen Mobilitätszuschlag ins Leben zu rufen und diesen über die Grundsteuer abzuwickeln. Das Bremen-Ticket solle laut Konzept dann etwa 14 bis 18 Euro pro Haushalt im Monat kosten. "Ob die Erhöhung der Steuern für alle das Mittel der Wahl ist – stelle ich anheim", so Schaefer.

Vom Bund für Umwelt und Naturschutz gab es indes Beifall für den Vorschlag der SPD – wenn auch mit einer Anmerkung. "Dieser Vorschlag kann den ÖPNV in Bremen richtig nach vorne bringen, muss sich nun aber auf den mühsamen Weg der Umsetzung machen", äußerte sich BUND-Geschäftsführer Martin Rode. Als Teil der Mobilitätswende und Klimaschutzes funktioniere die Idee zudem nur, wenn Radverkehr und Parkraummanagement im gesamten Stadtgebiet mitgedacht würden.

BSAG-Etat würde auf 240 Millionen Euro steigen

Kostenloser Nahverkehr hieße auch, dass mehr Menschen mitfahren, so die BSAG. Deren Sprecher Jens-Christian Meyer zufolge müsste der Fuhrpark erweitert werden. "Man braucht flankierende Maßnahmen, und dazu gehört, den ÖPNV vorher zu stärken und ihn in die Lage zu versetzen, 20 oder 30 Prozent mehr Menschen zu befördern", so Meyer.

Zurzeit liegt der BSAG-Etat bei 160 Millionen Euro, davon kommen 55 Millionen Euro von der Stadt. Bei einem kostenlosen Angebot würde der Etat jedoch auf etwa 240 Millionen Euro steigen – schließlich fielen auch die Fahrschein-Einnahmen von jährlich rund 90 Millionen Euro gänzlich weg, erklärt Meyer.

SPD: "Dafür müssen wir in der Stadtgesellschaft werben"

Auch in den sozialen Medien gab es um Teil Kritik am Finanzierungsmodell des SPD-Vorhabens. So äußerten manche Unverständnis, warum sie pauschal eine Abgabe für Bus und Bahn leisten sollten, wenn sie diese gar nicht nutzen würden. "Das muss erstmal in Gang kommen, weil es ein neuer Gedanke ist", entgegnet darauf der Vorsitz der SPD Bremen-Stadt Falk Wagner. "Das ist etwas, wofür wir in der Stadtgesellschaft werben müssen, und dafür brauchen wir eine breite Mehrheit."

Zugleich wies er daraufhin, dass das an anderer Stelle schon längst Gang und Gäbe sei: "Wir zahlen alle für Autobahnen, auch wenn wir gar keinen Führerschein haben. Und wir zahlen alle für Radwege, selbst wenn wir körperlich gar kein Fahrrad fahren können", so Wagner. SPD-intern wird die Initiative zurzeit noch diskutiert, könnte auf dem Landesparteitag Ende März dann aber beschlossen werden.

Rückblick: Gratis mit der Straßenbahn in die Bremer Innenstadt

Video vom 24. Februar 2021
Ein Blatt Papier, auf dem die Nummer elf eingekreist wurde. Im Hintergrund die Bremer Innenstadt.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 12. März 2021, 12 Uhr