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Vergessenes Hausmittel: Wie Gurgeln gegen Coronaviren helfen kann

Eine Frau mit einer Spülung zum Gurgeln (Symbolbild)
Gurgeln mit geeigneten Substanzen empfehlen Experten zur Prävention von COVID-19. Bild: Imago | Jochen Tack

Schnell gemacht, keine Nebenwirkungen, ziemlich wirksam: Gurgeln klingt nach einem Wundermittel. Bremer Experten erklären, wo der Haken dabei ist.

Was hilft am besten gegen die Verbreitung des neuartigen Coronavirus? Der bekannte Hygienemediziner Klaus-Dieter Zastrow betont in Interviews immer wieder: Seiner Ansicht nach könne man vieles öffnen, wenn nur die Bevölkerung richtig gurgeln und Mund-Nasen-Schutz tragen würde. Doch wie wirksam ist das Gurgeln tatsächlich?

Kann Gurgeln eine Infektion mit dem Coronavirus verhindern?
"Bestimmte Lösungen können die Viruslast im Rachenraum stark reduzieren. Dabei handelt es sich aber nur um freie Viren, nicht um solche, die in den Schleimhautzellen sitzen", sagt Peter Walger, Vorstandssprecher der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH). Die DGKH hatte im Dezember eine Empfehlung zum Gurgeln herausgegeben. In Studien hatte sich gezeigt, dass bestimmte Mundwässer mit ätherischen Ölen, aber auch Grüner Tee, Granatapfel- und Aroniasaft die Viruslast zum Teil stark verringern können. Die mit ätherischen Ölen versetzten Mundwässer erwiesen sich dabei gegenüber den genannten Getränken als wirksamer. Allerdings handelte es sich dabei um Studien, in denen die Wirkung der Stoffe gegen das Coronavirus im Labor getestet wurde. Studien zur Wirkung dieser Stoffe bei Einnahme durch Menschen (Anwendungsstudien) sind derzeit noch in Arbeit. "Das Gurgeln ist immer ein Add-on. Es kann nicht als Maßnahme alleinstehen. Dazu gibt es zu viele Fragezeichen", sagt Walger. Es sei jedoch eine simple Maßnahme ohne Nebenwirkungen, die jeder selbst durchführen könne, so die Argumente der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene für das Gurgeln. Gurgeln sei in asiatischen Ländern wie Japan sehr gängig und auch in Deutschland als Vorbeugung vor Erkältungen eingesetzt worden, hier aber offenbar aus der Mode gekommen.
Welchen Stellenwert hat Gurgeln im Vergleich zu anderen Schutzmaßnahmen?
"Das Gurgeln ist eine unterstützende Maßnahme, aber man darf sie nicht überbewerten. Der hintere Rachenbereich, wo auch der Abstrich genommen wird, ist damit nicht erreichbar. Ein Mund-Nasen-Schutz ist besser geeignet um zu verhindern, dass Viren aufgenommen werden", sagt der Bremer Virologe Andreas Dotzauer.

Der Bremer Epidemiologe Hajo Zeeb vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie (BIPS): "Wenn man als Träger eines Virus richtig gurgelt, kann sich offenbar die Viruslast ganz erheblich senken, teilweise sogar um 99 Prozent. Sogar grüner Tee hat antivirale Wirkung. Deshalb haben wir der Bildungsbehörde empfohlen, Kinder in Kitas nach Anleitung damit gurgeln zu lassen. Doch auch Zeeb sieht im Gurgeln mit geeigneten Mitteln eine Maßnahme von vielen. "Das Gurgeln ist ein Beitrag, der aber nicht allein stehen kann. Wenn man sich anschaut, was die Staaten gemacht haben, die bei der Pandemie-Eindämmung erfolgreich waren, dann zeigt sich, dass es andere Maßnahmen waren."
Wie und womit sollte man gurgeln?
Wichtig ist das richtige Gurgeln, da sind sich die Experten einig. Die DGKH empfiehlt es dreimal täglich, zumindest aber morgens und abends. Geeignet seien Kochsalzlösung, Mundwässer mit dem Inhaltsstoff Menthole (Produktbeschreibung beachten), aber auch Grüner Tee. Die Kochsalzlösung kann man selbst herstellen, indem man einen gestrichenen Teelöffel Kochsalz in 100 Milliliter warmem Wasser auflöst. Laut Empfehlung solle man die Füllmenge eines Schnapsglases in den Mund nehmen, jeweils vor dem Einatmen das Gurgeln unterbrechen und das Ganze drei Minuten lang wiederholen.

Zudem kann das Spülen nur kurzfristig wirken. Etwa eine halbe Stunde bis eine Stunde, schätzt DGKH-Sprecher Walger. Danach seien wieder in den Zellen produzierte Viren vorhanden. So erklärt es auch Virologe Andreas Dotzauer: "Den Mitteln sollte man eine gewisse Einwirkzeit von 20 bis 30 Sekunden zugestehen. Damit erreicht man dann Viren, die sich auf der Oberfläche der Schleimhaut befinden. So kann man kurzfristig erreichen, dass die Viruslast reduziert wird. Die Viren können sich aber wieder nachbilden."

Daher empfehlen die Krankenhaushygieniker vor allem kurz vor Arztbesuchen oder anderen Treffen als zusätzliche Maßnahme zu gurgeln. "Man muss aber bei allen Schutzmaßnahmen immer die Bündelstrategie beachten", erklärt Walger, "denn keine allein ist zu hundert Prozent sicher." Als Bündelstrategie gilt das Nebeneinander von Abstand halten, Mundschutz tragen, Händewaschen, regelmäßiges Testen und Lüften in Innenräumen.
Wird das Gurgeln auch vom Bremer Gesundheitsamt empfohlen?
In Bremen gibt es bisher keine Empfehlung vom Gesundheitsamt an die Bürger, ließ das Gesundheitsressort auf Anfrage mitteilen. Epidemiologe Hajo Zeeb hat mit seinem Team eine Anleitung erarbeitet, wie in Kitas mit Grünem Tee gegurgelt werden könnte. "Der Tee hat keine Nebenwirkungen und das Gurgeln könnte man ganz spielerisch aufziehen", erklärt Zeeb die Idee dahinter. Verbindlich sind solche Empfehlungen allerdings nicht. Dass das Gurgeln nicht stärker politisch forciert wird, könnte schließlich auch daran liegen, dass sich kaum überprüfen lässt, ob sich die Bevölkerung daran hält — ganz im Gegensatz zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes oder dem Vorweisen eines negativen Coronatests.

Autorin

  • Verena Patel Redakteurin und Moderatorin und Autorin

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 3. Juni 2021, 23:30 Uhr