Interview

Warum die Senatorin alle Kinder zurück in Kitas und Schule haben will

Sie empfehle Eltern, ihre Kinder in die Schule zu schicken, so Bremens Kinder- und Bildungssenatorin Claudia Bogedan. Sie übernehme dafür die Verantwortung.

Video vom 6. Januar 2021
Die Bildungssenatorin Claudia Bogedan im Interview bei buten un binnen.
Bild: Radio Bremen

Bis Ende Januar werden die zunächst nur bis Ende dieser Woche geltenden Regelungen nun fortgeführt. Das hatten Bund und Länder so beschlossen. Die Präsenzpflicht in Schulen und Kitas war aufgehoben – und bleibt es auch. Warum Bremens Kinder- und Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD) aber möglichst schnell so viele Kinder und Jugendliche wieder in Kitas und Schulen sehen möchte, erklärt sie im Interview.

Warum ist es Ihnen so wichtig, dass die Kinder und Jugendlichen so schnell wieder in die Schulen beziehungsweise in Kitas zurückkehren?
Wir müssen einerseits gucken, dass wir dem Infektionsschutz gerecht werden und nicht Kitas und Schulen zu Orten werden, wo die Infektion unkontrolliert weitergegeben wird. Und gleichzeitig muss ich dafür sorgen, dass die weitere Zukunft der Kindern und Jugendlichen nicht gefährdet wird durch eine zu große Beschneidung von Bildungszeit und Bildung. Sowohl in den Kitas als auch in Schulen findet ja eine vollumfängliche Bildung statt, das heißt, es gibt Bewegungsangebote, man kommt mit anderen Kindern in Kontakt. Das alles fördert ja ein gesundes Wohlergehen. Es geht nicht nur um die Frage der nackten Wissensvermittlung, sondern es geht um das gesamte Wohlbefinden.
Wir haben dramatische Berichte über die Zunahme von Depression bei Kindern, wir haben dramatische Berichte über Zunahme von Fettleibigkeit, wir haben dramatische Berichte über Suchterkrankungen und wir haben auch leichte Tendenzen, was Gewalt gegen Kinder betrifft. Wir müssen auch dafür Sorge tragen, dass Kindern grundsätzlich ein gutes Aufwachsen ermöglicht wird. Und deshalb, glaube ich, ist es wichtig, dass wir ihnen den Zugang und die Teilhabe zu Bildung in Kitas und Schulen ermöglichen. Und die Regelung für Bremen ist vor dem Hintergrund ein guter Kompromiss.
Bremen beschreitet einen Sonderweg, heißt es. Inwieweit unterscheidet sich das Vorgehen Bremens von anderen Bundesländern?
Im Moment ist es so, dass es tatsächlich 16 Sonderwege gibt. Die Regelung, die gestern getroffen worden ist, führt zu unterschiedlichen Regelungen in allen 16 Bundesländern. Man muss sagen, dass das vielleicht auch gerechtfertigt ist. Die Lagen in den Bundesländern sind so absolut unterschiedlich. Auch die Ausgangslagen, was das Infektionsgeschehen betrifft. Wir haben im Süden Deutschlands Landkreise mit Inzidenzwerten über 600. Da sind wir mit unseren knapp unter 100 doch sehr, sehr weit von entfernt. Und auch das erlaubt ein unterschiedliches Vorgehen und macht es auch plausibel.
Claudia Bogedan im Interview. Sie trägt eine Mund-Nasen-Bedeckung.
Bremens Kinder- und Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD) ermutigt Eltern ihre Kinder in Schulen und Kitas zu schicken. Bild: Radio Bremen
Es gibt Kritik daran, die Entscheidung – und damit die Verantwortung – Kinder zur Schule oder zur Kita zu schicken den Eltern zu überlassen. Warum übernimmt nicht die Behörde diese Entscheidung?
Ich kann die sehr gerne übernehmen. Ich kann allen Eltern nur empfehlen, ihre Kinder in die Schule zu schicken. Ich sage das ganz offen. Ich bin so fest davon überzeugt, dass wir so viel dafür tun, Schulen und Kitas zu – so weit es geht –sicheren Orten zu machen. Die Alternative, wo es nur sicherer ist, ist es, wenn die Kinder zu Hause eingesperrt sind. Und das ist nur sicherer vor dem Hintergrund des Infektionsschutzes. Die Folgen, wenn Kinder keine sozialen Kontakte mehr pflegen können, wenn sie sich nicht bewegen können, sind dramatisch.
Ich bin für diese Haltung vielfach verprügelt worden. Es ist keine Haltung, die ich mir irgendwie leicht mache, sondern das ist eine wohlüberlegte und eine, die sich sehr intensiv auch mit der Daten und Fakten auseinandersetzt. Ich will aber auch die Ängste der Eltern ernst nehmen. Denn auch das erreicht mich natürlich vielfach, dass es einfach viele Eltern gibt, die in großer Sorge sind. Es ist ein Kompromiss, der die Sorgen ernst nimmt und trotzdem ein gutes Bildungsangebot aufrechterhält.
Sie haben auch zwei Kinder. Wie handhaben Sie es persönlich?
Meine Kinder sind seit frühsten Kindesbeinen an durchgängig in Gemeinschaftseinrichtungen. Meine Kinder gehen zur Schule. Die sind vor Weihnachten zur Schule gegangen. Das war dann mitunter etwas traurig mit anzusehen, weil sie sehr einsam in der Schule waren. Aber die Kinder haben das nicht so negativ erlebt, wie ich das vielleicht als Mutter negativ erlebt habe.

Autor

  • Sven Weingärtner Redakteur und Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 6. Januar 2021, 19:30 Uhr