Innensenator fordert Lösung für haltlose Zustände am Bremer Bahnhof

Beamte der Bremer Polizei bei Personenkontrollen am Bremer Hauptbahnhof

Innensenator fordert Lösung für haltlose Zustände am Bremer Bahnhof

Bild: Polizei Bremen
  • Senat diskutiert weiter über Probleme am Hauptbahnhof.
  • Innensenator sieht Gesundheitsressort in der Pflicht.
  • Drogenkonsumraum kommt frühestens 2024.

Rund um den Bremer Hauptbahnhof läuft in der Drogenpolitik einiges schief. Das kann jeder beobachten, der dort vorbeigeht. Drogen werden offen konsumiert, offen gehandelt, es ist dreckig und die Kriminalität wächst. So sehr, dass Bremens Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) jüngst die Polizeipräsenz ein weiteres Mal erhöhte.

Nun kündigt er an, das Thema erneut im Senat zu diskutieren. "Warum haben wir so viele Drogenabhängige hier? Das ist doch keine polizeiliche Aufgabe. Insofern wird der Senat sich am kommenden Dienstag mit dieser Frage beschäftigen", sagt Mäurer und fügt hinzu: "Ich hoffe auch, dass der Leidensdruck jetzt so groß ist, dass da jetzt Dinge möglich sind, die man bisher nicht gewagt hat." Welche Dinge das konkret sein könnten, lässt er noch offen.

Gemeinsames Sicherheitskonzept wurde im Januar vorgestellt

Eigentlich sollte es rund um den Bahnhof bereits weniger Drogenkriminalität geben. Im Januar hatten Innen-, Sozial-, Gesundheits- und Bauressort ein gemeinsames Sicherheitskonzept für den Bahnhof vorgestellt. Insgesamt sollten zwei Millionen Euro unter anderem für mehr Sozialarbeiter und sanitäre Anlagen bereitgestellt werden. Mäurer ging damals davon aus, dass man bereits in wenigen Monaten positive Veränderungen sehen würde.

Doch der Sommer kam und die Probleme mit Drogenkranken am Hauptbahnhof wurden schlimmer. Als erstes wurde die Fußgängerbrücke am Gustav-Detjen-Tunnel gesperrt, weil sie von Drogenkranken in Beschlag genommen worden war.

Gleichzeitig wurde ein wichtiger Baustein des Sicherheitskonzeptes auf die lange Bank geschoben: der Drogenkonsumraum an der Friedrich-Rauers-Straße. Mit diesem Drogenkonsumraum inklusive medizinischer Versorgung und Essensausgabe sollte ein Teil der Drogenszene vom Bahnhof weggelockt werden. Doch daraus wird erstmal nichts, wie Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke) auf Nachfrage erklärt: "Der Bau des Drogenkonsumraums wird mindestens noch bis 2024 dauern. Das ist sehr schade, aber die Verzögerungen sind unter anderem auch aufgrund der Baustoffkrise leider nicht zu ändern."

Neues Parkhaus am Busbahnhof geschlossen

Doch ohne solche Angebote jenseits des Bahnhofs wird die Zahl der Drogenkranken am Bahnhof offenbar immer größer. Jüngst schloss der Innensenator kurzzeitig sogar das neue Parkhaus am Busbahnhof. Der Grund: Drogenkranke und Wohnungslose hatten sich dort niedergelassen und den Bau massiv verschmutzt.

Die Gesundheitssenatorin wirbt für Geduld. Auch wenn es noch keinen Drogenkonsumraum gebe, habe ihr Ressort bereits zahlreiche Maßnahmen auf den Weg gebracht. Unter anderem sei der Einsatz von muttersprachlichen Streetworkern vielversprechend.

All das wird jetzt mittelfristig auch einen Effekt haben.

Claudia Bernhard (Linke), Gesundheitssenatorin Bremens

Auf der Rückseite des Bahnhofs hören Anwohner solche Aussagen mit Skepsis. Kay Middendorf und Ralph-Matthias Schoth wohnen neben dem Nelson-Mandela-Park. Der würde jetzt fast ausschließlich von Drogenkranken und Wohnungslosen genutzt. "Für mich ist der Park mittlerweile ein gesperrter Bereich. Auch tagsüber gehe ich hier nur noch sehr ungern durch", sagt Ralph-Matthias Schoth. Sein Nachbar Middendorf sitzt für die CDU im Beirat Schwachhausen. Er fügt hinzu: "Für mich passiert einfach zu wenig. Seit Jahren verschärft sich die Lage. Der Beirat ist sich einig, dass diese Zustände hier im Park unhaltbar sind."

Die Situation rund um den Bahnhof hat sich trotz des Sicherheitskonzeptes des Senats seit Januar nicht merklich entschärft. Am kommenden Dienstag soll erneut nach einer Lösung gesucht werden.

Drogenszene: So schlimm ist es im Umfeld des Bremer Hauptbahnhofs

Bild: Radio Bremen

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Autor

  • Hauke Hirsinger Autor

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 29. Oktober 2022, 9 Uhr