Fragen & Antworten

Wind- und Solarkraftwerke für zu Hause – lohnt sich das in Bremen?

Ein Mann steht auf einem Balkon neben einer Solarplatte für die Stromgewinnung.

Solaranlage für den Balkon, was bringt es, wie geht es?

Bild: Radio Bremen | Carolin Henkenberens

Die Nachfrage nach kleinen Solarkraftwerken ist bleibend hoch. Auch Mini-Windräder sollen den Geldbeutel schonen. Welche Vorteile die Stromalternativen haben – und wo es hakt.

Wer sich gerade vor den steigenden Energiepreisen schützen möchte, kommt schnell auf die Idee, selbst Strom zu produzieren – sei es mit Sonnen- oder Windkraft. Beide Mini-Anlagen sind schnell installiert.

Welche Alternativen zum Strom aus der Steckdose gibt es?
Umweltfreundlicher Strom kann beispielsweise aus Sonnen- oder Windenergie gewonnen werden. Gerade steckerfertige Solaranlagen, auch Balkonkraftwerke genannt, erleben aktuell einen regelrechten Hype. Dabei handelt es sich um kleine Photovoltaikanlagen (PV) mit geringerer Leistung bis zu 600 Watt. Die kann man an die Steckdose anschließen und so Strom in das eigene Energienetz einspeisen. Doch auch die Energie des Windes kann genutzt werden. Die sogenannten Mini-Windräder können aufs Dach montiert oder einfach in den Garten gestellt werden und verwandeln Wind in Strom.
Was sind die Vorteile von Mini-Solarpaneelen auf dem Balkon?
Zu aller erst: Sie können die Stromkosten senken. Das lohne sich ziemlich oft, sagt Heinfried Becker vom Bremer Energiekonsens. Man müsse allerdings zwei Dinge beachten: Wie viel Strom verbraucht man überhaupt und wo kann die Anlage stehen? Ein Anhaltspunkt dafür, ob man in einer günstigen Lage wohnt, kann das Solarkataster Bremen und Bremerhaven geben.

"Unter der Voraussetzung, dass Geräte dann betrieben werden, wenn die Sonne scheint, lässt sich die Jahresrechnung um etwa 400 bis 600 kWh reduzieren", erklärt die Bremer Verbraucherzentrale. Damit kann man im Schnitt so 75 bis 150 Euro im Jahr einsparen, je nach Stromverbrauch und Standort der Anlage natürlich, erklärt Heinfried Becker vom Bremer Energiekonsens. Bei Anschaffungskosten von bis zu 1.200 Euro und weiter steigenden Stromkosten, kann sich so eine Anlage schon nach wenigen Jahren rechnen.
Auch ein Vorteil für Mieter: Man kann die zimmertürgroßen Anlagen bei einem Umzug mitnehmen.
Welche Nachteile oder Probleme sind bekannt?
Momentan gibt es bei vielen Anbietern im Internet lange Lieferzeiten und ausgebuchte Wartelisten beim Fachhändler. Denn die Module kommen nur schubweise, erklärt Heinfried Becker, Bremerhavener Leiter des Energiekonsens. Man könne also Glück oder Pech haben. Genaue Lieferzeiten kann und will aus der Branche niemand nennen. Es komme halt auch darauf, was man kaufen möchte und woher die Einzelteile kommen.

Der Anschluss der Anlagen kostet ebenfalls Geld. Die Netzbetreiber wie die swb verlangen, dass man für das Anschließen einen bestimmten Stecker verwendet, der nur von Elektrofachleuten installiert werden darf. Das sehen Balkonkraftwerk-Hersteller aber anders, was dazu führt, dass viele Leute ihre Anlagen einfach nicht beim Netzbetreiber anmelden, obwohl man das eigentlich muss, so die Verbraucherzentrale.

Für Bremer auch ein Nachteil: Es gibt (noch) keine kommunale Förderung in Bremen. Dennoch sind Mini-Solaranlagen ein Thema für die Bremer Politik. Dort überlege man momentan, ob beispielsweise eine Förderung für Wohnungsbaugesellschaften möglich ist. In Niedersachsen ist man da schon weiter: In Braunschweig wurden Mini-Solaranlagen mit bis zu 400 Euro gefördert, in Oldenburg mit 300 Euro.
Was sind die Vor- und Nachteile von Mini-Windkraftwerken?
Aus Wind Energie zu machen klingt einfach, wirklich praktikabel ist es aber nicht. Viele Mini-Windräder lohnen sich im privaten Rahmen finanziell nicht. Die erzeugte Strommenge ist zu gering, um die Anschaffungs- sowie Nutzungskosten zu decken. Gerade für Reihenhäuser sind sie nicht geeignet, da es große Abstandsregelungen zu Nachbarhäusern gibt, so die Bremer Verbraucherzentrale.

"Regelmäßig führen Kleinwindanlagen zu Rechtsstreitigkeiten mit Nachbarn, die sich durch Schlagschatten oder Windgeräusche gestört sehen", gibt Inse Ewen, Energieberaterin der Bremer Verbraucherzentrale zu bedenken. Wer aber ein großes Grundstück hat, könne solche eine Anlage nach Genehmigung aufstellen und die natürliche Ressource Wind in Strom verwandeln. Dabei ist das Ergebnis allerdings sehr vom Wind und dem richtigen Standort abhängig.
Was muss bei der Montage von Mini-Solarkraftwerken beachtet werden?
Balkon-Solaranlagen können nicht nur auf Balkonen, sondern auch an Häuserwänden, auf Carports oder einfach auf dem Rasen aufgestellt werden. Dabei müssen Mieter allerdings beachten, dass manche bauliche Veränderungen im Mietvertrag untersagt sind. Der Vermieter sollte also informiert werden, auch weil möglicherweise der Stromzähler ausgetauscht werden muss, rät die Verbraucherzentrale.

Auch darf der Verkehr, beispielsweise durch Spiegelungen, nicht gefährdet werden. Ebenfalls darf die Anlage für Kinder nicht einfach zugänglich sein.
Wie melde ich meine steckerfertige PV-Anlage richtig an?
Die Nutzung von Mini-PV-Anlagen ist an bestimmte Regelungen gekoppelt. Nach dem Anschluss durch Fachpersonal an das Hausnetz muss ebenfalls ein Zweirichtungszähler installiert werden. Dieser misst die Strommenge, die ins öffentliche Stromnetz eingespeist wird und gleichzeitig wird die Strommenge erfasst, die aus dem Stromnetz verbraucht wird. Des Weiteren muss das kleine Balkonkraftwerk auch beim Netzbetreiber swb und dem Marktstammsatenregister der Bundesnetzagentur angemeldet werden.
Versicherung: Was muss ich beachten?
Durch die kleinen Einspeiseanlagen, da wo der Strom aus der Sonnenenergie in das eigene Stromnetz gelangt, kann in seltenen Fällen, eine erhöhte Brandgefahr bestehen. Mieter sowie Eigentümer sollten sich vor der fachgerechten Installation bei ihrer Versicherung schlau machen, ob und in welchen Fällen die neu angebrachte Solaranlage auch in der privaten Haftpflicht- oder Hausratsversicherung eingeschlossen ist.
Wie kann man mit der Balkonsolaranlage noch mehr Geld sparen?
Wer eine Balkon-PV-Anlage besitzt, sollte darauf achten, seine Geräte tagsüber zu laden, denn dann fließt die Sonnenengerie direkt in die Geräte, so Inse Ewen von der Verbraucherzentrale.

Um überhaupt zu wissen, wie viel Strom am Tag (oder in der Nacht) verbraucht wird, hilft es morgens und abends die Zählerstände zu notieren und auszurechnen, wann wie viel Strom verbraucht wird. Mit einer Mini-PV-Anlage kann es auch ratsam sein seine Wasch- oder Spülmaschine tagsüber anzustellen, wenn die Sonne scheint.

Autorin

Dieses Thema im Programm: Bremen Vier, Bremen Vier Läuft, 27. Juli 2022, 14:40 Uhr