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Hochwasser in der Delme, aber nicht in der Weser: Das sind die Gründe

Darum gab es in Delmenhorst keine Überschwemmung trotz Hochwasser

Bild: dpa | Ingo Wagner

In der Region staut sich Wasser, eine Hochwasser-Warnung folgt der nächsten. Was aber sagt welche Warnstufe aus und wieso sind Bremen und Bremerhaven nicht betroffen?

Die Schneeschmelze im Harz sowie immer neue Regengüsse sorgen in den Flüssen im Bremer Umland seit Sonntag für hohe Wasserstände. Für die Delme in Delmenhorst hatten die Behörden an einigen Stellen zeitweise sogar Hochwasser-Meldestufe III ausgerufen, dann wieder die Meldestufen I und II. Doch was bedeutet das überhaupt? Wir geben Antworten auf diese und andere Fragen rund um hohe Wasserpegel im Bremer Umland:

Was besagt welche Hochwasser-Meldestufe, und wann wird sie ausgerufen?

In allen deutschen Bundesländern sowie in den europäischen Nachbarländern gibt es vier Hochwasser-Warnstufen, wie eine tabellarische Übersicht auf dem länderübergreifenden Hochwasserportal zeigt. Die Warnstufen unterscheiden zwischen kleinem, mittlerem, großem und sehr großem Hochwasser.

In Bremen und in Niedersachsen spricht man allerdings nicht von Warn-, sondern von Meldestufen. Auch unterscheiden beide Länder zwischen Hochwasser- und Sturmflut-Meldungen. Die vierte Meldestufe wird in Niedersachsen ausschließlich bei "sehr schweren Sturmfluten" an der deutschen Nordseeküste ausgerufen, in Bremen ist es faktisch nicht anders. Denn bei einer Sturmflut an der Nordseeküste drohen auch in Bremen und Bremerhaven große Wassermassen.

Zum Hintergrund: Man spricht laut Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie von einer sehr schweren Sturmflut an der deutschen Nordseeküste, wenn der Pegel den mittleren Hochwasserstand (MHW) um mehr als 3,50 Meter überschreitet. Zuletzt hat im Dezember 2013 Orkan "Xaver" eine solche sehr schwere Sturmflut an der deutschen Nordseeküste ausgelöst.

Verschiedene Flutstufen
Quelle: Quelle: Länderübergreifendes Hochwasserportal (LHP)

Zuletzt stand das Wasser in der Delme besonders hoch. Müssen sich die Menschen in Delmenhorst sorgen, dass die Stadt, wie zuletzt 2008, überschwemmt werden könnte?

Nein, sagt Timo Frers, Pressesprecher der Stadt Delmenhorst: "Das Delmenhorster Stadtgebiet wird seit dem Jahr 2015 durch ein Rückhaltebecken vor größeren Hochwasserereignissen wirksam geschützt." Aus diesem Grund bestehe kein Grund zur Sorge.

Was ist mit den Menschen im Land Bremen: Wann und wie werden sie bei Hochwasser und vor Sturmfluten gewarnt?

Ein Mitarbeiter der Stadt Delmenhorst kontrolliert im Januar 2008 den Pegel der über die Ufer getretenen Delme vor dem Gymnasium in der Delmenhorster Innenstadt.
Zwar steht das Wasser der Delme in diesen Tagen hoch. So weit wie auf diesem Foto von 2008 ist es aber nicht gekommen: Damals waren Teile Delmenhorsts überschwemmt. Bild: dpa | Ingo Wagner

Bremens Umweltressort informiere auf mehreren Wegen über potentielle Hochwassergefahren in Bremen, teilt Ressortsprecherin Ramona Schlee mit. So könne sich jeder über die Webseiten www.hochwasserrisikomanagement-bremen.de sowie www.hochwasser.bremen.de über Hochwassergefahren und aktuelle Pegelstände auf dem Laufenden halten. Überregional warne die Webseite www.sturmflutwarnungen.de vor Sturmfluten, ebenso die App "Meine Pegel", welche die Hochwasserzentralen der Bundesländer betreiben und die vom Bund betriebene Warn-App "Nina".

Kündigt sich eine Sturmflut an, werde zudem die Sturmflut- und Hochwasserzentrale (SHWZ) des Bremer Umweltressorts besetzt. Sind hohe Sturmflutwasserstände zu erwarten, bespreche die SHWZ die Lage gemeinsam mit der Feuerwehr und der Polizei. "Außerdem informieren wir in solchen Fällen die Presse und warnen die Menschen über Funk und Fernsehen", so Schlee.

Überflutete Weser am Osterdeich im Januar 2023
Die Pauliner Marsch, das Areal hinter dem Weser-Stadion, liegt vor der Hochwasserschutzlinie. Wie auf diesem Foto aus dem Januar 2023 rückt dem Gebiet das Wasser zuweilen nah. Bild: Radio Bremen | Bernadette Hasenkamp

Einige Gebiete im Land Bremen würden bei schweren Sturmfluten mit Wasserständen ab drei Metern über dem mittleren Hochwasser evakuiert: jene Gebiete, die hinter der Hochwasserschutzlinie liegen und daher überflutungsgefährdet sind. Konkret handelt es sich dabei um die Pauliner Marsch, Im Suhrfelde, den Stadtwerder und die Kleingartengebiete Rablinghausens. Bislang seien diese Gebiete im Dezember 2013 und im Februar 2022 "ohne größere Probleme" evakuiert worden, sagt Schlee.

Weshalb gab es in den kleineren Flüssen im Umland wie der Delme oder der Wümme zuletzt öfter Hochwasser-Meldungen als in der Weser bei Bremen?

Der Wasserstand in der vielfach für den Schiffsverkehr begradigten Unterweser hänge in erster Linie von der Tide ab, erklärt Stephan Levin, Geschäftsführer des Deichverbands am rechten Weserufer: "Mit 4,20 Metern am Weserwehr ist der Tidenhub bei uns so stark wie sonst nirgendwo an der deutschen Nordseeküste."

Entsprechend schnell fließe das Wasser der Bremer Weser bei Niedrigwasser in die Nordsee ab und entsprechend schnell stiegen die Pegel bei Hochwasser wieder an. Der Einfluss des Regenwassers falle nicht so stark ins Gewicht wie im Umland.

Dort flössen die Flüsse zumindest im Mittel deutlich langsamer. Und weil die Böden rings herum vom vielen Regen der vergangenen Tage und Wochen durchtränkt seien, könnten sie nur noch langsam Wasser aufnehmen. "Die Folge ist: Das Wasser bleibt auf niedrig liegenden Flächen stehen", sagt Levin dazu. Entsprechend langsam sänken die Pegel bei Niedrigwasser.  

Wie sind die Aussichten für die kommenden Tage?

Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) vermutet, dass die Wasserstände der Flüsse im Nordwesten Deutschlands noch bis Ende der Woche ziemlich hoch bleiben werden, zumal an Aller und Leine sowie am Unterlauf der Hunte. "Da es aber ab Donnerstag trocken bleiben soll, gehen wir davon aus, dass sich die Lage zunehmend beruhigen und danach vorerst keine verschärfende Hochwasserlage entstehen wird", teilt NLWKN-Sprecher Carsten Lippe mit.

Der Experte bezeichnet die aktuelle Situation als "nicht außergewöhnlich", da grundsätzlich zu jeder Jahreszeit Hochwasser auftreten könne. Allerdings sei die monatelang hohe Feuchtigkeit, die seit November zu hohen Wasserständen führe, bemerkenswert: "Ein Sturmtief jagt das nächste", so Lippe.

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Bild: Radio Bremen

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Quelle: buten un binnen.

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 13. Dezember 2023, 19.30 Uhr