Kommentar

Ende der Bremer AfD-Fraktion: "Mehr Wählerbeschiss geht nicht"

Die AfD verliert ihren Fraktionsstatus. Die Partei hat sich selbst so geschwächt, dass konstruktive Politik nicht möglich ist. Ein Kasperletheater, findet unser Reporter Jochen Grabler.

Mark Runge (AfD,l-r), Frank Magnitz, Vorsitzender der AfD in Bremen und Uwe Felgenträger (AfD) geben bei einer Pressekonferenz ihren Austritt aus der AfD-Fraktion der Bremer Bürgerschaft bekannt
Mark Runge , Frank Magnitz und Uwe Felgenträger (v.l.) geben bei einer Pressekonferenz ihren Austritt aus der AfD-Fraktion bekannt. Bild: DPA | Carmen Jaspersen

Der politische Witz des Tages geht so: "Sie mussten nun vier Jahre auf die AfD warten. Nun sind wir mit ganzer Fraktionsstärke hier. Freuen Sie sich auf die nächsten vier spannenden Jahre mit uns. Das können wir Ihnen versprechen.“ Das sagte Thomas Jürgewitz, der Fraktionsvorsitzende der AfD, bei seiner Jungfernrede in der Bürgerschaft.

Herr Gift gegen Herrn Galle

Dreimal laut gelacht! Gerade mal drei Monate nach der Bürgerschaftswahl ist die "Fraktionsstärke" futsch. Den Fraktionsvorsitz kann Jürgewitz vergessen. "Die AfD" gibt es nicht mehr im Parlament. Dafür eine Dreiercombo um Frank Magnitz und ein Duo mit Jürgewitz. Und die hassen sich gegenseitig wie die Pest. Da kommunizieren keine vernunftbegabten Erwachsenen miteinander, da bekriegt sich Herr Gift mit Herrn Galle: "Tritt zurück!" – "Nein, Du!" – "Hast Du versprochen!" – "Gar nicht!" – "Spalter!" – "Selber!". Sowas kennt man sonst nur aus Polizeimeldungen wie "Nachbarschaftsstreit eskaliert". "Spannend" werden die kommenden vier Jahre mit dieser Trümmertruppe also nicht. Eher skurril.

Man ahnt dunkel, dass sich jetzt 93,9 Prozent der Wählerinnen und Wähler freuen. Das sind diejenigen, die im Mai ihr Kreuz nicht bei der AfD gemacht haben. Man muss sich immer mal wieder an die realen Mehrheitsverhältnisse erinnern, weil zuweilen der Eindruck entsteht, diese Partei stünde flächendeckend vor der Machtübernahme. Klar sollten wir uns Sorgen machen, wenn Antidemokraten Wahlerfolge erzielen, aber man muss die AfD auch nicht zum Riesenzwerg aufblasen. Schon gar nicht in Bremen.

Konstruktive Politik schien nicht möglich

Immerhin sind sie aber von 6,1 Prozent der Wählerinnen und Wähler ins Parlament geschickt worden. Die sollten auch nicht vergessen werden. Wie dieses Kasperletheater wohl bei denen ankommt?

Mag ja sein, dass manche darauf gehofft haben, dass ihre Anliegen nun endlich mal vertreten werden: abgehängte Stadtteile, soziale Ungleichheit, Verkehrspolitik – die ganze Themenpalette, für die die AfD Lösungen verspricht. Wird nicht stattfinden. Mag ja sein, dass viele nur maximalen Krawall und Protest gegen die "etablierten Altparteien" wollten und gar nicht auf konstruktive Politik gesetzt haben. Aber selbst die müssen sich doch jetzt von Magnitz, Jürgewitz und ihren Spießgesellen vereiert vorkommen.

Jetzt muss doch dem gutgläubigsten AfD-Wähler langsam dämmern: Mehr Wählerbeschiss geht nicht! Der durchgeknallte Politikverein AfD hat sich selbst, ganz ohne fremde Hilfe, parlamentarisch derart geschwächt, dass weder konstruktive Politik noch destruktive Haudrauf-Reden sonderlich durchdringen.

Eines haben sie allerdings bewiesen. Nämlich, wo ihre Kernkompetenz liegt. Hassen können sie am besten.

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Mark Runge, Frank Magnitz und Uwe Felgenträger der AfD bei der Pressekonferenz.

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Autor

  • Jochen Grabler

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 2. September 2019, 19:30 Uhr