Kohlekraftwerk in Bremen-Hastedt bleibt wohl über 2023 hinaus am Netz

Das Kohlekraftwerk in Bremen-Hastedt an der Weser.

Kohlekraftwerk in Bremen-Farge soll Reserve gegen Gasknappheit bieten

Bild: DPA | Sina Schuldt
  • Bundeswirtschaftsminister Habeck berät mit Energieministern der Länder
  • SWB: "Gehen davon aus, dass Kohlekraftwerk länger in Betrieb bleibt"
  • Vom Netz gegangene Kohlekraftwerke könnten auf andere Energieträger umgestellt werden

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hat mit den Energieministern der Länder darüber diskutiert, wie in der Industrie Gas eingespart werden kann. Mit dabei war Bremens zuständige Senatorin Maike Schaefer (Grüne). Endgültig beschlossen wurde nichts. Besprochen wurden zwei Maßnahmen, die die Unternehmen direkt umsetzen könnten. Oberste Priorität sei, dass die Gasspeicher bis zum Herbst gefüllt sind, so Schaefer.

Kohlekraftwerke sollen notfalls Energieproduktion sichern

Es gehe erstmal um Energieeinsparung, aber auch darum, ob die Unternehmen Gaskontingente austauschen können, sagte sie. Sicher ist bisher, dass Kohlekraftwerke, auch wenn sie vom Netz gehen, nicht mehr demontiert werden, sondern eine Reserve zur Energieproduktion sind, falls das Gas knapp wird.

So wird das Kohlekraftwerk in Bremen-Farge im Oktober vom Netz gehen. Danach soll es in diese Reserve eingehen, teilt eine Sprecherin des Betreibers Onyx mit. Wie das dann genau aussieht, könne jetzt noch nicht gesagt werden, sagte die Sprecherin, da die Pläne hierzu und das entsprechende Gesetz noch in Arbeit seien.

Neues Gesetz soll Gas-Reserve regeln

Das entsprechende Gesetz hat den sperrigen Titel "Ersatzkraftwerkebereitstellungsgesetz" und soll regeln, dass Kraftwerke, die 2022 und 2023 stillgelegt werden sollten, in eine Reserve überführt werden. "Diese soll aktiviert werden, wenn eine Gasmangellage droht, damit möglichst wenig Gas verstromt wird und für andere Verbraucher verfügbar bleibt" sagt die Onyx-Sprecherin.

Klar sei aber, dass man sich darauf vorbereite mit dem Kraftwerk "einen Beitrag zur Aufrechterhaltung der Versorgungssicherheit zu leisten", sagt die Onyx-Sprecherin. Das werde dann nicht mit Kohle geschehen.

Bundesnetzagentur entscheidet über Energieeinsparungen

Das SWB-Kohlekraftwerk in Bremen-Hastedt wird dagegen planmäßig erst Ende 2023 vom Netz gehen. "Bis dahin haben wir jetzt eineinhalb Jahre Zeit", sagte Schaefer. Die SWB bereitet sich aber darauf vor, dass das Kraftwerk über 2023 hinaus am Netz bleibt.

Wir haben für das Kohlekraftwerk in Bremen-Hastedt bis Ende 2023 sehr konkrete Planungen. Wir gehen aber derzeit davon aus, dass es noch länger in Betrieb bleiben wird.

Friedhelm Behrens, Pressesprecher SWB

Über konkrete Energieeinsparungen entscheidet letztlich aber die Bundesnetzagentur. "Die gucken sich natürlich an, was ganz wichtige Industriezweige sind, was kritische Infrastruktur ist. Zum Beispiel eine Arzneimittelproduktion steht da ganz weit oben", sagte Schaefer.

Erneuerbare Energien schneller ausbauen

Aber auch die Lebensmittelproduktion gehört dazu. Das betrifft in Bremen zum Beispiel das Deutsche Milchkontor. Das Unternehmen produziert nach eigenen Angaben energieintensiv und verbraucht viel Gas. Man sei im Austausch mit der Politik und mit den regionalen Netzbetreibern. Aktuell gebe es aber keine Versorgungsengpässe.

Niedersachsens Energieminister Olaf Lies (SPD), Vorsitzender der Energieminister, betonte nach dem Treffen, erneuerbare Energien müssten schneller ausgebaut werden. Eine Rückkehr zur Kernkraft will er auf keinen Fall.

Muss auch Bremen länger auf Energie aus Kohle setzen als gedacht?

Bild: Radio Bremen

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Rundschau am Morgen, 21. Juni 2022, 7 Uhr