Fast 1.000 Jahre alt – kennen Sie diese Fakten über Bremens Sögestraße

Bremens bekannteste Einkaufsstraße blickt auf eine lange Geschichte zurück. Wo heute Geschäfte sind, hielten früher Bäcker und Brauer Kühe und Schweine.

1 Der Name

Der Name Sögestraße stammt noch aus dem Mittelalter. "Sög" heißt auf Hochdeutsch "Sau". Die Sögestraße wird im Jahr 1261 erstmals urkundlich erwähnt, zunächst als "patea porcorum", ab 1306 als "Soghestrate". Damals wohnten Bäcker und Bierbrauer in der Straße, die mit ihren Abfällen Schweine füttern und daher kostengünstig züchten konnten.

Dazu heißt es in einem historischen Abriss zur Sögestraße von Marie Lindemann in den Mitteilungen der Handelskammer von 1958: "… man weiß, dass diese Viehhaltung dem Hohen Rat der Stadt viel Sorge bereitete. Schweinekoben standen unter den Fenstern auf der Straße, die Borstentiere waren nicht auf Sauberkeit dressiert, sie brauchten ihren Auslauf, und die Straßen befanden sich daraufhin in einem entsprechenden Zustand."

Darüber hinaus seien bis zum Jahr 1781 die Schweine aus dem Landgebiet, insbesondere von der Bürgerweide durch das Herdentor und die Sögestraße zum Schweinemarkt zwischen Markt, Domshof und Domsheide getrieben worden. "Das war die kürzeste Verbindung zwischen Markt und Weideflächen", sagt Stefan Storch, stellvertretender Vorsitzender der Cityinitiative Bremen Werbung.

Da wuchsen Hotels in der Bahnhofstraße aus der Erde, ein Jahr später mussten die Stadttore fallen, der Strom der Menschen, die vom Bahnhof kamen, ergoß sich über das Herdentor durch die Sögestraße in die Innenstadt.

Historischer Abrisse in den Mitteilungen der Handelskammer 1958

2 Einkaufsstraße

Zur Einkaufsstraße wandelte sich die Sögestraße kurz nach 1847, nachdem die Eisenbahn nach Bremen gekommen war. Dazu schreibt Lindemann: "Da wuchsen Hotels in der Bahnhofstraße aus der Erde, ein Jahr später mussten die Stadttore fallen, der Strom der Menschen, die vom Bahnhof kamen, ergoß sich über das Herdentor durch die Sögestraße in die Innenstadt."

In der Folge, in den fünfziger Jahren des 19. Jahrhunderts, hätten erste Geschäfte in der Innenstadt aufgemacht. 1902 eröffnete mit Karstadt ein Kaufhaus in der Sögestraße: dort, wo heute das Sporthaus steht, teilt Maike Bialek von der WfB Wirtschaftsförderung Bremen mit.

Zwar wurde die Sögestraße im Zweiten Weltkrieg weitgehend zerstört. Doch Anfang der fünfziger Jahren wurden die meisten Grundstücke in der Sögestraße wieder bebaut: in "traditionsorientierter bremischer Bauweise", wie Eberhard Syring den architektonischen Stil in seinem Buch "Bremen und seine Bauten" charakterisiert. Bereits 1958, also kurz nach dem Wiederaufbau der Straße, beschreibt Marie Lindemann die Sögestraße in den Mitteilungen der Handelskammer als "moderne Einkaufsstraße".

Montage zeigt links die Sögestraße um 1925 Ecke Schüsselkorb, rechts diesselbe Ecke im Mai 2019
Viele Häuser wurden im Krieg zerstört: Auch das Gebäude an der Ecke zur Knochenhauerstraße, wo heute ein Uhrmacher sein Geschäft betreibt. Bild: Staatsarchiv Bremen / Imago / Montage Radio Bremen

3 Intelligente Ampel

Die Fußgängerampel am Eingang zur Sögestraße / Ecke Knochenhauer Straße ist seit vorigem Dezember als erste Bremer Ampel mit einem Wärmesensor ausgestattet. Der Sensor erfasst, wie viele Menschen über die Straße wollen. Je nach Situation kann so die Grünphase angepasst werden. Damit sich auf der Fahrbahn dabei keine Autos stauen, registriert die Ampel auch den Verkehr auf der Straße.

4 Fußgängerzone

Eigentlich galt die Sögestraße bereits 1969 als Fußgängerzone. Allerdings fuhren bis zum Februar 1973 noch Busse und viel Lieferverkehr hindurch, ehe die Buslinien 24 und 25 in die Katharinenstraße verlegt wurden. Erst danach wurde die Sögestraße mit rötlichen sechseckigen Waben aus Beton gepflastert und durch Kröge mit Pflanzen gegliedert.

Ein Ferkel aus Bronze wird in einer Werkstatt repariert.
In Reparatur: ein Schwein aus der Sögestraße. Bild: Radio Bremen

Seit 1974 markiert die Plastik "Hirt mit Schweinen" von Peter Lehmann den Eingang zur Sögestraße und damit zur Fußgängerzone der Bremer Innenstadt. Das populäre Standbild aus Schweinehirten, Hund, fünf Schweinen und vier Ferkeln verweist auf die Geschichte der Sögestraße als Teil der Route von Weideflächen zum Schweinemarkt. "Die Gewohnheit, sich bei den Schweinen zu verabreden, ist nicht mehr aus dem Sprachgebrauch der Bremer weg zu denken", sagt Maike Bialek von der WfB Wirtschaftsförderung Bremen dazu.

Allerdings zahlen die Schweine einen hohen Preis für ihre Popularität, wie das Kulturressort mitteil. Etwa alle drei Jahre müsse mal ein Ferkel, mal eine Sau, dann wieder er Hund von einem Bronzegießer restauriert werden. Die Grüne: kleinere Beschädigungen und Abnutzung. Besonders hart traf es im Jahr 2015 ein Ferkel: Ein Lastkraftwagen fuhr es beim Rangieren an.

5 BID

BIDde, was? Die Sögestraße ist der höchstfrequentierte Standort in der Bremer Innenstadt. Eigentümer und Geschäftsanlieger haben sich 2012 unter dem Dach der Cityinitiative Bremen Werbung zu einem sogenannten Business Improvement District (BID), zusammengeschlossen. Dabei handelt es sich um eine Eigentümergemeinschaft mit zentralem Management und gemeinschaftlichem Budget.

So wollen sie schneller gemeinsame Entscheidungen treffen können, etwa zu Veranstaltungen oder zum Ausschmücken der Straße zur Weihnachtszeit.

Zum BID Sögestraße zählen derzeit 45 Anlieger: überwiegend Geschäfte und Kaufhäuser sowie einige gastronomische Betriebe. "Diese Struktur ist seit Jahrzehnten etwa gleich", sagt Storch, wenn sich auch der Besatz der Geschäfte immer mal wieder verändere.

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Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 15. August, 19.30 Uhr