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Parteienexperte: "Grüne werden wahrscheinlich Verlierer der Wahl sein"

So bewertet ein Politologe die Umfrage zur Bürgerschaftswahl

Bild: Radio Bremen

Vier Wochen vor der Wahl prognostiziert eine repräsentative Umfrage einen SPD-Wahlsieg. Politologe Lothar Probst schätzt das Ergebnis ein – und hat keine guten Nachrichten für die Grünen.

Herr Probst, ist bei diesen Ergebnissen etwas dabei, was Sie nicht erwartet hätten?

Nein, wirklich überraschend ist das Ergebnis der Umfrage nicht. Dass die SPD wahrscheinlich wieder die stärkste Partei wird, habe ich schon erwartet, nicht zuletzt dank des Bovenschulte-Faktors, das ist ein politisches Schwergewicht. Damit kann die SPD punkten. Was aber doch erstaunlich ist, ist dass die CDU – obwohl sie mit ihrem Spitzenkandidaten nicht so stark punkten kann – in Schlagdistanz zur SPD bleibt. Anderer Punkt, der mich ein bisschen überrascht hat, ist das Abschneiden der FDP. Wir hatten andere Umfragen, die sahen die FDP schon draußen.

Das ist noch gar nicht so lange her, einen Monat...

Offensichtlich hat die FDP hier einen offensiven und aggressiven Wahlkampf gemacht, der sich jetzt bezahlt gemacht hat. Im Bund hat sie sich ein bisschen freigeschwommen, nicht zuletzt durch die Abgrenzung von den Grünen. Das macht die FDP hier in Bremen auch, das scheint ihr gut zu bekommen.

Die Grünen kommen nicht so richtig vom Fleck. Woran liegt's?

Da haben wir gleich eine ganze Reihe von Punkten, warum es bei den Grünen nicht so rund läuft im Moment. Die Spitzenkandidatin wird schlecht bewertet, das wissen wir auch aus anderen Umfragen. Aber auch die Arbeit der Grünen im Senat ist am schlechtesten bewertet worden, da wird selbst die Arbeit der beiden Linken-Senatorinnen besser bewertet. Auch die Themen greifen nicht so wirklich – in der Umfrage jetzt konnte man lesen, dass die Mehrheit der Bremerinnen und Bremer gegen Tempo 30 in der ganzen Stadt ist. Die meisten – selbst die Fußgänger, das hat mich am meisten überrascht – sind dagegen. Die Grünen wollen das, das steht in ihrem Wahlprogramm. Also es läuft nicht so richtig gut für die Grünen, sie sind unter den drei Parteien, die in der jetzigen Senatskoalition sind, diejenigen, die schwächeln und die wahrscheinlich die Verlierer der Wahl sein werden.

Die Linke kommt zwar mit deutlichen Verlusten im Vergleich zu 2019 daher, hält sich aber recht stabil. Liegt es da an den Bundesstreitigkeiten oder sind das hausgemachte Fehler, weshalb sie so absacken?

Ich glaube, es ist in erster Linie der Bundestrend. Die Leute wissen einfach nicht, wohin die Linke will. Natürlich bemüht sich die Linke hier in Bremen, sich freizuschwimmen und zu sagen: 'Wir machen hier einen Landeswahlkampf, wir haben mit der Partei auf Bundesebene im Moment nicht so viel zu tun'. Aber das nutzt letzten Endes doch nicht so stark, wie man das hätte hoffen können. Aber die beiden Senatorinnen stehen relativ gut da, gelten als wenig ideologisch, als pragmatisch. Von daher ist für die Linke vielleicht etwas mehr drin, als die Umfrage zeigt.

Wenn man auf mögliche Koalitionen blickt, wäre nach den Zahlen der Umfrage sogar ein rot-grünes Bündnis möglich, mit einer hauchdünnen Mehrheit allerdings. Glauben Sie, dass das auch das angestrebte Bündnis dann wäre? So dicke sind die ja gar nicht miteinander, wie man hört.

Nein, es gibt in der Koalition ja auch den ein oder anderen Konflikt, vor allen Dingen zwischen der SPD und den Grünen, das ist bekannt. Aber auch die Linke und die Grünen waren sich nicht immer ganz grün. Von daher wird man sehen, wie das ganze ausgeht. Ich vermute trotzdem, es kommt zu einer Neuauflage der Links-Koalition aus den drei Parteien. Wenn es ganz knapp werden sollte, nimmt man wahrscheinlich vorsichtshalber wieder die Linke dazu, das kommt auch der SPD entgegen, die haben mit den Linken eigentlich besser zusammengearbeitet als mit den Grünen.

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Autor

  • Felix Krömer
    Felix Krömer

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 20. April 2023, 19.30 Uhr