Volle Züge wegen 9-Euro-Tickets in Bremen: Fahrgastverband unzufrieden

Viele Menschen, versuchen in einen Regionalzug zu gelangen. Es herrscht dichtes Gedränge.
Bild: DPA | Daniel Kubirski
  • Viele Züge über Pfingsten überfüllt
  • Bundesverkehrsminister fordert tiefgreifende Reformen
  • Neun-Euro-Ticket in IC-Zügen nach Norddeich nicht gültig

Am ersten langen Wochenende mit dem Neun-Euro-Ticket waren viele Züge in Bremen und Niedersachsen stark nachgefragt. Betroffen waren insbesondere die Regionalbahnen von und zur Nordseeküste. Der Fahrgastverband Pro Bahn kritisiert, dass manch ein Fahrgast abgewiesen wurde, weil die Züge so voll waren.

Bundesweit wurden laut Pro Bahn Rund 700 Meldungen über Probleme und Störungen pro Pfingsttag und 400 überfüllte Züge jeweils am Samstag, Sonntag und Montag registriert. In mehreren Fällen seien überfüllte Züge geräumt worden. Der Betriebsrat der Bahn kritisiert zudem, dass Lokführer, Kundenbetreuer und Reinigunspersonal Überstunden anhäuften, weil die Bahn zusätzliche Züge einsetzte. Das gehe nicht auf Dauer.

Züge nach Norddeich besonders ausgelastet

Die Deutsche Bahn selbst teilte mit, dass die Mitfahrt zeitweise nicht garantiert werden konnte und dass die Mitnahme von Fahrrädern eingeschränkt war. Die Bahngesellschaft Metronom erklärte, dass Fahrräder bis Pfingstmontag wegen zu vieler Fahrgäste grundsätzlich nicht in den Zügen mitgenommen werden konnten.

Bundespolizisten und Schaffner überreden Fahrgäste zum Umstieg

Außergewöhnlich stark ausgelastet waren laut DB vor allem die Strecken Hannover-Norddeich und Osnabrück-Bremen sowie von Osnabrück und Hannover nach Bremerhaven. Teilweise seien Schaffner und Bundespolizisten von Waggon zu Waggon gegangen, um Passagiere zum Umsteigen auf andere Züge zu überreden, sagte ein Bahnsprecher. Fahrräder mitzunehmen war auf diesen Strecken bereits da kaum noch möglich.

Inwieweit der Andrang am langen Pfingstwochenende auch auf das seit Monatsbeginn gültige Neun-Euro-Ticket im Nahverkehr zurückzuführen war, blieb zunächst offen. "Wie erwartet gab und gibt es regionale Spitzen im Fahrgastaufkommen, insbesondere zu touristischen Zielen", erklärte ein Bahnsprecher. Für eine ausführliche Bilanz sei es noch zu früh.

Neun-Euro-Ticket in IC-Zügen nach Norddeich nicht gültig

Unterdessen steht fest, dass das Neun-Euro-Ticket in den IC-Zügen zwischen Bremen und Norddeich nicht genutzt werden kann. Entsprechende Verhandlungen sind zu keiner Einigung gekommen.

Niedersachsens Verkehrsminister Bernd Althusmann erklärte, das neue Ticket stelle die Anbieter vor große Herausforderungen. Das Ticket sei "zum erwarteten Härtetest für die Bahnunternehmen geworden", sagte der CDU-Politiker am Pfingstmontag.

Gerade auf den Strecken in Richtung Nordseeküste ist das System teilweise an die Belastungsgrenze gekommen. Neben der mitunter extrem hohen Zugauslastung mit all ihren Begleiterscheinungen wie Zugverspätungen oder Komforteinbußen muss man leider auch konstatieren, dass einige Fahrgäste grundlegende Formen des sozialen Miteinanders vergessen haben oder nicht kennen.

Niedersachsens Verkehrsminister Bernd Althusmann (CDU)

Althusmann erneuerte zudem seine Forderung an den Bund, eine auskömmliche Finanzierung des Nahverkehrs über den Aktionszeitraum hinaus zu gewährleisten. "Auch wenn das Pfingstwochenende sicherlich nicht der Gradmesser für Szenarien des zukünftigen ÖPNV sein kann, ist klar: Für ein dauerhaft attraktives ÖPNV-Angebot muss der Bund bessere finanzielle Rahmenbedingungen schaffen, damit Kapazitäten, Personal, Infrastruktur und Energiekosten von den Ländern bereitgestellt und bezahlt werden können", sagte der Minister.

Bundesverkehrsminister fordert Reformen für ÖPNV

Auch Bundesverkehrsminister Volker Wissing forderte tiefgreifende Reformen für den öffentlichen Personennahverkehr. Nach Ansicht des FDP-Politikers sollte das ÖPNV-Angebot dauerhaft verständlicher, einheitlicher und kundenfreundlicher werden. Trotz der hohen Auslastung und der damit verbundenen Probleme über Pfingsten fordern Verbraucherschützer, Kommunen sowie Verkehrspolitiker auch weiterhin dauerhaft günstige Preise für den Nahv erkehr.

Auf den Autobahnen Richtung Küste gab es am Samstagmittag teils kilometerlange Staus. Auf der A7 zwischen Hannover und Hamburg staute sich der Verkehr zwischen dem Dreieck Walsrode und Soltau-Ost auf 20 Kilometern Länge, wie aus Daten der Verkehrsmanagementzentrale hervorging. Eine Sprecherin der Polizei im Heidekreis sagte, dass dichter Verkehr und Baustellen die Ursache seien. Auf der Autobahn 31 staute sich der Verkehr zur Küste am Samstag vor dem Emstunnel bei Leer.

Psychisch kranker Mann blockiert A7

Am Montag war die A7 zwischen dem Dreieck Walsrode und Bad Fallingbostel stundenlang in beide Richtungen voll gesperrt. Grund war ein psychisch kranker 56-Jähriger, der mit einem Wohnwagen-Gespann in Schlangenlinien über alle drei Fahrspuren in Richtung Norden gefahren war, woraufhin andere Autofahrer die Polizei alarmierten. Die Beamten stoppten den Fahrer, konnten ihn aber nicht kontrollieren, weil der Mann einen Rottweiler im Wagen hatte, der niemanden an den 56-Jährigen heranließ. Zudem behauptete der Fahrer, dass er eine Bombe an Bord hätte. Die Polizei wartete dann auf einen Tierarzt aus dem nahe gelegenen Serengeti-Park in Hodenhagen, der den Hund betäuben sollte. Auch rund um Bremen und bei Leer kam es am Montag zu Verzögerungen auf den Autobahnen.

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Rundschau am Morgen, 7. Juni 2021, 7 Uhr