Interview

Ist die Bremer Gasversorgung gesichert? SWB-Chef gibt keine Garantie

Bild: Radio Bremen

Der Vorstandsvorsitzende der SWB, Torsten Köhne, rechnet im buten-un-binnen-Interview mit stark steigenden Preisen. Bremerinnen und Bremer sollten jetzt Gas sparen.

Russland drosselt die Gaslieferungen seit mehr als einer Woche, Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hat nun die Notfallstufe 2 des Notfallplans Gas ausgerufen. Auch für die Bremerinnen und Bremer heißt das: Gas sparen, wo es nur geht. Der Vorstandsvorsitzende der SWB Torsten Köhne erklärt, wie die aktuelle Lage ist und worauf sich Bremen einstellen muss.

Herr Köhne, wie ernst ist die Lage?
Es ist schon ein bisschen ernster. Ich glaube nicht, dass es ein Grund ist, in Panik zu verfallen. Aber wir sollten uns jetzt ein Herz fassen und die Vorbereitungen für das, was wir Gasmangellage nennen, verschärfen. Im Moment ist die Versorgung nicht gefährdet und es wird mehr Gas nach Deutschland geliefert, als verbraucht wird. Es ist aber auch Sommer, das heißt, es wird in Speicher eingelagert. Aber was da eingelagert wird, ist im Moment nicht so viel, dass die 90 Prozent, die wir zum Herbst haben wollen, erreicht werden. Deswegen heißt es jetzt: Gas sparen!
Was heißt das für Sie als Energieversorger? Ich nehme an, Sie kaufen sehr teuer ein und auch nicht so viel wie sonst?
Wir kaufen mindestens für unsere Privatkunden über längere Zeiträume rollierend ein – also jeden Monat ein bisschen. Wir haben bei den Mengen, die wir jetzt liefern, noch günstigere und teure Mengen in unserem Liefer-Portfolio. Das bedeutet auch, dass die teuren Mengen über die Zeit immer mehr werden, weil die Preise sehr massiv gestiegen sind. Man kann sagen im Vergleich zum letzten Jahr um diese Zeit ungefähr versechsfacht, wenn man den Preis von dieser Woche nimmt. Das heißt, es kommen immer mehr teurere Mengen rein und das führt natürlich dazu, dass der Preis hochgeht. Im Moment sind aber auch noch günstigere Mengen drin, so dass wir preislich noch relativ gut unterwegs sind. Das wird aber hochgehen.
Da sind wir bei den Konsequenzen für die Kundinnen und Kunden. Wird auch die SWB mit ihren Preisen hochgehen müssen? In welcher Größenordnung bewegen wir uns da?
Wir machen jetzt zum 1. Juli eine Preisanpassung von 20 Prozent, die wir im Frühjahr angekündigt haben. Das ist im Bundesvergleich wenig, unser Gaspreis gehört zu den sehr günstigen im Bundesgebiet. Es ist absehbar, dass irgendwann im Winter, ich kann nicht genau sagen wann, eine Preisanpassung nochmal notwendig ist. In welcher Höhe kann man nicht sagen. Aber ich habe eine ganz grobe Vermutung: Die ist auf jeden Fall nicht weniger als bei der letzten, sondern da reden wir wirklich über massive Preissteigerungen.
Was sollen die Menschen jetzt machen, die das auf sich zukommen sehen?
Ich glaube, da muss man erstmal konstatieren: Da hilft nicht so richtig viel. Aber ein ganz wesentliches Thema ist Erdgas sparen. Das machen wir und das macht das Land auch insgesamt, indem die Bundesregierung dafür Sorge getragen hat, dass die Verstromung von Erdgas weniger wird. Also Gaskraftwerke laufen nicht – auch bei uns. Dafür laufen die Kohlewerke länger. Zum Beispiel unser Erdgas-Kraftwerk in Mittelsbüren wird auch weniger laufen, wenn es überhaupt läuft. Wir machen also mehr Gas frei aus der Verstromung und füllen es stattdessen in die Speicher füllen.

Und ich glaube jeder einzelne ist gefordert. Das geht nur gemeinsam, da müssen wir wirklich alle zusammenstehen. Das ist keine Frage von arm oder reich, Privat oder Gewerbe, sondern da geht es wirklich darum, im ganzen Land Gas zu sparen. Und das heißt eben auch zu versuchen, zu Hause, insbesondere was die Temperatur angeht, seinen Teil zu tun. Weniger Verbrauch ist das eine. Das andere ist: Es ist absehbar, dass die nächste Gasrechnung, also irgendwann die Jahresschlussrechnung, deutlich höher wird. So blöd das auch klingen mag: Es wäre gut, wenn man das zurücklegt, was man zurücklegen kann, um da Vorsorge zu treffen.
Ist die Gasversorgung im Winter in Bremen gesichert?
Das kann ich Ihnen nicht sagen.

Politik befürchtet weitreichenden Gasmangel im Herbst und Winter

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Autor

  • Felix Krömer

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 23. Juni 2022, 19:30 Uhr