Schlappe für Werder: DFL gibt 100 Prozent der Polizeikosten weiter

Es kam wie erwartet: Werder ist der Verlierer der DFL-Mitgliederversammlung und muss die Polizeimehrkosten alleine tragen. Der Verein will nun Rechtsmittel einlegen.

Klaus Filbry stützt bei der Mitgliederversammlung nachdenklich den Kopf auf seine Hände.
Für Werders Geschäftsführer Finanzen, Klaus Filbry, steht fest: "Wir werden die Rechnungen nicht zahlen." Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Im Streit um die Mehrkosten für Polizeieinsätze bei sogenannten Hochrisikospielen hat Werder Bremen am Dienstag die erwartete Niederlage kassiert. Auf der Mitgliederversammlung der Deutschen Fußball Liga (DFL) wurde entschieden, dass Werder die Kosten von 1,17 Millionen Euro in voller Höhe tragen muss. Das teilte die DFL in einer Pressemitteilung mit.

32 von 34 in Neu-Isenburg anwesenden Klubs der Bundesliga und 2. Bundesliga (nur die Vertreter der Zweitligisten Hannover 96 und VfL Osnabrück fehlten) unterstützten in geheimer Abstimmung einen entsprechenden Grundsatzbeschluss des DFL-Präsidiums – bei einer Enthaltung (RB Leipzig) und einer Gegenstimme. Künftig fällig werdende Gebührenbescheide sollen demnach in gleicher Weise behandelt werden. Ein wie auch immer geartetes Fonds-Modell steht für die DFL weiterhin nicht zur Debatte, hieß es weiter in der Mitteilung.

Werder will nun Rechtsmittel einlegen

Eine Reihe von Polizisten, die sich am Rande des Weser-Stadions vor einem Werder-Spiel formieren.
Bei sogenannten Hochrisikospielen sind mehr Polizisten im Einsatz als gewöhnlich – mitunter muss die Verstärkung aus anderen Bundesländern kommen. Bild: Andreas Gumz

Werder Bremen hatte auf eine solidarische Beteiligung an den Auslagen durch eine Kosten-Drittelung, auf "eine "angemessene Teilung" gehofft. Die Bremer forderten die anderen Klubs auf, gegen die Umlegung aller Auslagen auf Werder zu stimmen. Dies würde die "Solidargemeinschaft erschüttern". Die Hanseaten schlugen stattdessen vor, die Kosten auf Werder, die DFL und den jeweiligen Gastverein zu verteilen. Das wurde von der Versammlung jedoch abgelehnt. "Wir haben heute gegenüber Werder Bremen von dem Solidarprinzip, das viele Klubs in den letzten Monaten immer wieder gepredigt haben, nicht viel gesehen", erklärte Werder-Präsident Hubertus Hess-Grunewald enttäuscht. Werder kündigte an, juristisch gegen die Entscheidung vorzugehen.

Der Ausgang der Abstimmung war absehbar. Jetzt sind wir auf die nächsten Schritte der DFL gespannt, wie der finanzielle Transfer vollzogen werden soll. Um die Interessen von Werder zu vertreten, wird uns wohl nichts anderes übrig bleiben als den Rechtsweg zu beschreiten. Wir hätten diese Situation gerne vermieden. Aber wir müssen alles dafür tun, dass der Schaden, den das Land Bremen uns aufbürdet, so gering wie möglich ausfällt.

Werders Geschäftsführer Finanzen, Klaus Filbry

Die DFL hatte im September die Gebührenbescheide des Landes Bremen für vier Werder-Partien in Höhe von 1,17 Millionen Euro mit großem Widerwillen beglichen. Die Hälfte der Gesamtsumme wurde Werder gleich in Rechnung gestellt. Wer die anderen 584.000 Euro bezahlen soll, war bisher noch ungeklärt.

Stundung der zweiten 50 Prozent bis Prozessende

Trotz der Entscheidung zu Ungunsten der Bremer muss der Klub nicht sofort die zweite Hälfte zahlen. Die Begleichung der Rechnung wurde bis zur endgültigen rechtlichen Klarheit gestundet. Die DFL wird vor das Bundesverfassungsgericht ziehen.

Werder war wie erwartet gescheitert, auf dem Klub kommen damit weitere Kosten zu. Bremens Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) hat bereits angekündigt, dass er weitere Rechnungen schicken wird. Drei Bescheide in Höhe von 1,12 Millionen Euro sind bereits in Arbeit – ganz abgesehen von Gebühren für kommende Partien.

Mäurer will Fonds-Modell dennoch vorstellen

Dass diese Praxis rechtens ist, hatte das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig Ende März festgestellt. Deshalb denken andere Bundesländer darüber nach, dem Beispiel Bremens zu folgen. Ab Mittwoch treffen sich die Innenminister in Lübeck. Dort wird sich zeigen, ob neben Rheinland-Pfalz noch weitere Länder auf den Bremer Kurs einschwenken.

Mäurer und sein rheinland-pfälzischer Kollege Roger Lewentz (SPD) fordern nach wie vor die Einrichtung eines Fonds durch den Profifußball. Das lehnen die meisten Klubs, die nicht für die Fanprobleme ihrer Konkurrenten zahlen wollen, aber strikt ab.

Mäurer: "Man möchte versuchen, die Politik zu erpressen"

Ulrich Mäurer im Interview.

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Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 3. Dezember 2019, 18:06 Uhr